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Eschweiler: Ein Stück Paradies feiert in der Indestadt seinen 100. Geburtstag

Eschweiler : Ein Stück Paradies feiert in der Indestadt seinen 100. Geburtstag

„In Bibliotheken fühlt man sich wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuchlos unberechenbare Zinsen spendet.” Johann Wolfgang von Goethe bemerkte bereits vor rund 200 Jahren treffend, wie wertvoll das Wissen der Bücher für die Menschen sein kann.

Eschweilers Bibliothek, die Stadtbücherei im Rathaus, feiert in diesen Tagen ihr 100-jähriges Bestehen. Im Rahmen einer Matinee im Kulturzentrum Talbahnhof feierten nun Mitarbeiter, Freunde und Gönner den stolzen Geburtstag.

Es ist mehr als die bloße Anzahl und Vielfalt an Medien - denn längst gibt es neben dem gedruckten Wort auch CDs, DVDs und Videos in den Regalen -, die eine Bücherei ausmacht. Sie ist für jeden da, zum Zeitvertreib, zur Unterhaltung, aber selbstverständlich auch zur Fortbildung, zum Erkenntnisgewinn.

Eschweilers Stadtbücherei ist für die Bevölkerung eine Quelle des Wissens. Und das soll auch so bleiben. „Ich bin mir sicher, dass wir weitere Geburtstage feiern werden. Die Stadtbücherei gehört zu Eschweiler wie die Inde”, versprach Bürgermeister Rudi Bertram politische Rückendeckung auch in schweren Zeiten für die freiwillige, aber wichtige Leistung einer Kommune.

Eschweilers Verwaltungschef hatte zusammen mit dem Förderverein der Stadtbücherei geladen. Dessen Vorsitzender, Horst Schmidt, bedankte sich nicht nur bei den vielen Unterstützern, die seit 1995 dazu beitragen, das „schönste Wohnzimmer unserer Stadt” zu erhalten. „Wir wollen eine 100 Jahre junge Dame hochleben lassen, die wie unsere Heimatstadt immer in Bewegung war und ist”, ging Schmidt in seinen einleitenden Worten kurz auf die Geschichte der Stadtbücherei ein, die 1909 auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Dr. Ludwig Carbyn als „Volksbibliothek und öffentliche Lesehalle” an der Kaiserstraße ihren Lauf nahm.

Ein Jahrhundert später hatdie „junge Dame” Stadtbücherei nichts an ihrer Vitalität verloren. Denn ihre Essenz ist zeitlos und voller Kraft und Fantasie: das Buch. Wie unterschiedlich, geistreich, humorvoll und unterhaltsam das geschriebene Wort sein kann, bewiesen drei Lesepaten mit amüsanten Texten.

Walter Danz begrüßte die zahlreichen Gäste mit Heinz Erhardts „Versuch einer Confrence”. Der Witz verpackt im geschliffenen Wort, und trotzdem stets den Schalk im Nacken, das ist es, was einen der berühmtesten deutschen Humoristen, der in diesem Jahr ebenfalls 100 Jahre alt geworden wäre, ausgemacht hat. Und immer noch ausmacht, wie Danz´ Vortrag bewies.

Ebenso pointiert Umberto Ecos satirischer Leitfaden, wie eine öffentliche Bibliothek zu organisieren sei. Nicht nur Eschweilers Leiterin der Stadtbücherei, Christine Rohe, musste schmunzeln, als Gustl Schreurs Ecos 8. Gebot vorlas: „Der Bibliothekar muss den Leser und Ausleiher stets als seinen Feind betrachten.”

Eine Handlungsmaxime, die in der Indestadt in keinster Weise umgesetzt wird. Den Abschluss bildete Jörg Dreschers Ausflug in einen Klassiker der Jugend- und Erwachsenenliteratur: Mit einem Auszug aus Mark Twains „Huckleberry Finn” entführte der Buchhändler die Zuhörer in die spannende Welt von Tom Sawyer und seinen Freunden.

Es waren gelungene, weil abwechslungsreiche zwei Stunden, die der Förderverein Stadtbücherei seinen Gästen präsentierte. Musikalisch begleitet vom Pianisten Jürgen Schuhmacher, blieb ebenso reichlich Zeit zum ungezwungenen Gespräch. Und mit einigen einleitenden Worten auf Eischwiele Platt lud Leo Braun vom Arbeitskreis Mundart des Geschichtsvereins die „Geburtstagsgesellschaft” schließlich zu einer kulinarischen Runde entlang des Buffets ein.

Leidenschaftliche Literaten, wie es der 1986 verstorbene Jorge Luis Borges einer war, stillen ihren (Wissens-)Hunger dagegen weiterhin mit guten Büchern: „Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt”, sagte der argentinische Schriftsteller einst. Ein Stück davon steht auch in der Indestadt, und zwar in der Stadtbücherei direkt am Rathaus.