Eschweiler: Ein Rennfahrer im Unruhestand

Eschweiler : Ein Rennfahrer im Unruhestand

Wenn man ihm mit seinem gewinnenden Lachen gegenüber sitzt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass dieser Mann einen sehr schweren Gasfuß besitzt und auf der Rennstrecke keiner Herausforderung aus dem Weg geht.

Doch die eindrucksvolle Trophäensammlung im Wohnzimmer lässt erahnen, dass Arnold Packbier in 25 Jahren aktivem Motorsport den sportlichen Rivalen meist nur die Heckansicht geboten hat. Heute wird der Indestädter 60 Jahre alt.

Schuhe oder Reifen?

„Der Motorsport hat mir sehr viel gebracht, und er ist mir immer so wichtig gewesen, wie meine Arbeit.” Damit lügt er gewiss nicht. Kleine Kostprobe: Da der Motorsport schon immer ein kostspieliges Unterfangen war, setzte der 60-jährige Prioritäten: „Wenn ich wählen musste zwischen einem Satz Reifen und einem Paar Schuhen, habe ich mich natürlich für die Reifen entschieden. Siege konnten wir nicht ausgiebige in der Gasse feiern, weil dazu einfach das Geld fehlte.”

Dabei hätte es vor allem in den 80er Jahren genügend Anlässe zum Feiern gegeben. 1980 wurde Packbier Deutscher Slalommeister der Amateure. Im selben Jahr und 1981 wurde er Vizemeister bei den Leistungsprüfungen. In welchem Auto Packbier saß war dabei egal. Ob NSU, Opel oder Formel Vau - alles was vier Reifen hat kann Packbier auch heute noch in rasendem Tempo bewegen.

1990 musste Packbier seine aktive Karriere unterbrechen. Der Einzelhandelskaufmann, der sich 1976 in Eschweiler in der Heimtextilienbranche selbstständig gemacht hatte, brach zu neuen Märkten auf. Gemeinsam mit dem Aachener Partner Teppich Essers eröffnete Packbier Standorte in Ostdeutschland im Großraum Zeitz. „Wirtschaftlich war das die absolut richtige Entscheidung. Das würde ich heute wieder machen”, bereut er seinen damaligen Schritt nicht.

Doch in den kommenden 12 Jahren änderte sich der Lebensrhythmus der Familie Packbier grundlegend. Frau Ingrid und Tochter Monique bekamen Mann und Vater nur noch im 14-Tage-Abstand zu Gesicht. Der Beruf machte es dem Unternehmer unmöglich, die 525 Kilometer von Zeitz nach Eschweiler öfter unter die Räder zu nehmen.

Natürlich musste auch der Motorsport zurückstehen. „Ich war fortan jährlich 50.000 Kilometer mit dem Auto geschäftlich unterwegs, und dieses Fahren machte gar keinen Spaß”, so Packbier. Doch ein Umzug stand nie zur Debatte. „Eschweiler ist meine Heimat. Wir haben hier unsere Freunde und das wollten wir nicht aufgeben”, so Packbier.

2002 endete sein Engagement in Ostdeutschland mit dem Verkauf des Unternehmens an ein französisches Konsortium. Zu früh, wie er heute meint, denn: „60 ist doch kein Alter mit dem man aufhört zu arbeiten. Doch ich muss mich Wohl oder Übel so langsam auf die Rente vorbereiten.”

Nie schwere Unfälle

Dass Rente gleich Ruhe ist, muss wohl angezweifelt werden. Seitdem Packbier wieder in Eschweiler ist, entflammt auch seine Liebe zum Motorsport neu. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen er im Maleranzug Testfahrten an der Halde Nierchen absolvierte. Doch bei der Clubmeisterschaft des Motorsportclub Eschweiler wurde er im Cart prompt Zweiter und bewies, dass er nicht viel verlernt hat. „Ich habe in meinem Sport und privat nie schwere Unfälle gehabt. dementsprechend wünsche ich mir auch für meine Zukunft Gesundheit.” Es ist ihm zu gönnen.

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