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Eschweiler: Die Inde wird 325 Meter länger

Eschweiler : Die Inde wird 325 Meter länger

1600 Kilometer oberirdische Flussläufe liegen im Zuständigkeitsbereich des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER). In sieben Monaten werden es 325 Meter mehr sein.

Ende des Jahres wird die Inde zwischen Nothberg und Hücheln nicht mehr durch einen gradlinigen Kanal fließen, sondern sich in natürlich wirkenden, idyllischen Schleifen durch die Indeauen schlängeln.

Raum für 110.000 Kubikmeter Wasser

Dass der WVER der Inde auf diesem 1,3 Kilometer langen Teilstück ein neues Bett schafft, tut der Verband natürlich nicht der Optik wegen. Die Maßnahme dient dem Hochwasserschutz: Die Mäandrierung lässt einen zusätzlichen Rückhalteraum entstehen, der 110.000 Kubikmeter Wasser fassen kann. Wehre verschwinden; der Fluss wird auf dem gesamten Teilstück „ökologisch durchlässig”, sprich: zum durch nichts unterbrochenen Lebensraum für Lebewesen werden.

Ein Vorhaben, das der WVER mit kräftiger Hilfe aus Brüssel und Düsseldorf verwirklicht: Von den 3,6 Millionen Euro, die die Inde-„Entgradigung” kostet, zahlt die Europäische Union die Hälfte, das Land übernimmt weitere 40 Prozent. Zehn Prozent sind der Eigenanteil des Verbands, der hier in eine bisher einzigartige Kooperation mit Wasserverbänden in den Niederlanden und Großbritannien einsteigt.

„JAF” nennt sich das Projekt - „Joint Approach for flooding management”, gemeinsames Vorgehen in Sachen Hochwasserschutz. Hier, so erläuterte WVER-Vorstand Dr. Wolfgang Firk, geht es um einen europaweiten Abgleich von Knowhow, um Erfahrungsaustausch und die Entwicklung von Standards. „Der Hochwasserschutz ist für unsere urbane Infrastruktur ein zentrales Thema”, unterstrich Firk. Allerdings eines, das nur dann ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringt, wenn eben dieser Schutz versagt hat. In Eschweiler kann so mancher ein trauriges Lied davon singen.

Fünf in einem Boot

Drei niederländische und ein britischer Wasserverband sitzen mit dem WVER im Boot. Während die Niederländer an der Vecht im Osten des Landes ebenfalls Renaturierungsvorhaben betreiben, um vor Hochwasser, aber auch vor Dürre auf Grund zu schneller Wasserableitung zu schützen, setzen die Briten am Parrett in Somerset auf eine Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung, um Überflutungsflächen zu erhalten und die Versickerungsfähigkeit des Bodens zu erhöhen.

Spatenstich in sonniger Idylle

Der WVER komplettiert die trinationale Fünferrunde mit dem naturnahen Rückbau der Inde, zu dessen Erstem Spatenstich sich am Montag eine illustre Gästeschar in der sonnenbeschienenen Idylle der Indeauen einfand: Vertreter des Wasserverbandes Eifel-Rur ebenso wie des Staatlichen Umweltamtes Landesbetriebs Straßenbau, der Eschweiler Verwaltung, der Landwirte, der Naturschutzverbände, der Ingenieurbüros und der Baufirmen.

Viermal der Aachener Dom

Letztere brauchen in den nächsten Monaten bei weitem nicht so viele Lkw durch Eschweiler rollen zu lassen wie das normalerweise der Fall ist, wenn rund 220.000 Kubikmeter Erdmassen - mehr als der vierfache Rauminhalt des Aachener Doms - bewegt werden. Denn rund 75.000 Kubikmeter davon bleiben gleich vor Ort, werden für den Bau der K23 und zur Aufschüttung des Straßendamms der neuen B264 genutzt, die hier demnächst die Inde kreuzt. Kosteneinsparung: rund 500.000 Euro.

Die Renaturierung dieses Inde-Abschnitts gilt auch als Ausgleichsmaßnahme für den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 4. Auch dies spült dem WVER 500.000 Euro an Ausgleichsmitteln in die Kasse.

Brücke wächst weiter

Der Bau der Brücke, in deren Schatten die Beteiligten am Montag auf ein gutes Gelingen der Renaturierungsarbeiten anstießen, ruht zwar seit gut einem Monat, weil dem Bauunternehmen die Luft ausging, doch hat der Landesbetrieb Straßenbau den Vertrag mit einer anderen Firma inzwischen unterzeichnet - in wenigen Tagen solls hier weitergehen.