Beerdigung im Friedwald: Die letzte Ruhestätte mitten in der Natur

Beerdigung im Friedwald : Die letzte Ruhestätte mitten in der Natur

Die Bestattungskultur in unserer Gesellschaft verändert sich mehr und mehr. Viele Menschen suchen nach alternativen Möglichkeiten für ihre letzte Ruhestätte. In der Region Aachen/Düren bietet sich seit Ende des letzten Jahres eine neue Alternative an: In Langerwehe gibt es einen Friedwald. Dort kann man sich in einer Urne im Schatten eines Baumes beerdigen lassen.

Fährt man auf der Landstraße 25 zwischen Schevenhütte und Gürzenich, trifft auf ein Hinweisschild zum Friedwald. Biegt man dort ab, kommt man auf einen Parkplatz direkt am Rand eines dichten Mischwalds. Eichen, Buchen, Hainbuchen, Winterlinden, Lärchen, Kiefern und Douglasien bilden hier einen klassischen Wald. Die ältesten Eichen sind bis zu 160 Jahre alt.

Sogleich bemerkt man, dass etliche Bäume mit gelben oder Blauen Bändern gekennzeichnet sind. Bei genauem Hinschauen entdeckt man auch kleine Nummern an den Bäumen. An anderen Bäumen sind kleine Namensschilder, darauf Namen, Geburts- und Sterbedaten, manchmal kleine Kreuze.

Man ist in einem Friedwald, einer Begräbnisstätte mitten in der Natur. Hier gibt es keinen Grabschmuck und keine Grablaternen, Nur die kleinen schwarzen Schilder an Bäumen, zu deren Füßen schon Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben, weisen darauf hin, dass man sich mitten in einem Naturfriedhof befindet. Bestattet werden ausschließlich Urnen, diese müssen aus biologisch abbaubarem Material betsehen.

Nur ein kleines Schild am Baum weißt auf die Menschen hin, die hier bestattet sind. Foto: Michael Uhr

Wandert man durch den Friedwald, trifft man auf eine große Sitzgruppe aus Holz im Schatten eines Kreuzes. Ein Platz im Friedwald, wo man sich setzen kann, wo man zur Ruhe findet, aber auch ein Platz für eine Trauerfeier bei einer Beerdigung, ein Andachtsplatz.

Der Friedwald im Meroder Wald ist ein Projekt der aus dem hessischen stammenden Friedwald GmbH, die in Deutschland im Jahr 2001 ihr erstes Friedwaldprojekt eröffnete und heute bundesweit 64 Friedwälder betreibt.

Im Meroder Wald, der weitgehend Staatsforst des Landes Nordrheinwestfalen ist, betreut die Landesforstverwaltung durch das Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde den Friedwald. Sie ist der Ansprechpartner vor Ort und bietet regelmäßig Friedwald-Informationsführungen an.

Großes Interesse bei Führung

Lukas Stempin vom Landesbetrieb Wald und Holz ist einer der Führer durch den Naturfriedhof. Er weiß zu berichten, dass das Interesse am Friedwald Meroderwald riesengroß ist. Die Führungen sind auf Wochen ausgebucht. „Ende November haben wir eröffnet und die erste Fläche von einem Hektar ist fast schon ausgebucht.“ Es steht jedoch eine Gesamtfläche von 47 Hektar für den Friedwald zur Verfügung.

Auch bei der Führung am letzten Samstag war das Interesse groß. Rund 30 Besucher, alle eher jenseits der 50 Jahre, wanderten durch den Wald und stellten zahlreiche Fragen rund um ein Grab in der Natur.

Es gibt vielfältige Varianten, sich eine Grabstelle im Friedwald Meroderwald zu sichern. Vom Kauf eines selbst ausgesuchten Baumes mit bis zu zehn Grabstellen für einen Zeitraum von 99 Jahren über eine Wahl-Grabstelle (20 Jahre Mindestruhezeit) unter einem Gemeinschaftsbaum bis hin zur spontanen Beisetzung unter einem vom Förster ausgesuchten Baum sind viele Varianten möglich.

Ausführliche Informationen zum Konzept Friedwald und die Möglichkeit, sich zu einer Führung anzumelden finden Interessierte im Internet unter: www.friedwald.de/meroderwald

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