Eschweiler: Die Stadt muss für die Volkshochschule weniger zahlen

Eschweiler : Die Stadt muss für die Volkshochschule weniger zahlen

Eigentlich bestehen in der Eschweiler Volkshochschule gute Gründe, zufrieden auf das Hier und Jetzt zu schauen. Die Zahlen stimmen positiv, im kommenden Jahr steht das 100-jährige Bestehen auf dem Programm. Allerdings machte eine Einbruchserie den Mitarbeitern der Bildungseinrichtung zu schaffen.

Vier Mal stiegen Unbekannte im Februar und März in das Gebäude ein und hatten es dabei vor allem auf die EDV-Geräte abgesehen. Inzwischen sind mehrere Kameras installiert, die Täter abschrecken oder deren Ermittlung erleichtern sollen. Der Schaden war beträchtlich: etwa 25.000 Euro. Zahlreiche Daten waren damit ebenfalls verschwunden. „Zum Glück jedoch keine sensiblen Persönlichkeitsdaten“, betont Volkshochschulleiterin Silvia Hannemann. Diese sind besonders gesichert und auf Servern im Rathaus gespeichert.

Die Konzepte, Schreiben und Pläne für das kommende Semester mussten dennoch zum Teil nachträglich erneut verfasst werden und werden dem Kulturausschuss nun vorgelegt. Was die Kommunalpolitiker sicherlich freuen wird: Der Zuschuss der Stadt Eschweiler ist in den kommenden Jahren kontinuierlich gesunken. Mit 170.246 Euro muss die Kommune so wenig Geld zum Betrieb der VHS beisteuern wie schon seit Jahren nicht mehr. 14,6 Prozent der Gesamtkosten werden damit von der Stadt übernommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 mussten 38,8 Prozent der Kosten (323.206 Euro) mit Zuschüssen finanziert werden.

Diese finanziell erfreuliche Entwicklung hängt hauptsächlich mit den Integrationskursen zusammen, die seit über zwölf Jahren an der Volkshochschule angeboten werden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat die Zulassung des Angebots in Eschweiler erst vor wenigen Wochen um weitere fünf Jahre verlängert.

Dies ist insofern eine besondere Auszeichnung des von Malgorzata Müller verantworteten Bereichs, weil üblicherweise eine Verlängerung um drei oder weniger Jahre ausgesprochen wird. „Die Vergütung der Integrationskurse ist inzwischen angepasst worden“, sagt Hannemann. Dies bedeutet, dass die VHS eine dem Angebot angemessene Bezahlung erhält. Die Finanzierungslücke schrumpft damit. Für das kommende Semester will man zwar weiterhin Plätze in Integrationskursen bereithalten, allerdings geht man an der Kaiserstraße davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren deutlich sinken wird.

Damit gerät die berufliche Integration der Menschen immer mehr in den Vordergrund. Auch dort nimmt die Volkshochschule inzwischen eine Vorreiterposition ein. Dieser Bereich wächst und hat nicht nur Flüchtlinge im Auge. „Wir müssen das Schubladendenken weiter aufbrechen“, betont Hannemann. Manche Sprachkurse sind spezifisch auf die Arbeitswelt abgestimmt.

Viele Angebote haben nicht nur einen klassischen Bereich im Auge, sondern greifen mehrere miteinander zusammenhängende Aspekte auf. Dabei hat man auch die Trends im Auge. Island steht aktuell als Reiseland hoch im Kurs — und landet damit auf den Stundenplan für das neue Semester. Allerdings wird eben nicht nur die Sprache vorgestellt, sondern auch kulturelle Angebote werden gemacht. Dies versteht man in der Volkshochschule unter „interdisziplinär“.

Mehr Unterrichtsstunden

Zwar musste die Stadt im vergangenen Jahr weniger beisteuern, aber die Zahl der Unterrichtsstunden ist auf 17.143 deutlich gewachsen. Auch dies lässt sich auf die Integrationskurse zurückführen, aber eben nicht nur: „Auch die Nachfrage bei gesundheitlichen Präventionskursen ist nach wie vor auf sehr hohem Niveau“, berichtet Silvia Hannemann. Mit insgesamt 3215 Unterrichtsstunden liegt die Gesundheitsbildung auf Platz 2 in der internen VHS-Liste — noch vor den Sprachen mit 2163 Unterrichtsstunden.

Die Sprachen seien jedoch nach wie vor das Rückgrat der Volkshochschule. Etwa 20 verschiedene Sprachen werden unterrichtet. Einige Sprachen wie Englisch lassen sich sogar bis zum Abschluss C2, der höchsten Stufe im GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen), erlernen. Lediglich die Nachfrage nach bestimmten Computerkursen lässt laut Hannemann nach: „Es folgt nun die Generation, die mit einem PC aufgewachsen ist“, nennt sie als Begründung.

Im kommenden Jahr wird also „Hundertjähriges“ gefeiert. Im Programm soll dann auch der Schwerpunkt verstärkt auf einen Aspekt gelegt werden, der im Moment viele Teile der Gesellschaft beschäftigt: die Digitalisierung. Dies erfasst auch die VHS.

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