Eschweiler: Ein kleiner Buddha für zwei Wochen

Eschweiler: Ein kleiner Buddha für zwei Wochen

Was seine Freunde jetzt wohl machen? Die liegen wahrscheinlich im Freibad. Oder haben Spaß beim Shoppen. Alex Rübben hat keinen Spaß, ihm ist sogar richtig langweilig. Seine Sommerferien genießt der Zehnjährige nicht in der Sonne und überhaupt hat er sich das alles hier ganz anders vorgestellt.

Kein Handy, keine Playstation, kein Internet. Gar nichts, bloß Gebete. Sonnig ist derzeit allenfalls das orangefarbene Gewand, das der Junge mit der frisch rasierten Glatze trägt. Alex ist Novize. Ein kleiner Buddha für zwei Wochen. Der Sohn einer thailändischen Mutter und eines deutschen Vaters macht das, was viele junge Männer in Thailand machen: Ein paar Wochen oder Monate als Mönch in einem Kloster verbringen. Bloß verbringt Alex seine Zeit in Eschweiler, im „Wat Dhammaniwasa”, einem buddhistischen Kloster mit dem größten Gebetsraum Deutschlands.

Heute knurrt sein Magen besonders doll. Nur eine Mahlzeit am Tag nehmen thailändische Mönche nach dem morgendlichen Gebet zu sich. Kaum haben die erwachsenen Mönche - fünf sind es derzeit in dem im Juni 2010 eröffneten Tempel an der Dürener Straße - ihren faszinierend-fremdartigen Gebetsgesang beendet, lehnt sich Alex zum Nebenmann rüber und raunt: „Ey Alter, ich hab Hunger!”

Darben muss er hier nicht lange. Die Gläubigen, die zum Morgengebet in die Klosterräume gekommen sind, haben waschkorbweise Essen mitgebracht. Thailändische Currys, Nudelgerichte, Reis und Obst in rauen Mengen. Auf Knien rutschen die Klosterbesucher an der Reihe der Mönche vorbei und füllen deren Schüsseln. Dann haut Alex ordentlich rein, es muss ja für den Rest des Tages reichen. „Sonst passiert hier nicht viel”, sagt er. Früh aufstehen, schon morgens um sechs. Dann das erste Gebet. Anschließend noch eine Runde Schlaf, gefolgt vom nächsten Gebetsritual, anschließend warten bis zum Abendgebet. „Das wars dann auch.”

Was dem Jungen herzlich wenig Freude bereitet, ist für die gut 400 Mitglieder der Buddhistischen Gemeinschaft der Städteregion Aachen e.V. ein Lebensmittelpunkt geworden. „Wir sind richtig glücklich, wie gut sich das hier alles entwickelt hat”, sagt Vorstandsmitglied Charus Wongtao. Derzeit werden die Kellerräume aufgemöbelt, dort sollen einmal Deutschkurse für Thailänder stattfinden und Kochworkshops. Nicht nur für Buddhisten soll das Kloster mit der unscheinbaren deutschen Backsteinfassade ein Anlaufpunkt sein. „Unsere Türen stehen allen offen, wir präsentieren hier unser religiöses und kulturelles Leben.”

Wer kommt, muss die Schuhe ausziehen. Auf Socken geht es in den gut 300 Quadratmeter großen Gebetsraum, der üppig verziert ist. Neben einer großen goldenen Buddhastatue thronen etliche kleinere, überall glänzt es in einem Blumenmeer, für das die Besucher Sorge tragen. Alles hier lebt von Spenden. Von den Flugtickets für thailändische Mönche bis zum täglichen Essen.

Alex Knübben hat noch keinen Draht zu all dem gefunden. Er will nicht noch mal Novize sein, sagt er. Seine Freunde haben ihn nicht besucht. Das findet er gut so. „In dem Gewand seh ich doch komisch aus.” Auch seine Freundin hat er nicht eingeladen. Warum? „Mönche dürfen keine Frauen anfassen. Das ist auch ganz schön blöd...”

Sonntags können Besucher ab 15 Uhr im thailändischen Kloster an der Dürener Straße 243 eine Meditation der Mönche miterleben. Auch Feste werden dort gefeiert, wie aktuell zum Beginn der Regenzeit. Am Sonntag, 30. September, findet im Kloster der „Sart-Thai”-Tag zu Ehren Verstorbener statt.