Eschweiler: Ein Abend des Eischwiele Jong

Eschweiler: Ein Abend des Eischwiele Jong

Mit zwei musikalischen Überraschungen begeisterte die Städtische Musikgesellschaft am Vorabend des 4. Advent die vielen Zuhörer, die zum Weihnachtskonzert in die Kirche St. Peter und Paul gekommen waren.

Am Schluss gab es stehend Beifall für Orchester, Chor und Solisten, für den Dirigenten Horst Berretz und — ganz besonders warm und herzlich — für den Komponisten Friedrich Radermacher. Professor Radermacher ist sozusagen ein „Eischwiele Jong“. Geboren in Düren, wuchs er in Eschweiler auf und wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Indestadt, unter anderem als Mitbegründer und bis 1959 auch als Leiter der Städtischen Musikgesellschaft.

Der 90-jährige Komponist Friedrich Radermacher war Ehrengast. Hier mit Tenor Raphael Pauß, der Radermachers Weihnachtskantilene erzählte.

Später war er stellvertretender Direktor der Musikhochschule Köln. Der 90-jährige Komponist lebt heute in Hilden bei Düsseldorf. Am Samstag waren er und seine Frau Ehrengäste des Weihnachtskonzerts, auf dessen Programm Radermachers 1954 entstandene Weihnachtskantilene stand.

Mal geheimnisvoll, mal mystisch

Ein beeindruckendes Werk. Im Wechsel erzählen Chor und Solisten — der Tenor Raphael Pauß und die Sopranistin Marlies Buchmann — in dieser Kantilene die Weihnachtsgeschichte. Das klingt mal geheimnisvoll und mystisch, mal andächtig und fromm, mal suchend oder sogar verzweiflungsvoll, wie beim Tenorsolo „Die Väter hoffeten auf ihn mit Tränen und mit Flehn“.

Und wie in dem Duett „Schlafe du Knabe, schlaf ein“ das Wiegenlied sich zu weihnachtlichem Jubel steigert — das ist wirklich meisterhaft. Wie auch der andachtsvolle Schluss des Werkes, bei dem die gesprochenen Worte „Herr, du bist würdig zu nehmen Lob und Preis und Dank“, von gezupften Akkorden der Streicher begleitet werden.

Rauschender Beifall

Rauschender Beifall dankte den Interpreten dieses zu Unrecht nur selten aufgeführten Werkes. Und auch der Komponist bedankte sich bei der Musikgesellschaft und den Solisten, denen es erkennbar Freude gemacht hatte, diese musikalische Weihnachtsgeschichte in allen Nuancen darzustellen. Begonnen hatte das Weihnachtskonzert mit dem Doppelkonzert für zwei Violinen und das Orchester BWV 1043 von Johann Sebastian Bach. Die Solo-Geigen spielten Brigitte Petrovitsch, Konzertmeisterin im Orchester der Städtischen Musikgesellschaft, und Roswitha Kuhnen. Hauptwerk des Konzertabends war aber die Messe A-Dur opus 12 des französischen Komponisten César Franck. Cornelia Schwarz-Miseré, die Vorsitzende des Chores, die durch das Programm führte, wies darauf hin, dass auch Frank ein Komponist aus der Region gewesen sei.

Seine Mutter stammte aus Aachen, sein Vater aus dem deutschsprachigen, heute belgischen Ort Gemmenich. Die Franck-Messe war die andere große Überraschung des Weihnachtskonzertes, und zwar vor allem durch die beeindruckend dichte, konzentrierte Leistung des gesamten Ensembles. Nach der etwas konfus wirkenden Bach-Interpretation zuvor stimmte nun einfach alles.

Spielfreude und Dynamik

Der Chor der Musikgesellschaft zeigte sich harmonisch, differenziert und auch in den leisen Passagen ausdrucksstark; das von Horst Berretz straff geführte Orchester, verstärkt durch auswärtige Solisten, voller Spielfreude, mit Fülle und Dynamik.

Und auch die Gesangssolisten waren exzellent: Etwa Bassist Christian Brülls aus Aachen, die aus Hagen stammende Sopranistin Marlies Buchmann, die an der Musikhochschule Köln Gesang lehrt, und der Kölner Tenor Raphael Pauß — der an diesem Abend überragend war — in dem anrührenden, sanften, zunächst nur von der Harfe begleiteten Stück „Panis angelicus“.

Bei der Zugabe, dem Weihnachtslied „Nun freut euch ihr Christen“, waren die Besucher des Konzertes zum Mitsingen eingeladen. Das ist nicht nur eine schöne Tradition bei den Weihnachtskonzerten der Städtischen Musikgesellschaft, es macht auch deutlich, dass das weihnachtliche Geschehen alle Menschen angeht, die sich auf die Bedeutung des Festes einlassen.

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