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Eschweiler: Drei Künstler und ein Sündenbock

Eschweiler : Drei Künstler und ein Sündenbock

Die Galerie Art Engert präsentiert von Dienstag, 9. November, bis Mittwoch, 15. Dezember, die israelischen Künstler Nechama Levendel und Naday Block und ihren deutschen Kollegen Wolfgang Franken mit der Ausstellung „Der Sündenbock”.

Die Werke beziehen sich auf die Vergebungsbitte Papst Johannes Paul II. vom 12. März 2000 für die Verbrechen der katholischen Kirche gegen die Menschlichkeit.

Nechama Levendel und Naday Block schufen die Skulptur des Sündenbockes - eine Ziege, die mit Schriftstücken in arabischer, hebräischer und lateinischer Sprache beklebt und mit schwarzen Nägeln bespickt ist.

Levendel und Block sehen die Vergebungsbitte des Papstes in Bezug auf das Ritual des Sündenbocks, das auf das Alte Testament, 3. Buch Mose, Kap.16, zurückgeht. Aaron befreit sein Volk von allen Sünden, indem er sie auf einen Ziegenbock, den sogenannte „Sündenbock”, überträgt und diesen in die Wüste schickt.

Entstanden ist der Sündenbock zwischen den jüdischen Feiertagen Rosh ha-Shana (dem jüdischen Neujahrsfest) und Yom Kippur (dem Versöhnungstag), und greift somit auch mit seiner Entstehung das Thema Vergebung auf.

Sichtbares Schweigen

Ganz anders interpretiert Wolfgang Franken das Thema. Er zeigt Bodenreliefs in Form von Steinen, die er als Zeugen allen Geschehens auf dem Lebensweg des Sündenbockes sieht. Sie nehmen alles in sich auf und schweigen. Dieses Schweigen macht Franken sichtbar.

Es kommt, wie von Franken beabsichtig zu einem Dialog zwischen dem Betrachter und seinen Arbeiten. Durch diese Kommunikation entsteht ein aktueller Zeitbezug, der Sündenbock steht auf einmal nicht mehr nur als Symbol für die Reinigung von Schuld, sondern auch für den Wunsch nach Überwindung von Gewalt und Terror.

Die Eröffnung der Ausstellung fällt zusammen mit der Gedenkfeier, die die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Evangelische Kirchengemeinde Eschweiler gemeinsam aus Anlass der Reichspogromnacht am 9. November, 15 Uhr, in der Dreieinigkeitskirche, begehen.

Die Ansprache hält der Vorsitzende der deutsch-jüdischen Gesellschaft, Pfarrer Jens Bentzin. Der isrealische Künstler Amos Plaudt wird deutsche und jüdische Texte vortragen, die musikalische Gestaltung liegt bei Bärbel Ehlert und Friedel Lutzer. Die Ausstellung ist geöffnet täglich von 14 bis 16 Uhr. Zur Eröffnung der Ausstellung und zur Gedenkfeier lädt die Evangelische Kirchengemeinde ein.