Aachen: Drittes Gleis zwischen Aachen und Düren frühestens 2015

Aachen: Drittes Gleis zwischen Aachen und Düren frühestens 2015

„Puuh”, sagt Peter Ramsauer und rutscht ein wenig in seinem bequemen Sessel hin und her. Dass dem Bundesverkehrsminister (CDU) bei einem Termin in Aachen auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) die Frage gestellt wird, wann denn der Bau des dritten Bahngleises zwischen Aachen und Düren beginnen soll, hatte er sich bestimmt gedacht.

Eine richtig befriedigende Antwort kann er trotzdem nicht geben. „Allerfrühestens 2015”, sagt der Bundesverkehrsminister schließlich vage. „Konkreter kann ich das nicht sagen.”

In absehbarer Zeit wird es also kein drittes Bahngleis geben, um das Nadelöhr aufzulösen. Das ist nichts Neues. Wobei auch Ramsauer weiß, dass die Zeit drängt und der Streckenabschnitt zwischen Aachen und Düren „nicht nur von regionaler, sondern auch von europäischer Bedeutung” ist. Schließlich sind die wenigen Gleiskilometer Teil einer europäischen Haupttransittrasse für Güterverkehr. Und ebenso ist dem CSU-Minister bewusst, dass wegen der rasant steigenden Prognosen für den Gütertransport aus den Nordseehäfen Antwerpen, Zeebrügge oder Rotterdam eine „Lawine auf uns zurollt”. Allein im Antwerpener Hafen soll der Güterumschlag nach eigenen Berechnungen bis 2020 um 50 Prozent steigen - und der Transport wird nicht nur über die Straße erfolgen.

Handlungsdruck ist also da. Und Ramsauer will in Aachen im Beisein zahlreicher CDU-Politiker und -Landtagskandidaten sowie Unternehmer klarmachen, dass gehandelt werde. Wenn auch in kleinen Schritten. Hatte es Anfang des Jahres noch Irritationen darüber gegeben, dass kostengünstigere Alternativen zum dritten Gleis in aller Stille zu den Akten gelegt worden seien, geht der Minister nun in die Offensive. Zwei der ursprünglich drei vorgesehenen Ausweichgleise zwischen Aachen und Düren, auf die langsamere Züge schnelleren ausweichen können, seien inzwischen in den sogenannten Investitionsrahmenplan aufgenommen. Das heißt: „So kann weiter geplant werden, obwohl der Abschnitt nicht im Bundesverkehrswegeplan steht. Das ist eine absolute Ausnahme”, unterstreicht Ramsauer.

Wann die Überholspuren gebaut werden können, steht laut Deutscher Bahn allerdings noch gar nicht fest; denn das Projekt befindet sich am Beginn der sogenannten Planfeststellungsphase, an deren Ende erst entschieden wird, ob dieses Ausweichgleis überhaupt gebaut werden kann. Unbeachtet dessen sieht Ramsauer nun die NRW-Landesregierung am Zug. „Das Land muss das Projekt für den ab 2015 gültigen Bundesverkehrswegeplan anmelden. Das ist bislang versäumt worden.”

Ob Norbert Röttgen (CDU) demnächst aktiv werden kann, entscheiden die Wähler am 13. Mai. In Aachen hört der jetzige Bundesumweltminister und womöglich baldige NRW-Ministerpräsident seinem Nachbarn auf der Berliner Regierungsbank zumindest aufmerksam zu. Und bevor Röttgen in den anlaufenden Wahlkampf enteilt, verspricht er: „Es ist wichtig, dass die Aachener Region gesehen und konkret gefördert wird. Sie ist ein Beweis dafür, dass NRW Potenzial hat.”