1. Lokales
  2. Eschweiler

Eschweiler: Die Spuren der Heimat verschwinden

Eschweiler : Die Spuren der Heimat verschwinden

„Was für Menschen über Jahrzehnte Heimat war, wird von einem Bagger innerhalb von 20 Minuten in Schutt und Asche gelegt.” Eindringlich schilderte Inge Broska in der Friedenskirche die Situation in ihrem Wohnort Otzenrath.

Denn Otzenrath ist ein über 1000 Jahre altes Dorf, das in wenigen Jahren im „größten Loch Europas” (Garzweiler II) verschwinden wird.

„Mit den Füßen zuerst” heißt dss Programm der Performance-Künstlerin, die auf Einladung von Galeristin Anita Engert ihren Protest ausdrückte.

Eigener Widerstand

Inge Broska hat ihre persönliche Art des Widerstands gegen Garzweiler II gefunden. Sie kommt ohne vorwurfsvolle Gesten aus und wehrt sich anders: Mit Geschichte. Denn diese geht verloren, wenn ein Dorf wie Otzenrath stirbt. Von den ehemals 1500 Einwohnern wohnen nur noch 10 Prozent im Ort, zwischen 2006 und 2008 werden auch diese letzten Aufrechten, wie es Rheinbraun ausdrückt, „abgesiedelt”.

Zusätzlich müssen 15 Gebäude, die auf der Denkmalliste stehen, dem Erdboden gleich gemacht werden, unter anderem vier historische Höfe, der Wasserturm sowie die evangelische und katholische Kirche.

Die Künstlerin wandert nun oft durch die bereits abgebaggerten Gebiete und findet dort häufig Alltagsgegenstände wie Tassen, Küchengeräte, Briefe oder Kreuze -ÊDinge, die für sie symbolisieren, dass dort Menschen lebten, die ihre Heimat aufgeben mussten. „Besonders alte Menschen leiden unter diesem Verlust. Oft hört man von ihnen, dass sie ihr Haus nur mit den Füßen zuerst, das heißt im Sarg verlassen wollen”, berichtet Inge Broska.

Die 1942 in Mönchengladbach geborene Künstlerin erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, u. a. der Stadt Bonn und der Stadt Graz, wo sie mit dem Nina-Gründler-Preis ausgezeichnet wurde. Sie ist bei Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in zahlreichen Museen des In- und Auslandes mit Performance und Installationen präsent. Zusätzlich ist sie Mitglied in zahlreichen Künstlerorganisationen wie „Frauenmuseum Bonn” und „Hausmuseum Otzenrath”.

Die Performance/Lesung in der Friedenskirche stand auch im Bezug zu den „Monochromen Bildern” von Albert Borchardt in der Friedenskirche.

Herzlich bedankten sich Anita Engert und Inge Broska bei Pfarrer Friedhelm Schippers, der die Friedenskirche für Ausstellung und Performance zur Verfügung stellte. „Kunst und Kirche können von einer engeren Zusammenarbeit eigentlich nur profitieren”, erklärte der Geistliche.