Eschweiler: Die Mutter der Mundart-Bands wird 50

Eschweiler : Die Mutter der Mundart-Bands wird 50

Was die Bläck Fööss für Köln, das sind die Inde-Singers für Eschweiler, nämlich die Mutter alles Mundart-Bands. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die Inde-Singers sind zwei Jahre älter als die berühmte Formation aus der Domstadt am Rhein.

Im Jahr 1968 feierten sie Premiere bei der Sitzung der Bösen Buben im Burghof. Damals war Matthias Junk als Sänger schon mit von der Partie. Der 83-Jährige stöpselt auch am 15. September seinen Bass an, wenn in der Festhalle Dürwiß das große Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen über die Bühne geht.

Der runde Geburtstag wird natürlich mit großem Spektakel, dem Orchester der Städtischen Musikgesellschaft und einer imposanten Show gefeiert. Aber eigentlich sind die Inde-Singers für die leisen Töne im Karneval bekannt. Und für die Vertextung des Eschweiler Stadtmarsches, des Laridah. Seit einigen Jahren sind sie mit eigenen Liedern und Texten unterwegs, die meistens aus der Feder von Sänger und Gitarrist Christian Leuchter stammen.

„Mindestens 20 Büttenreden“

Matthias Junk schmunzelt, wenn er von den Anfängen der Formation erzählt: „Bei den Sitzungen wurden mindestens 20 Büttenreden vorgetragen, da wollten wir etwas Abwechslung in den Saal bringen.“ Er selbst stieg einige Jahre als „Mann mit Erfahrung“ in die Bütt. Schon vor seinem Auftritt habe er die ersten Lacher auf seiner Seite gehabt: „Meine Eltern haben immer fluchtartig den Saal verlassen, wenn ich meine Witzrede gehalten habe.“ Den Wunsch nach einer eigenen Musikgruppe setzte er in die Tat um. Da Junk als Ausbilder bei der Firma Dohmen auf dem Sticher Berg tätig war, hatte der dortige Kollege Frank Kreies kaum eine Chance, seine Anfrage abzulehnen: „Ich habe gehört, du spielst Akkordeon — willst du nicht bei uns mitmachen?“, soll ihn Junk gefragt haben.

Im Jahr 1968 stand das Quartett mit Matthias Junk, Hubert Franken, Helmut Lenzen und Frank Kreies erstmals auf der Bühne und wurde noch im gleichen Jahr von der Bergrather Prinzengilde verpflichtet. Das Konzept: bekannte Melodien mit eigenen Texten. In den 80er Jahren standen sogar auch Parodien mit auf dem Plan, weil Mitglied Hubert Franken, inspiriert vom damals sehr erfolgreichen Colonia Duett, sein komödiantisches Talent auskostete.

Erst viele Jahre später sollten auch eigene Lieder folgen. Ende der 80er Jahre erhielt die Entwicklung der Inde-Singers ordentlich Rückenwind. Den Grund kann heute fast jeder Indestädter mitsingen: Heribert Dahlen verfasste einen Text zum Stadtmarsch, dem Laridah. Diese Version ist heute noch Höhepunkt eines jeden Inde-Singers-Konzerts.

Das Personenkarussell der Inde-Singers drehte sich ständig, von den Gründern ist noch Matthias Junk übrig geblieben. Auch das ursprüngliche Aussehen der Gruppe hat sich gewandelt. Viele Jahre zogen sie als rot-weiße Clowns durch die Säle. „Wenn man an einem Abend mehrere Auftritte hatte, lief einem die Schminke herunter — darum haben wir das Schminken irgendwann drangegeben“, nennt Junk einen einfachen Grund, inzwischen wieder zivil zum Schunkeln zu animieren. Die personellen Wechsel haben das Niveau der Gruppe ständig gehoben — aus dem Quartett wurde schrittweise ein Septett.

Aus Quartett wird Septett

In den 90er Jahren stießen die beiden Gitarristen Guido Kuth und Christian Leuchter zu der Gruppe. Letzterer entwickelte sich dann mit Schlagzeuger Dominik Thomé zu den musikalischen Köpfen. Allerdings schränkt Matthias Junk ein: „Bei uns wird alles gemeinschaftlich entschieden, auch wenn wir Christian natürlich sehr dankbar sind, dass er viele Lieder schreibt.“ Komplettiert wird die Band von Heribert Dahlen, Jürgen Göbbels an der „Quetsch“ und seit einigen Monaten von E-Gitarrist Ralf Getz.

Dass man auch mit selbstkomponierten Liedern erfolgreich sein kann, unterstreicht nicht nur die Zahl der Auftritte in der Session. Gleich zwei Mal qualifizierten sich die Inde-Singers für die „Närrische Hitparade“ und scheiterten nur knapp am Finale. Beim in der vergangenen Session letzten Wettbewerb „Loss mer singe“ landeten ihre Lieder immer wieder vorne. „Die Leute sind dankbar, wenn sie auch einmal andere als die sonst üblichen Karnevalslieder hören“, meint Matthias Junk und ergänzt augenzwinkernd: „Nachspielen ist auch einfacher.“

Er war es, der in den 80er Jahren zunächst mit dem Vorschlag scheiterte, eine Veranstaltung aller Eschweiler Mundart-Gruppen an „Wievefastelovend“ zu organisieren. Dies klappte dann später, als Christian Leuchter im Jahr 1999 das Heft in die Hand nahm und das „Jecke Tön Projekt“ aus der Taufe hob. Dazu wurde gleich eine Gemeinschafts-CD herausgebracht. Und sind die Inde-Singers nicht im Karneval auf Tour, dann stehen Weihnachtskonzerte, Unplugged-Gigs und mehr auf dem Terminplan.

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