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Eschweiler-Weisweiler: Die Caritas kümmert sich auch um Bienen

Eschweiler-Weisweiler : Die Caritas kümmert sich auch um Bienen

„Da ist die Königin.“ Mit geübtem Blick sieht Devid (13) das Oberhaupt im Bienenstock, das ein bisschen größer ist als alle anderen Bienen. Devid erkennt die Königin unter rund 15.000 Bienen sofort. Der Schüler nimmt eine durchsichtige Klammer und trennt die Königin vorsichtig von ihrem Volk. Nun wird das Tier mit rotem Nagellack markiert, denn in diesem Jahr werden die Königinnen rot gekennzeichnet.

An dem Fleck wird sie zukünftig sofort zu erkennen sein, wenn jemand in den Bienenstock schaut. Zehn Augenpaare verfolgen das Schauspiel. Devid steht mit seinem Vater, dem Hobby-Imker Guido Dondorf (52), und Mitarbeitern der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW) an einem geschützten Platz auf dem Gelände in Weisweiler und schaut in einen der zwei Kästen. Einer ist so groß wie drei gestapelte Kisten Bier.

CBW-Gruppenleiter Marco Schulz fährt einmal in der Woche an der Wildbienen-Nesthilfe in Weisweiler vorbei und schaut nach dem Rechten. Foto: Conny Stenzel-Zenner/CBW

Dort, wo 109 Beschäftigte in der Montage und Verpackung, in der Büro Organisation, der Näherei, der Küche, der Wäscherei und in der Gartengruppe arbeiten, gibt es seit Mai das besondere Angebot: Zwei Bienenstöcke müssen gehegt und gepflegt werden. Die Kästen stehen abseits in der prallen Sonne umgeben von Wildblumen und Kräutern.

„Diese Stelle lieben die Bienen“, sagt Marco Schulz (45), Gruppenleiter der Gartengruppe, der seine Ausbildung als Forstwirt und danach als staatlich geprüfter Natur- und Landschaftspfleger im Nationalpark Eifel gemacht hat. Seither ist Schulz Ranger.

Einmal wöchentlich

Als der Hobby-Imker Guido Dondorf sich bereit erklärt hatte, ehrenamtlich einmal wöchentlich in die Max-Planck-Straße 19 zu kommen, war das der Projektanfang. „Wir müssen doch erst lernen, was wir alles mit den Honigbienen beachten müssen“, sagt Ranger Marco Schulz mit einem Lächeln. Die Bienenstöcke sind eine von vielen arbeitsbegleitenden Maßnahmen, die nicht unbedingt etwas mit der eigenen Arbeit zu haben. „Je breiter das Spektrum dieser Maßnahmen ist, um so attraktiver wird die Arbeit in einer Werkstatt“, urteilt Schulz.

Gemeinsam mit Alexander Wächter-Schnapka betreut er die Gartengruppe, in der 14 Mitarbeiter der CBW täglich für Unternehmen und Privatkunden arbeiten. „Dabei ist uns die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen sowie die Vermittlung eines Umweltbewusstseins wichtig“, sagt Marco Schulz überzeugt und freut sich über die beiden Bienenstöcke. „Es ist immer viel besser, zu erleben, was wir als Gruppenleiter vermitteln wollen.“

Was ist das? „Es gibt mehr als 500 verschiedene Arten von Wildbienen. Darunter fallen auch die Hornissen, die Hummeln, die Wespen und kleine Bienen, die kaum größer sind als Ameisen“, weiß der Ranger. Dass bei den Wildbienen der Stachel gar nicht existiert, wissen die Mitarbeiter dank der vielen Lerneinheiten in der Werkstatt längst. „Falls die Wildbienen noch einen Stachel haben, könnte der die Haut des Menschen gar nicht mehr durchstechen“, sagt Gruppenleiter Wächter-Schnapka.

Die meisten Wildbienenarten leben im Gegensatz zu der Honigbiene solitär. Weil die Wildbienen keinen Honig produzieren, müssen sie keinen Staat verteidigen, weshalb in der Folge kein Stachel nötig ist. „Für mich ist es wichtig, unseren Beschäftigten solches Wissen zu vermitteln“, sagt Marco Schulz, der ansonsten erklärt: Wie gehe ich mit dem Rasenmäher um? Wie mit dem Freischneider?

Das Projekt „Imkern“ ist langfristig geplant. „Wenn die Bienen sich im Sommer bis zu 50 000 Bienen im Stock vermehrt haben, werden wir sie trennen und die Hälfte mit einer von Devid gezüchteten Königin in einen neuen Stock setzen“, sagt Imker Dondorf. Dann haben die interessierten CBW-Mitarbeiter ein eigenes Bienenvolk auf dem CBW-Gelände und können sich selbst um die Bienen kümmern. „Immer mit Unterstützung“, sagt der Hobby-Imker.

Er nimmt nur Königinnen, die lammfromm sind. „Ist die Königin aggressiv, gibt sie das ans ganze Volk weiter, ebenso wie die Eigenschaft lammfromm“, weiß der Imker. Der musste erst einmal lernen, dass sich der eigene Stress sofort auf die Bienen überträgt, wenn man in Berührung kommt. „Also atme ich tief durch, bevor ich an einen Bienenstock trete. Fühle ich mich tiefenentspannt, werde ich nicht gestochen“, sagt der Eschweiler.

Eine Königin braucht jedes Volk. „Schlüpft die Königin, fliegt sie rund 20 Minuten in großer Höhe durch die Luft, wird von 36 Männern begattet, die danach tot vom Himmel fallen, fliegt zurück zum Bienenstock und legt dann vier Jahre lang Eier bis sie stirbt. 1500 bis 2500 Eier pro Tag. In dieser Zeit fliegt sie niemals mehr raus aus dem Stock“, erzählt Devid. Weil die Bienen, wenn es sehr heiß ist und die Pflanzen langsam vertrocknen, nicht genug Nahrung finden, legt die Königin weniger Eier, weil sie weiß, dass nicht viele Bienen versorgt werden könnten.

„Die Bienen fliegen bis zu drei Kilometern weit weg von ihrem Bienenstock. Arbeitsbienen leben 36 Tage, danach sterben sie, haben bis zu diesem Zeitpunkt nicht geschlafen“, sagt Guido Dondorf. Der hat selbst an verschiedenen Standorten Bienenstöcke. „Mich interessieren Bienen sehr“, erklärt der Imker, für den Honig ein Produkt seiner Liebe zu den Bienen ist. Wespen mag er nicht. „Die können auch mehrmals stechen, weil sie den Stachel nach einem Stich nicht verlieren“, weiß Ranger Schulz.

Der kümmert sich besonders um die vielen Arten der Wildbienen, die nicht gefährlich sind und vom Aussterben bedroht sind. Deshalb gibt es in Weisweiler eine Wildbienen-Nisthilfe. Die steht schon seit fünf Jahren in der prallen Sonne. Die Insekten legen in angebohrten Baumstämmen im Sommer ihre Eier ab, die im Frühjahr schlüpfen. „Das alles lernen unsere Beschäftigten“, freut sich CBW-Geschäftsführer Michael Doersch. „Das ganze Bienen-Projekt ist wichtig für die berufliche Bildung in der Gartengruppe und für eine breitgefächerte Allgemeinbildung unter unseren Beschäftigten. Außerdem übernehmen sie Verantwortung“, weiß Doersch.

Der führt mit seinen Mitarbeitern die 1270 Beschäftigten der CBW in den acht Werkstätten in der Städteregion an die Arbeit heran, um sie am Arbeitsleben teilhaben zu lassen. „Mit unseren Bienen-Stöcken erfüllen wir einen guten Zweck“, ist Michael Doersch auch dankbar, dass sich Devid und Guido Dondorf ehrenamtlich für die CBW engagieren.