Eschweiler: Die Erkenntnis lautet: Es gibt keine Fremden

Eschweiler: Die Erkenntnis lautet: Es gibt keine Fremden

Die Wurzeln der Bewegung reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. In inzwischen mehr als 170 Ländern kommen christliche Frauen an jedem ersten Freitag im März zusammen, um gemeinsam den Weltgebetstag zu feiern. Unter der Überschrift „Ich war fremd — ihr habt mich aufgenommen“ trafen sich in der Hehlrather Pfarrkirche St. Cäcilia Christinnen unterschiedlicher Konfessionen zu einem ökumenischen Gottesdienst, dessen Leitfaden von französischen Frauen erarbeitet worden war.

„Das dem Matthäus-Evangelium entnommene Leitwort des Weltgebetstages ist ein Appell, sich den Armen und Schwachen anzunehmen. In Eschweiler leben Menschen aus mehr als 100 Ländern. Wir haben uns hoffentlich an sie gewöhnt. Eines dürfen wir aber nicht vergessen: Die ehemals Fremden hatten es schwerer als wir“, betonte Pfarrer Josef Wienand, der gemeinsam mit Pfarrerin Dorothee Neubert den von Eschweiler Christinnen gestalteten Gottesdienst zelebrierte. Der katholische Pfarrer unterstrich seine besonders enge persönliche Beziehung zu Frankreich, nicht zuletzt zu Eschweilers Partnerstadt Wattrelos: „Wir Christen sollten einander nicht fremd sein. Unser Haus soll offen stehen. Maßstab unseres Handelns muss immer der Herr sein.“

Während des Gottesdienstes standen unter anderem Lebensgeschichten von Frauen im Mittelpunkt, die als Fremde nach Frankreich kamen und unterschiedlichste Erfahrungen machten. Positive, wie etwa Vera aus Brasilien, die zahlreiche Freunde gefunden hat und sich vollkommen integriert fühlt. Marie-Léone erlebte den Völkermord in Ruanda, erhielt in Frankreich politisches Asyl, studierte, fand Arbeit und ist glücklich verheiratet. Doch auch negative Erfahrungen wurden thematisiert. So bewarb sich die Ukrainerin Irena auf ein Stellenangebot in Frankreich, musste dort angekommen aber erleben, wie ihr ihre Papiere weggenommen wurden, bis sie begriff, dass sie einem Zuhälterring ausgeliefert war. Und Joyce, Französin mit kongolesischen Wurzeln, findet trotz französischer Abschlüsse keine Arbeitsstelle. Ihr Name und ihr Passfoto weisen nämlich auf ihre fremdländischen Wurzeln hin...

„Wohl jeder Mensch kennt das Gefühl, fremd zu sein, nicht verstanden zu werden. Was wünschen wir uns von unseren Mitmenschen in Situationen, in denen wir uns fremd fühlen? Eigentlich wissen wir es: Einen freundlichen Blick, ein freundliches Wort, vielleicht eine Einladung“, erklärte Dorothee Neubert. Der Sinn des Weltgebetstags liege auch darin, von Christen aus anderen Ländern zu hören und zu lernen. „Bei der Aufnahme von Fremden geht es um Menschlichkeit, also um die Gegenwart Jesu. Wann lernen wir, wertzuschätzen, was uns Menschen fremder Kulturen mitbringen?“, fragte die Pfarrerin. Die Erkenntnis müsse lauten: „Es gibt keine Fremden auf dieser Welt.“ Und: „Die Andersartigkeit macht uns reich.“

Im Jahr 2014 wird der „Weltgebetstag“ unter dem Leitwort „Wasserströme in der Wüste“ stehen und von ägyptischen Frauen vorbereitet werden. Die Christinnen der Indestadt werden dann in der evangelischen Auferstehungskirche in Weisweiler zusammenkommen.

(ran)
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