Eschweiler: Die Zahl der Betreuungsverfahren steigt immer weiter

Eschweiler: Die Zahl der Betreuungsverfahren steigt immer weiter

„Es kann wirklich jeden treffen!“ Rainer Harnacke, Direktor des Amtsgerichts, bringt es auf den Punkt. Unfälle, Krankheit und das Alter können dazu führen, dass man wichtige Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann. Ehepartner, Kinder oder nahe Verwandte können in einer solchen Situation die rechtliche Vertretung jedoch nicht einfach übernehmen.

Daher lohnt es, sich frühzeitig über dieses komplexe Thema Gedanken zu machen. Das Amtsgericht gibt dazu Hilfestellung und informiert über Betreuung und Vorsorgevollmacht am Freitag, 8. April.

1615 laufende Betreuungsverfahren zählt das für die Städte Eschweiler und Stolberg zuständige Amtsgericht derzeit und „die Zahlen sind insgesamt steigend“, sagt Betreuungsrichterin Gertrud Wollschläger-Dulle. Sie weiß auch, dass viele Menschen Berührungsängste mit diesem Thema haben. Geht‘s etwa um die Vorsorgevollmacht sagt auch Sibylle Mähr, ebenfalls Betreuungsrichterin, dass sie überrascht sei, wie wenige Menschen eine solche hätten.

Genau aus diesem Grund solle für dieses Thema weiter sensibilisiert werden, so Harnacke. Viele Fragen werden am Freitag der kommenden Woche erörtert. Hier ein paar Beispiele.

Ist eine Betreuung eine Entmündigung? Nein. Der Betroffene kann weiterhin selbstständig neben dem Betreuer handeln und im Geschäftsleben auftreten. Anderes gilt nur dann, wenn ein sogenannter Einwilligungsvorbehalt angeordnet wurde. Dieser führt dazu, dass der unter Betreuung stehende nur mit Einwilligung seines Betreuers in dem entsprechenden Aufgabenkreis tätig werden kann.

Wie wird man Betreuer? Man wird vom Betreuungsgericht bestellt und ist dann gesetzlicher Vertreter des Betroffenen, aber nur im Rahmen seiner Aufgabenbereiche.

Welche Aufgaben hat der Betreuer? Der Betreuer ist nicht der Organisator, nicht der Ausführende. Will heißen: Betreuer ist nicht derjenige, der den zu Betreuenden wäscht, anzieht und bekocht, sondern derjenige, der diese Hilfe organisiert.

Was ist eine Vorsorgevollmacht? Bei noch bestehender Geschäftsfähigkeit erteilt der Betroffene für den Fall, dass er krankheitsbedingt nicht mehr geschäftsfähig ist, eine solche Vollmacht. Dafür gibt es verschiedene Formulare. Eine notarielle Form ist grundsätzlich nur dann für die Vorsorgevollmacht einzuhalten, wenn der Bevollmächtigte auch in der Lage sein soll, Grundstücksgeschäfte zu machen oder Verbraucherdarlehen aufzunehmen.

Es ist nur ein kleiner Auszug an Fragen, die am 8. April thematisiert werden. Eines ist dabei klar: Im Betreuungsrecht geht es oft um tragische Schicksale, wie Gertrud-Wollschläger-Dulle, Sibylle Mähr und Rechtspfleger Norbert Sojka immer wieder feststellen.

Das Justizministerium des Landes veranstaltet vom 4. bis zum 8. April eine Woche des Betreuungsrechts und das Amtsgericht Eschweiler nimmt daran teil. Es werden am Freitag, 8. April, zwei Veranstaltungen angeboten: eine ab 10 Uhr, die andere ab 14 Uhr. Es referieren die Betreuungsrichterinnen Sibylle Mähr und Gertrud Wollschläger-Dulle sowie Rechtspfleger Norbert Sojka.

Nach den Referaten besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Für die Fragerunden wird das Podium mit den Notaren Dr. Stefan Schmitz (Veranstaltung um 10 Uhr) und Dr. Martin Kley (14 Uhr) erweitert. Der Tag des Betreuungsrechts findet im Saal 17 (großer Sitzungssaal) des Amtsgerichts Eschweiler, Kaiserstraße 6, statt.

(tob)