Eschweiler: Ehrenamtlerin mit Leib und Seele

Eschweiler: Ehrenamtlerin mit Leib und Seele

Monika Medic engagiert sich nicht nur in der Politik, sondern auch in der christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und veranstaltet seit zehn Jahren das beliebte Entenrennen. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt die vierfache Mutter, warum sie Politik als Jugendliche eigentlich „doof“ fand, was Johannes Rau mit ihrem Umdenken zu tun hat und warum die Indestadt unbedingt eine Zirkusschule braucht.

Frau Medic, Sie sind Ehrenamtlerin durch und durch. Wie erholen Sie sich von Politik, CAJ, Entenrennen und Co.?

Medic: Im Auenland (Familien- und Jugendbildungshof in Mulartshütte, Anmerkung d. Redaktion). Wenn man über die Brücke geht, ist das, als wäre man im Urlaub. Dafür braucht man nicht weit weg fahren. Man muss einfach hier gewesen sein, sonst kann man dieses Gefühl nicht erleben.

Sie engagieren sich in zahlreichen Organisationen. Was fasziniert Sie an dieser Arbeit?

Medic: Zunächst muss man sagen, dass ich das Ehrenamt als etwas Verpflichtendes sehe. Trotzdem ist es auch ein Luxus, den ich mir gönne, obwohl ich auch locker auf 50 Stunden in der Woche komme (lacht). Toll finde ich, dass ich viele Menschen kennenlerne und immer wieder dazu lerne.

Wann fiel der Startschuss für Ihr Engagement?

Medic: Angefangen hat aber alles bei der CAJ. Da bin ich mit 13 Jahren eingetreten.

Wie kam es dazu?

Medic: Achim Schyns war damals auf dem Stich der Vorsitzende der CAJ-Gruppe. Viele Jugendliche aus unserer Straße sind dort eingetreten und ich auch. Ich war auch noch drin, als ich Kinder hatte. Als unsere älteste Tochter neun Jahre alt war, gab es leider keine CAJ-Gruppe mehr. Mein Ziel war, eine neue Gruppe aufzubauen und das habe ich mit meinem Mann gemacht.

Warum war das für Sie so wichtig?

Medic: Ich wollte, dass unsere Kinder die Möglichkeit haben, das zu erleben, was ich auch erlebt habe.

Und das wäre?

Medic: Die CAJ vermittelt christliche Werte. Das Miteinander und die Rücksichtnahme stehen im Vordergrund. Man lernt aber auch sich zu positionieren.

So sind auch verschiedene Projekte entstanden.

Medic: Genau. Mit dem Projekt Aktion Z haben wir sogar einen Preis in Berlin gewonnen. Darin ging es um Zivilcourage, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Außerdem haben wir mit den Jugendlichen die Idee für den heutigen Käfig samt Skaterpark am Jugendheim St. Barbara umgesetzt. Da wurde der Kontakt zur Eschweiler Politik auch sehr intensiv und ich habe mir gedacht, dass ich noch mehr für Kinder und Jugendliche erreichen kann, wenn ich selbst in die Politik gehe.

Dann sind Sie in die SPD eingetreten. Und wie ging es dann weiter?

Medic: Zuerst war ich sachkundige Bürgerin im Jugendhilfeausschuss. Das fand ich sehr spannend. In unserem Ortsverein bin ich dann in den Vorstand gewählt worden, wurde Ratsmitglied und habe 2004 den Wahlkreis zurückgeholt.

Vorher spielte Politik für Sie nie eine Rolle?

Medic: Zu Hause wurde über Politik nicht groß gesprochen. Mein Vater hat immer politische Sendungen geschaut und wir waren davon immer genervt, weil wir nur drei Fernsehprogramme hatten und wir dann nichts anderes gucken konnten. Deshalb fand ich Politik damals auch doof (lacht). Außerdem war das für mich immer sehr weit weg. Alles spielte sich auf Bundesebene ab.

Wann hat sich Ihre Einstellung zur Politik geändert?

Medic: Das war mit 21 Jahren. Das war ein richtiges Schlüsselerlebnis, das mich bis heute geprägt hat. Mein Mann und ich haben an den Wochenenden auf Jahrmärkten gearbeitet. Der Veranstalter hatte auch ein Busunternehmen und hat Begleiter gesucht. Dann wurden zuverlässige Leute für eine ganz bestimmte Tour gesucht. Johannes Rau wollte eine Bustour mit Diplomaten machen. Das war eine 24-stündige Tour und das Personal wurde an einem Sammelpunkt abgeholt, weil keiner wissen durfte, wo es hingeht. Das fand ich total spannend. Ich habe auch zugesagt und muss sagen, dass das so ein tolles Erlebnis war, dass ich das im Nachhinein auch ohne Geld gemacht hätte (lacht).

Warum?

Medic: Ich hatte das Glück, dass ich in dem Bus gearbeitet habe, in dem Johannes Rau saß. Ich war natürlich sehr nervös und das hat er auch gemerkt. Irgendwann hat er zu mir gesagt, dass ich mich entspannen und mal locker werden soll, er wäre schließlich auch nur ein ganz normaler Mensch. Er war wirklich sehr nett und gar nicht überheblich. Abends haben wir auf einem Schloss gegessen und er wollte, dass ich neben ihm sitze. Da war ich wieder nervös, allein schon wegen dem ganzen Besteck, was auf dem Tisch lag. Aber er meinte nur, dass ich mich einfach von außen nach innen vorarbeiten soll. Das war ein Erlebnis, das einem keiner bieten kann. Johannes Rau hat mich wirklich geprägt. Ich denke, dass Jugendliche heute auch solche Vorbilder brauchen.

Wie kann das aussehen?

Medic: Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche einfach Aha-Erlebnisse haben. Wenn jemand Leute begeistern kann, ist es fast schon egal, welcher Partei er angehört. Die Devise von meinem Mann und mir lautet: vormachen, mitmachen, nachmachen. Ich kann von Kindern nur etwas erwarten, wenn ich es ihnen vorlebe. Wenn Eltern nur rausgehen und Party machen wollen, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn ihre Kinder das auch machen. Man sagt auch immer: Es bedarf ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen und das glaube ich auch. Heute ist es aber leider oft anders, deshalb können Kinder auch oft nicht richtig reifen. Ich kämpfe dafür, dass sich das ändert. Das ist mein Ansporn auch in der Politik. Dabei ist das Schöne, dass man dann auch sieht, was man bewegt hat.

Was wäre das beispielsweise?

Medic: Die Geschwisterkindregelung. Familien mit mehreren Kindern werden jetzt auch wirklich entlastet. Das ist sehr wichtig. Schließlich haben Familien, in denen es mehrere Kinder gibt, immer einen größeren Aufwand, auch finanziell. Wenn man in den Zoo geht, dann muss man für mehrere Kinder bezahlen und wenn man mal weggehen möchte, dann muss man seine Kinder auch unterbringen. Bei einem Kind geht das vielleicht noch. Aber wer passt denn auf zwei oder mehr Kinder auf?

Sie sprechen mit vier Kindern aus eigener Erfahrung.

Medic: Das stimmt. Für die Geschwisterkindregelung habe ich den Anstoß gegeben. Darauf habe ich einige Jahre hingearbeitet. Umgesetzt hat es dann natürlich die Fraktion.

Kommen wir noch einmal zurück zum Auenland. Seit 2007 sind Sie und Ihr Mann dort aktiv. Wie kam es dazu?

Medic: Vor 22 oder 23 Jahren war das schon ein Wunsch von uns. Wir haben rumgesponnen und überlegt, was wir machen würden, wenn wir eine Million hätten und heraus kam ein Konzept für ein Haus, in dem jeder willkommen ist, in dem es tiergestützte Pädagogik gibt und in dem Kinder und Jugendliche, bei denen es zu Hause nicht so gut läuft, eine Zuflucht finden.

Sie haben aber noch einen weiteren großen Traum, den Sie sich erfüllen möchten.

Medic: Das ist richtig. Ich träume von einer Zirkusschule und möchte irgendwann meine eigene Zirkusschule vor Ort haben.

Warum liegt Ihnen daran so viel?

Medic: Im Zirkus kann jeder seinen Platz finden. Das Gefühl wenn man auf der Bühne steht und Applaus bekommt, sollte jedes Kind einmal erfahren. Jeder kann seine Rolle finden. Im Zirkus ist einfach alles möglich und gerade das finde ich daran auch so toll.