Eschweiler: Ein Schwergewicht der Comedyszene

Eschweiler: Ein Schwergewicht der Comedyszene

Die lange Schlange vor dem Getränkeautomat im Supermarkt, der immer weiter um sich greifende Schlankheitswahn und die gefühlt hundert Geburtstage, für die immer originellere Geschenke her müssen, all diese alltäglichen Dinge sorgen dafür, dass unser Stresslevel beständig steigt.

Es war am Sonntag also höchste Zeit, Tipps vom Stress-Experten Markus Maria Profitlich zu erhalten, der mit seinem Bühnenprogramm eine „Therapiegruppe“ im ausverkauften Talbahnhof begrüßen konnte. Wenn das Comedy-Schwergewicht, bekannt aus TV-Formaten wie der „Wochenshow“ und „Mensch Markus“ mit Blockflöten-Klängen die Bühne entert, fällt der Stress bereits spürbar von einem ab und ein Dauergrinsen vertreibt die Sorgenfalten.

Dass dieses im Laufe des Abends immer breiter wird, dafür sorgt vor allem die Situationskomik, die dem Comedian laut eigener Auskunft schon als kleiner Junge die Zuneigung im Familienkreise eingebracht hat.

„Die Topmodels bei Heidi Klum sehen in ihren schwarzen Klamotten aus wie ein Strichcode auf einer Müslipackung“, Profitlich macht mit dem Zeitgeist kurzen Prozess und spart auch nicht mit gesellschaftlicher Kritik: Kinder würden durch die Beruhigung mit beispielsweise Ritalin ihrer Chance beraubt, sich mit ihrem Körper auseinanderzusetzen und diesen wahrzunehmen. Damit es nicht zu tiefsinnig wird, unterstreicht der Comedian seine Kritik mit einer köstlichen Inszenierung seiner Mimik, wenn er ein Ritalin-gedoptes Kleinkind bei der Fahrt im Einkaufswagen am geliebten Schokoriegel vorbei gibt.

Von Thermomix-Sekten, Partnersuche in Finnland und der nervenaufreibenden Fahrt zu Onkel Huberts 90. Geburtstag durch ein Kölner Straßennetz, das undurchsichtiger als Hogwarts‘ Treppenhaus ist, seziert Markus Maria Profitlich auf höchst vergnügliche Art die uns allen bekannten Stressmacher. Und was können wir dagegen tun? Zum Beispiel die Position des „liegenden Elefanten“ im Yoga einnehmen, die Kinder mit Umschalten des Smart-TVs beschäftigen und sich ein beruhigendes Hobby suchen, wie beispielsweise Bauchreden mit einer Pantomime-Puppe.

Mangelnder Tiefgang, voraussehbare Pointen und das immer gleiche Erfolgsrezept der Gesichtsakrobatik? Der 57-jährige Markus Maria Profitlich lässt sich von dieser Kritik sicher nicht mehr stressen und steht für das, was ihn erfolgreich gemacht hat: Situationskomik in kurzen, Sketch-artigen Formaten. Ideal zum Abschalten vom alltäglichen Wahnsinn. Die Zuschauer freuen sich schon auf den nächsten Auftritt.

(vr)
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