Die Citymanager im Interview der Woche: „Die Eschweiler Stadtfeste werden attraktiver“

Die Citymanager im Interview der Woche : „Die Eschweiler Stadtfeste werden attraktiver“

„Die Themen Sport, Prävention und Bewegung sind so vielfältig, dass jeder etwas findet“, sagt Bettina Thelen über das Stadtfest an diesem Wochenende.

Sie ist die neue Vorsitzende des Vereins Citymanagement, der das Stadtfest mitorganisiert und auch darüber hinaus immer wieder für Belebung in der Stadt sorgen möchte. Bei Heinz-Peter Wiesen laufen die meisten Fäden der Organisation zusammen. Mit ihm und Bettina Thelen sprach Carsten Rose über die Verbindung zwischen Stadtfest, Innenstadtbelebung und dem Rathaus-Quartier.

Herr Wiesen, wie hat sich das Stadtfest in den vergangenen Jahren verändert? Kann man einen Wandel an messbaren Zahlen festmachen?

Heinz-Peter Wiesen: Messbar ist in dem Fall nichts. Aber man kann eine Entwicklung sehen: Die Stadtfeste werden attraktiver, was auch an der Gewerkschaft Verdi liegt, die darauf bestanden hat, dass mit verkaufsoffenen Sonntagen auch zwingend attraktive Stadtfeste verbunden sein sollen. Zwar war das September-Stadtfest schon immer das größte und wichtigste, aber gerade das Frühjahr-Stadtfest ist deutlich attraktiver geworden und wird besser besucht – wenn denn das Wetter stimmt.

Wie sehen die Stadtfeste Ihrer Meinung nach in zehn Jahren aus?

Wiesen: Sie werden sicher anders aussehen, die Feste verändern sich ja jetzt auch ständig. Das Auerbachcenter ist deutlich mehr eingebunden, beim Stadtfest im November findet dort auch ein Streeetfood-Festival statt. Die Stadtfeste sind gut, es wird nicht deutlich mehr Themen geben, aber immer mal wieder andere in den Vordergrund rücken. Auf jeden Fall sehe ich das Stadtfest als nötiges Element einer Stadt.

Frau Thelen, Sie sind seit diesem Jahr die neue Vorsitzende des Citymanagement-Vereins. Welche Ziele haben Sie sich persönlich gesteckt?

Bettina Thelen: Erst einmal ging es darum, die drei Stadtfeste und den Weihnachtsmarkt auf sichere Beine zu stellen. Das haben wir geschafft. Mittelfristig wollen wir aber wieder auch andere Dinge angehen, für die der der Verein auch ursprünglich gedacht war: Wir wollen uns breiter aufstellen und weg von der reinen Organisation der Stadtfeste.

Können Sie Beispiele nennen?

Thelen: Ein Thema sind die Leerstände und die Frage, wie wir die anders nutzen können. Ein Projekt dazu läuft derzeit im Hintergrund, wir sammeln Ideen. In der kommenden Woche legen wir Termine, wir wollen das Thema konkreter angehen. Dabei handelt sich aber um eine mittelfristige bis langfristige Sache. Wir sind Ehrenamtler und können uns nicht jede Woche damit beschäftigen.

Sie sprechen den Leerstand an, der perspektivisch ja nicht weniger wird. Was können Sie als Verein eigentlich bewirken? Die Gebäude gehören ja oft Eigentümern, die man nicht kennt, die zu irgendwelche Gruppen gehören und zum Teil schwer zu erreichen sind.

Thelen: Das Ziel ist es, alle an einen Tisch zu bekommen: Makler, Eigentümer, potenzielle Neumieter. Man hat das Gefühl, dass keiner miteinander redet und die Geschäfte dann einfach leer stehen.

Was könnte man aus Leerständen Ihrer Meinung nach machen?

Thelen: Es kommt auf die Lage an: eventuell Wohnungen oder wieder eine Gastromeile, generell attraktiver machen für den Einzelhandel. Die Frage ist nicht einfach und pauschal zu beantworten.

Wiesen: Eine Herausforderung ist, die Kundschaft zu motivieren, wieder in die Stadt zu bekommen. Nicht nur weg vom Onlineshopping, auch weg von „Wir fahren nach Aachen oder Oberhausen“. Das geht nur mit einem attraktiven Rahmen, dass auch Auswärtige zu uns kommen.

Da sehen Sie Sich als Verein in der Pflicht?

Wiesen: Man kann sich zumindest als Ideengeber zur Verfügung stellen. Ob die Ideen dann gut sind und angenommen werden, weiß man vorher ja nicht. Aber die Haltung „Hilft eh alles nichts“, bringt uns auch nicht weiter. Wir vertreten mehr als 100 Mitglieder, die Meinungen sind vielfältig. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner – nicht einmal bei 20 Leuten. Aber trotzdem kann man versuchen, möglichst viele Ideen zu sammeln. Stadtfeste tragen ebenfalls dazu bei, es kommen ja auch Externe nach Eschweiler. Die muss man abgreifen. Da sind auch aktive Geschäftsleute gefragt, sich zu präsentieren.

Welche Hürden sehen Sie noch?

Wiesen: Die gleichen Öffnungszeiten sind ein großes Thema, darauf werde ich immer wieder angesprochen. Vermeintlich klingt es einfach, ist aber nicht umsetzbar. Klaus-Dieter Bartholomy (Anm. d. Red: der vorige Vorsitzende des Vereins) hat 20 Jahre lang daran herumgedoktert. Man schafft es nicht, dass alle Geschäfte gleichzeitig an einem Samstag geöffnet haben. Wenn die ersten schon zu machen, machen andere erst auf – also überspitzt gesagt. Die Kernzeit ist samstags von 10 bis 13 Uhr: Um 10 macht der Letzte auf, um 13 Uhr der Erste wieder zu. Wenn alle bis 15 oder 16 Uhr geöffnet hätten, hätte vielleicht noch mehr Leute die Chance einzukaufen.

Sie sprechen viel über Attraktivität in der Stadt. Ist das geplante Rathaus-Quartier eine Chance?

Thelen: Eine Chance ist es sicherlich. Die Frage ist aber, wie man Innenstadt und Markt verbindet, damit die Chance wahrgenommen wird.

Kritiker sagen, die Chance ist schon vertan, weil kein Konzept da ist, dass die Bürger von der Innenstadt zum Rathaus-Quartier hinführt. Wie sehen Sie das?

Wiesen: Zunächst einmal ist es ein Privatgrundstück. Wenn ich zu Hause baue, nehme ich die Tapete, die ich will und auch den Mieter, den ich will. Natürlich kann man versuchen, den Investor an die Hand zu nehmen. Aber wenn wir uns die Kritiker anschauen, findet man auch bei denen wieder keinen gemeinsamen Nenner. Was ich wichtig finde, ist die Anbindung an den Rest der Innenstadt. Wenn man das Gebäude als hermetischen Block abriegelt, wird das schwierig. Eine Idee wäre eine große Brücke über die Inde, eine Öffnung im Bereich der Bushaltestelle, damit man in die Stadt herüber schaut, das Eiscafé sieht – wer dahin geht, ist auch direkt in der Stadt. Auf diese Ideen sollte mehr Energie verwendet werden; dass das, was entsteht, in die Umgebung passt. Jeder hatte zehn Jahre Zeit, das Gelände zu kaufen, wenn alle bessere Ideen gehabt hätten.

Mal angenommen, das Rathaus-Quartier öffnet 2021. Bis wann müsste in Ihren Augen ein Konzept stehen für das Zentrum?

Wiesen: Die Umgestaltung der Öffnung zur Inde muss bei der Eröffnung fertig sein. Dann kommen die meisten Leute.

Sehen Sie Sich, was die Gestaltung rund ums Rathaus-Quartier angeht, auch wieder in der Pflicht? Sie haben den Draht zu den Geschäftsleuten in der Innenstadt.

Thelen: Wir sind offen für Gespräche. Wir haben uns mehrfach angeboten, aber ich kann mich schlecht mit einem Schild irgendwo hinstellen, mit der Bitte, mit uns zu reden.

Wiesen: Bislang hat keiner angerufen.

Mehr von Aachener Zeitung