Eschweiler: Die Zahl der Einbrüche wächst massiv

Eschweiler: Die Zahl der Einbrüche wächst massiv

Versteckt zwischen Büschen blickt der Polizist auf die Kreuzung Lindenallee und Bundesstraße 264 in Weisweiler. Einige Meter weiter warten seine Kollegen darauf, jedes Auto herauszufischen, das verdächtig erscheint oder dessen Fahrer gegen Verkehrsregeln verstößt.

Eigentlich zielt der Einsatz aber gegen eine bestimmte Verbrecherklientel: gegen marodierende Einbrecherbanden. Es ist 17.30 Uhr und dunkel. Zu diesem Zeitpunkt sind diese Gruppen unterwegs, auf der Suche nach einer noch verlassenen Wohnung oder einem Haus.

„In Eschweiler sind die Einbruchszahlen massiv gestiegen“, sagt Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach, der den Einsatz am Straßenrand verfolgt. Damit schwimmt die Indestadt gegen den Trend, denn in anderen Städten sinken die Zahlen. Es habe eine Verlagerung stattgefunden, berichtet Weinspach, was dafür spricht, dass nicht nur örtliche Einbrecher am Werk sind. Mit solchen Einsätzen wie an diesem Dienstagabend sollen Täter nicht nur gefasst, sie sollen auch abgeschreckt werden.

Ein großer Fisch geht den Beamten beim frühabendlichen Einsatz nicht ins Netz.

Dies gelang allerdings vor wenigen Wochen: Dem 31-Jährigen, der vor der Polizei durch die Inde flüchtete und anschließend gefasst wurde, konnten inzwischen 14 Wohnungseinbrüche nachgewiesen werden. Dies teilt der Einsatzleiter Christoph Kuhl in Weisweiler mit. Ihm kam man mit gefundenem Diebesgut und mit DNA-Spuren auf die Schliche. Ob die Zahl seiner Einbrüche sogar noch höher liegt, können die Ermittler nicht ausschließen. Der Mann war vorbestraft und muss laut Behörde mit einer „empfindlichen Strafe“ rechnen.

Bis September wurden in Eschweiler bereits 160 Einbrüche in diesem Jahr registriert. In den zwei Jahren davor waren es binnen zwölf Monaten 167 (2014) und 169 (2015). Bei der Aktion am Dienstagabend wird es die Polizei in Eschweiler darum nicht belassen. „Wir werden nun in unregelmäßigen Abständen immer wieder schwerpunktmäßig tätig werden, um Wohnungseinbrecher zu stoppen“, verspricht Polizeipräsident Weinspach. Es gehe schließlich auch darum, dass Menschen sich sicher fühlen.

Die Vorgehensweisen der Einbrecher sind häufig ähnlich. Vor dem Einstieg in eine Wohnung vergewissern sich die Einbrecher, ob jemand zuhause ist. Bei Wohnungen erfolgt der Einbruch häufig durch die Eingangstür, bei Einfamilienhäusern über die Terrasse oder ein rückliegendes Fenster.

Alles, was die Arbeit des Einbrechers erschwert, kann die Tat letztlich verhindern, denn: „Einbrecher wollen schnell in eine Wohnung gelangen, da sie nicht entdeckt werden wollen“, sagt Weinspach.

Gelingt der Einstieg in kurzer Zeit nicht, dann lassen die Täter häufig wieder ab.

24 Autos und über 30 Personen untersucht die Polizei beim Einsatz am Dienstagabend in Weisweiler. Der „Ertrag“ ist diesmal gering: Verstöße gegen das Verkehrsrecht wie Handy am Steuer und nicht angeschnallte Fahrer, mehr nicht. Im September ging sogar eine serbische Einbrecherbande ins Netz. Für Einsatzleiter Christoph Kuhl ist dies keine Besonderheit: „Wir stoßen verstärkt auf Banden aus den Balkanstaaten sowie Sinti und Roma.“

Bei der Bande vom September befand sich laut Polizei ein Täter erst seit wenigen Tagen in Deutschland. Es sind besondere Merkmale an den Fahrzeugen und das Verhalten der Fahrer, die die Polizisten auf den Plan rufen. Eschweiler, an den beiden Autobahnen 4 und 44 gelegen, ist für marodierende Banden attraktiv, da eine schnelle Flucht möglich ist.

Um 19.30 Uhr am Abend packen die Polizisten in Weisweiler wieder ihre Sachen. Zu diesem Zeitpunkt sind die meisten Menschen nach Feierabend wieder zuhause — eine schlechte Zeit für Einbrecher.