Eschweiler: Eher Familien-Happening als Konzert: Miss Melli & Fats Jazz Cats im Talbahnhof

Eschweiler: Eher Familien-Happening als Konzert: Miss Melli & Fats Jazz Cats im Talbahnhof

Ein gut besuchtes Haus, eine Hochzeitsgesellschaft und ein sattes Bühnenjubiläum bescherten Miss Melli & Fats Jazz Cats dem Kulturzentrum Talbahnhof.Trompeter Klaus Lumma, aka Fats von Gerolstein, feierte sein 55-jähriges Jubiläum auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Zusammen mit seiner Combo zelebrierte er eine unterhaltsame musikalische Reise durch die Welt von Louis Armstrong und Frank Sinatra, mischte Swing mit Latin, streute eine Prise Afro- und Cuban-Jazz ein und fühlte sich wie immer sichtlich wohl an seiner Trompete und am Mikrofon. Letzteres teilte sich Fats Lumma mit Schauspielerin und Sängerin Miss Melli, die auch von ihrem über siebenjährigen Engagement im Kölner Millowitsch Theater her bekannt ist.

Den Informationen auf der Band-Webseite kann man entnehmen, dass Miss Melli eine echte rheinische Frohnatur ist. Das stellte sie mit einigen Strophen des unsterblichen Musical-Hits „Summertime“ unter Beweis, den sie kurzerhand in kölscher Mundart zum Besten gab: „Et is Sommerzeit und dat Leben jeht leischt von d´r Hand“ ist schon eine höchst unterhaltsame Text-Adaption des George-Gershwin-Klassikers.

Nonchalanter Erzähler

Das war beim besten Willen kein böser Hinweis auf das Eschweiler Publikum, dessen intime Nähe zu Frohsinn und Karneval keiner weiteren Erwähnung bedarf. Immerhin ist ja auch Fats Lummas erklärte Lieblingsstadt New Orleans durch den dortigen „Mardi Gras“ eine Hochburg des Karnevals.

Beim New-Orleans-Jazz-Evergreen „Mack the Knife“ zeigte er auch als nonchalanter Erzähler am Mikrofon sein Können. Begleitet von den erfahrenen und flinken Händen von Dr. Frank Carpentier am Piano, Uwe Düppengießer am Schlagzeug und Kalle Radermacher am Kontrabass wagten sich Miss Melli und Fats Lumma auch an den gleichnamigen Titelsong aus der in den USA erfolgreichen Fernsehserie „Treme“. Das Original von John Boutté ist mit seinem mitreißenden Rhythmus mittlerweile zu einer Art heimlichen Nationalhymne von New Orleans geworden.

Band-Neuzugang Christoph Häfner wurde von seinen Mitstreitern zwar scherzhaft als „gitarristische Billiglösung“ präsentiert, gibt dem Gesamtklang von Fats Jazz Cats aber eine wohlklingende moderne Zusatzkomponente. Als überzeugter Fan des King of Rock´n´Roll spielte und sang Christoph Häfner gefühlvoll den Elvis-Hit „Falling in love with You“, den er seiner Tochter Roxana widmete. Offensichtlich davon inspiriert gab Fats Lumma mit der Komposition „Dragomira“ auch einen in spanischer Sprache gesungenen musikalischen Liebesbeweis an seine Frau zum Besten. Nach eigenem Bekunden war er dabei allerdings „so nervös wie noch nie im Leben“.

Miss Melli & Fats Jazz Cats spielten sich in drei Sets in die Herzen des Publikums, wobei sie das Kunststück fertigbrachten, zwischendurch immer wieder mit den Menschen im Talbahnhof zwanglos zu plaudern. Mit einer derart „anfassbaren“ Band kann man getrost von einem großen Familien-Happening statt von einem konventionellen Konzert sprechen.

In seiner Begrüßung sprach Fats Lumma noch augenzwinkernd von seinem Kollegen Al Coda von der Musik-Universität Bayreuth, dem in einem Akt unerhörter Klang-Kriminalität „der Swing entwendet wurde“. Mit seiner Combo gelang es ihm schließlich mit Leichtigkeit, diesen wieder herbeizuspielen.

(psi)