Eschweiler: Ein zweiter Strahlenbunker für St. Antonius

Eschweiler : Ein zweiter Strahlenbunker für St. Antonius

Ein richtiges Ungetüm in jeglicher Hinsicht erlebte nun seine offizielle Einweihung. Der neue „Strahlenbunker“, wie er in Kurzform genannt wird, führte zu beeindruckten Gesichtern jener, die zur Einsegnung des zweiten Linearbeschleunigers im St.-Antonius-Hospital gekommen waren.

Durch die Erweiterung der Radiologischen Praxis wartet das Krankenhaus mit hochmoderner Technik auf und kann nun der erhöhten Nachfrage von Krebspatienten gerecht werden.

Ehe die neue Errungenschaft für Krebspatienten in Betrieb genommen werden konnte, war ein steiniger Weg zu beschreiten — weil die Bagger zu Beginn der Bauarbeiten rund 500 Kubikmeter Erde beiseite schaffen mussten. An der Ecke Dechant-Deckers-Straße und Hospitalsgasse wurde so Platz gemacht für den Anbau der Radiologischen Praxis des St.-Antonius-Hospitals. Dringend wurde der neue Linearbeschleuniger benötigt, sagt auch Elmar Wagenbach, Geschäftsführender Vorstand des SAH, denn die Onkologie in Eschweiler sei ein Leuchtturm, den es so kein zweites Mal in der Region gibt. Immer mehr Menschen nahmen den bestehenden Strahlenbunker in Anspruch, Wartezeiten waren die Folge.

Eine Herausforderung der Bauarbeiten war die Tiefe der Ausgrabung, wodurch bei dem relativ engen Baufeld umfangreiche Sicherungsmaßnahmen notwendig waren. Peter Hering, der Architekt des Krankenhauses, erklärt, dass die bestehenden Räumlichkeiten im Grunde geklont wurden. 250 Quadratmeter groß ist der Neubau, der neben dem 50 Quadratmeter großem Bestrahlungsraum Platz für Ärzte- und Wartezimmer, sowie Physiker- und Umkleideräume bietet.

Naturgemäß ist der Strahlenschutz das brisante Thema bei einem Linearbeschleuniger solcher Art, so dass Wände aus einem hochdichten Spezialbeton und mit einer Dicke von 1,70 Metern gegossen wurden. Auch die motorbetriebene Tür ist ein Monstrum und schützt mit einem Gewicht von 27 Tonnen vor der Strahlung. Die aufwendigen Baumaßnahmen verschwanden allerdings sprichwörtlich in der Erde, denn nur ein Drittel des neuen Gebäudes liegt sichtbar oberhalb der Erde neben einem der historischen Rundtürme.

Exakte Therapie

Mehr als zwei Monate sind vergangen, seit die Physiker ihr Werk erledigt haben und kontrollieren, ob der Linearbeschleuniger so funktioniert, wie er soll. Dr med. Uwe Maurer ist Leiter der Strahlentherapie „360°“ und freut sich ebenso wie das gesamte Team des Krankenhauses über den neuen Strahlenbunker, der dank der Technik erhebliche Vorteile mit sich bringt. Der erste Vorzug ist, dass die Computertomographie gleichzeitig mit der Bestrahlung vollzogen werden kann, so dass eine exaktere Strahlentherapie möglich ist. Dank des Multilamellenkollimators kann der zu bestrahlende Bereich des Körpers sehr genau eingegrenzt werden, von einer Fläche von ein mal ein, bis zu 40 mal 40 Zentimeter.

Der zweite Pluspunkt ist die Rotation der Bestrahlung, durch die Patienten in viel kürzerem Zeitumfang behandelt werden können. So ist eine Bestrahlungszeit von nur zwei Minuten möglich. Ein dritter Vorteil ist der vollautomatische Tisch, der das manuelle Eingreifen des medizinischen Personals überflüssig macht. Eine Entlastung ist der neue Linearbeschleuniger nicht nur wegen seiner ausgefeilten Neuerungen.

Bei Ausfall gibt es Ersatz

Allein die Tatsache, dass es nun zwei Bunker gibt, sorgt dafür, dass die Abteilung nicht — wie bislang — bis 22 Uhr geöffnet sein muss und das SAH bei dem Ausfall eines Geräts immer ein Ersatzgerät bereitstehen hat.

Bei der offiziellen Einsegnung dankten Maurer und Wagenbach vor allem dem Kirchenkuratorium und weiteren Akteuren für die Möglichkeit, den neuen Strahlenbunker umzusetzen. Der hat zwar einige Investitionen in Millionenhöhe verschlungen, kann aber als Beginn weiterer finanzieller Bemühungen zählen.

Die Segnung durch heiliges Wasser nahmen Pfarrer Michael Datené und Thomas Kolligs, Seelsorger am SAH vor. Zunächst trugen sie Gebete vor. Der Linearbeschleuniger sei, so der Pfarrer, wie ein unsichtbarer Gott, der Heil bringen kann. Dann sorgte Datené für einen heiteren Moment unter den Gästen, denn er wollte die neue Errungenschaft an verschiedenen Stellen mit dem Weihwasser begießen. Doch Maurer sah die Technik in Gefahr und schritt zügig ein. Fürbitten wurden vorgetragen, bevor eine Demonstration der Rotationsbestrahlung folgte. Das hinterlassene Staunen mündete in lockeren Gespräche bei Getränken im Bunker.

(mah)
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