Streuobstwiese von Willi Braunleder: Ein wahres Blütenparadies mitten in Röhe

Streuobstwiese von Willi Braunleder : Ein wahres Blütenparadies mitten in Röhe

Streuobstwiesen – alleine das Wort klingt schon idyllisch. Leider sind sie immer seltener zu sehen. Dabei liefern diese Naturbiotope nicht nur Streuobst, sie haben auch eine essenzielle Bedeutung für die Artenvielfalt. Willi und Uschi Braunleder aus Röhe haben sich ein solches Paradies direkt vor ihrer Haustür geschaffen.

Wenn die 70 Obstbäume (alle hochstämmig) auf dem 8000 Quadratmeter großen Grundstück in Blüte stehen, möchte man einfach nur innehalten und diese Pracht bestaunen.

Und nicht nur der naturverbundene Mensch erfreut sich an diesem idyllischen Stückchen Erde. Die Streuobstwiese bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen natürlichen Lebensraum. In den Obstbäumen brüten seltene Vogelarten, und zwischen den Pflanzen herrscht ein munteres Treiben von Milliarden von Insekten. Einem in der Nähe beheimateter Imker kommt die blütenträchtige Streuobstwiese gerade recht. „Man befruchtet sich sozusagen gegenseitig“, scherzt Braunleder. Ein Festmahl für die Bienen, denn in Braunleders Garten wird weder gedüngt noch Gift verspritzt.

„Auf unserer Wiese gibt es über 50 verschiedene Wildkräuter. Und seltene Vogelarten wie Buntspecht, Käuzchen und Goldammern fühlen sich hier wohl!“ Auch Reinecke Fuchs habe sich schon blicken lassen. Vielleicht wegen der Idylle, vielleicht aber auch wegen der Gänse, die ständig „Haus- und Hofwache“ halten. Die haben ihr Revier erfolgreich verteidigt, denn der fuchs ward nicht mehr gesehen.

Willi Braunleder ist ein naturverbundener Mensch und kennt sich auch mit der Pflege von Bäumen aus. Foto: Irmgard Röhseler

Auf Willi Braunleders Streuobstwiese gedeihen Obstbäume, die fast vergessene Apfelsorten wie Berlepsch, Winterrambur, Seidenhemdchen, Klara-Apfel, Ontaria und Boskoop, sowie Birnensorten „Klapps Liebling“ und „Die Gräfin von Paris“ tragen. Zudem gedeihen Süßkirschen, Sauerkirschen, Pflaumen, Mirabellen Pfirsiche, Holunder, Schlehen, Johannisbeeren und vieles andere mehr im Garten von Willi und Uschi Braunleder.

Der 71-jährige Indestädter und seine Frau erfüllten sich 1997 einen lang gehegten Wunsch: Sie bauten ein original Schwarzwaldhaus aus Holz und legten eine Streuobstwiese an. Aus reiner Liebe zur Natur.

Für Willi Braunleder ist das Bewirtschaften einer Streuobstwiese aktiver Naturschutz. Täglich dreht der Hobby-Obstbauer seine Runde und schaut nach „seinen Schützlingen“ und seinem „Kindergarten“. So nennt der Rentner liebevoll den Baum-Nachwuchs, den er aus alten Sorten hochzieht. Das so genannte „Aufpfropfen“ hat der Hobbygärtner selbst erledigt. „Und es hat geklappt“, freut er sich über die saftig grünen Jungbäume.

Bis zu zehn Mal wird gemäht. Foto: Irmgard Röhseler

Leider wird die Bewirtschaftung der großen Streuobstwiese immer schwieriger für den Rentner. Die 8000 Quadratmeter Wiese muss rund zehnmal im Jahr gemäht und gemulcht werden. Das erledigt Braunleder zwar mit einem Trecker, ist aber auch dafür mindestens jeweils fünf Stunden lang unterwegs. Sechs Fahrten zur Mülldeponie sind notwendig, um den Grünschnitt zu entsorgen.

Um das Grundstück herum steht eine schützende rund 300 Meter lange Schlehenhecke - auch die muss dreimal im Jahr gestutzt werden. Und selbstverständlich brauchen die teils 80 bis 90 Jahre alten Obstbäume, die vier bis sechs Meter hoch sind, einen fachgerechten Schnitt. „Der Baum hat das Bedürfnis nach oben zu sprießen. Pflegt man ihn nicht und schneidet ihn zurück, geht er kaputt!“ weiß Braunleder.

„Und dann ist ja da noch die Ernte“, erzählt Braunleder. „In diesem Jahr habe ich das Obst mit einem 81-jährigen Freund alleine gepflückt. 2100 Kilogramm bringen die geernteten Früchte auf die Waage. 800 Kilogramm davon hat Braunleder zu Saft pressen lassen. Einen großen Teil der Saftkanister spendet er bedürftigen Menschen, die restlichen Apfel-Birnensaftpacks verkauft er zuhause.

Willi Braunleder würde sich sehr über tatkräftige Hilfe freuen. „Material (Obst) gegen Arbeit“ ist sein Angebot an naturverbundene Menschen, die sich mit um die Pflege der Bäume, das Rasenmähen und die Ernte kümmern möchten.

Wer Interesse hat, kann sich gerne bei Willi Braunleder, Schubbendenweg 14, Tel. 02403/801451 melden.

Die Gänse eigenen sich gut als „Haus- und Hofhunde“. Sie bewachen die 8000 Quadratmeter große Streuobstwiese. Foto: Irmgard Röhseler