Eschweiler: Eindringendes klares Wasser belastet Abwassersystem der Indestadt

Eschweiler: Eindringendes klares Wasser belastet Abwassersystem der Indestadt

Klares, sauberes Wasser schadet dem Kanalsystem. Was auf den ersten Blick widersinnig anmutet, ist dennoch Tatsache: Unmengen von Wasser, das in der Kläranlage nichts zu suchen hat, weil es gar nicht verschmutzt ist, belasten Eschweilers abwassertechnische Anlagen.

Das Wasser (Regen-, Grund- oder Indewasser), das unter anderem durch schadhafte Kanäle, Leitungen und Schächte ins Abwassersystem eindringt, überlastet die Kanäle und löst so Überstaus aus. Es lässt die Kosten in die Höhe schnellen, weil die Kläranlagen einen erhöhten Durchfluss bewältigen müssen. Und es belastet oder stört andere abwassertechnische Anlagen, was sich in erhöhten Kosten für Wartung und Betrieb niederschlägt.

Hier kommt das Wasser durch die Decke: Eine TV-Inspektion des sanierungsbedürftigen Hauptsammlers ergab zahlreiche marode Stellen.

Im Auftrag der Stadt nahm das Aachener Ingenieurbüro H. Berg & Partner Eschweilers Abwassersystem jetzt unter die Lupe, listete Mängel auf und entwickelte ein Sanierungskonzept, um dem Zulauf von „Fremdwasser“ Einhalt zu gebieten. Und das ist dringend geboten, um die teils ohnehin schon angegriffenen Anlagen vor weiteren schwerwiegenden Schäden zu bewahren. Denn der Fremdwasserzuschlag im Zulauf der Kläranlage Weisweiler, so ermittelte der Wasserverband Eifel Rur, beträgt im Mittel 160 Prozent. Bei trockenem Wetter sind dies rund 7500 Kubikmeter pro Tag.

Wasser, so teilte Diplom-Ingenieur Georg Vosen jetzt dem Planungs-, Bau- und Umweltausschuss mit, das vornehmlich aus den Stadtteilen südlich der Inde in den entlang des Flüsschens zur Weisweiler Kläranlage führenden „Indesammler“ einsickert. Hier gibt es bekannt hohe Grundwasserstände, und Schichtenwasser aufgrund der Hanglage des Stadtwalds verschärft das Problem.

Sanierung bis 2020

Seit etwa zwei Jahren untersucht das Ingenieurbüro den Hauptsammler und die dorthin führenden Kanäle. Und stellte dabei etliche konkrete Mängel fest: geborstene Kanalrohre, kaputte Dichtungen, zerfressenes Mauerwerk und ähnliches mehr. Und noch längst sind nicht alle Fehlerquellen gefunden: Die Einzugsgebiete der Regenüberlaufbecken Quellstraße, Vennstraße und Heinrichsweg sowie Stolberger Straße und Aachener Straße/Aue stehen in diesem Jahr und in 2018 zur Inspektion per Kanalfernsehen an. Gebiete, aus denen der Fremdwasserzufluss wie in vielen anderen Bereichen deutlich über den von Vosen für vertretbar bezeichneten 100 Prozent liegt.

Die erste Maßnahme zur Behebung der vielfältigen Probleme ist der Bau einer Druckwasserleitung, die Wasser aus der Umgebung der Willi-Fährmann-Schule via Hompeschstraße direkt in die Inde leiten soll. Im kommenden Jahr soll die Leitung unter der Hompeschstraße hindurchgepresst werden; die Straße selbst wird von den Arbeiten nicht beeinträchtigt.

Auf rund 100.000 Euro beziffert Vosen die Kosten. Fast schon eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was darüber hinaus ansteht: Die bauliche Sanierung von Haltungen (Rohrleitungen) auf insgesamt 1250 Metern Länge und Schächten im Gebiet Patternhof schlägt mit 140.000 Euro zu Buche. Und die für 2018 bis 2020 geplante Sanierung des Indesammlers soll insgesamt rund 2,3 Millionen Euro kosten. Ziel: Wiederherstellung der Dichtheit und zeitnahe Senkung der Fremdwassermenge sowie Wiederherstellung der Stand- und Betriebssicherheit.

Die Arbeiten, so Vosen, können überwiegend von Hand vorgenommen werden: Nur etwa 600 Meter Zuläufe sind mit Rohrdurchmessern von 40 bis 70 Zentimetern nicht begehbar; der Indesammler dagegen weist auf 4000 Metern Länge Durchmesser von 100 bis 140 Zentimetern auf — hier können Reparaturtrupps z.B. auf einem Rollbrett liegend arbeiten. Weitere 1300 Meter haben sogar einen Durchmesser von 2,60 Metern und sind somit bequem begehbar.

Keller unter Wasser?

Was der Stadt Kosten und Probleme spart, das kann deren Bürgern genau diese verursachen: Wohin fließt das „Fremdwasser“, wenn es nicht mehr kubikmeterweise in den Indesammler einsickern kann? Kann die Abdichtung der Kanäle gegen Zuflüsse von außen dazu führen, dass Abertausende Kubikmeter Wasser sich ihren Weg in die Keller anliegender Häuser suchen und Anwohnern nasse Füße bescheren? Ausschließen konnte Vosen die Befürchtung von Ausschussmitgliedern nicht.

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