Eschweiler: Eindrucksvolle Bilder geben Flüchtlingen die Würde wieder

Eschweiler: Eindrucksvolle Bilder geben Flüchtlingen die Würde wieder

„La Retirada Exilis” ist eine Malerei-Ausstellung von Jose Maria Guerrero Medina überschrieben, die am Sonntag, 27. Juni, um 11 Uhr in die Röher Parkklinik an der Röher Straße 55 eröffnet wird.

Die Einführung übernimmt Dr. Adam Oellers, Stellvertretender Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums Aachen.

Veranstalter ist die Galerie Art Engert. Der Fall von Barcelona im Jahre 1939 löste eine furchtbare Flüchtlingswelle aus: Eine halbe Million Menschen versuchte, nach Frankreich zu fliehen; sie nutzten die Gelegenheit, dass der damalige französische Regierungschef der radikalen Partei, douard Daladier, zuvor die Öffnung der Grenzen Irún, Jonquera und Portbou genehmigt hatte. So kam es, dass das 23.000-Einwohner-Dorf Argelés, 353.107 Menschen zu Fuß ankommen sah: ganze Familien mit ihren verbliebenen Habseligkeiten. Sie befanden sich in einem erbärmlichen Zustand, denn nach drei furchtbaren Kriegsjahren hatten sie gerade einen langen Fußmarsch durch die Pyrinäen hinter sich.

Der „Bericht Valiére”, der auf Forderung des französischen Staates erstellt wurde, bezifferte die Zahl der anwesenden Flüchtlinge auf etwa 440.000, davon 17.000 Frauen, Kinder und Greise; 200.000 Soldaten und Milizionäre, 40.000 Invalide und 10.000 Verletzte.

„Hölle mitten im Sand”

Im März 1939 besuchte Robert Capa das gewaltige Auffanglager am Strand von Argelés und fand 800.000 internierte spanische Republikaner vor. Er hinterließ ein schriftliches Zeugnis: „Eine Hölle mitten im Sand: Die Menschen dort überleben unter Zelten und Strohhütten, die einen miserablen Schutz gegen Sand und Wind bieten. Zudem gibt es kein Trinkwasser, sondern Salzwasser, aus in den Sand gegrabenen Löchern.”

Guerrero Medina hat sich Dokumente beschafft und hat viele Fotografien gesehen, bevor er zu Bleistift und Pinsel griff. Und bei der Übertragung seiner Bilder auf die Leinwand schien er nur einen Gedanken im Kopf zu haben: nicht das Elend, das Unglück, den Verfall jeder Menschlichkeit wirklichkeitsgetreu widerzuspiegeln, kein Mitleid erregen oder den Schmerz teilen zu wollen, sondern ganz im Gegenteil, er nahm sich vor, die bedauernswerte Realität zu übertreten, über die Scham, das Mitleid und den Schmerz hinauszugehen, um ein Gefühl der Achtung zum Ausdruck zu bringen gegenüber einer extremen Würde. Die blassen Gesichter jedes Mannes und jeder Frau der besiegten Armee, die zwar einfache, jedoch saubere Kleidung trugen und die in gerader Linie und erhobenen Hauptes marschierten, erwecken den Eindruck, als wären nicht sie die Besiegten, sondern die Sieger.

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