Eschweiler: Die Brötchentaste bleibt ein Wunsch

Eschweiler: Die Brötchentaste bleibt ein Wunsch

Wenn Einzelhändler aus Eschweiler über ihre Sorgen und Probleme reden, möchte man unwillkürlich zu einem Terminkalender greifen und schauen, welches Jahr wir schreiben. 2011? 2001? 1991?

„Cityrunde” nennt sich ein Stammtisch, zu dem alle Vierteljahre der Verein Citymanagement Eschweiler Bürger einlädt. Vor allem Einzelhändler nehmen diese Chance wahr, sich auszutauschen. Und so begrüßte Kauffrau Ursula Dittrich rund ein Dutzend Kollegen zum Meinungsaustausch. Beim Plaudern über Stärken und Schwächen der Einkaufsstadt Eschweiler zeigte sich, dass viele der Themen Jahrzehnte alt sind.

Problem mit Öffnungszeiten

Zum Beispiel das Thema Öffnungszeiten der Geschäfte in der Innenstadt. Seit wie vielen Jahren wird schon versucht, die Einzelhändler unter einen Hut zu kriegen? Es funktioniert nicht. Immer noch machen mehrere Läden Mittagspause, andere öffnen vormittags erst um 10 Uhr, und samstags ist am späten Nachmittag ohnehin nur eine Minderheit der Geschäfte offen. Über dieses Öffnungszeiten-Durcheinander klagen die Kunden mehr, als über das Thema Parkplätze, berichtete Kauffrau Hannelore Wolter.

Parken in der Innenstadt ist ebenfalls ein Dauerthema seit Jahrzehnten. Etwa die so genannte Brötchentaste, also das kostenlose Kurzzeit-Parken für eine Viertelstunde. Da stellt sich die Stadt seit vielen Jahren quer und begründet das mit den hohen Kosten für die Umrüstung der Parkautomaten. Andere Kommunen in der Region bekommen das hin. Kauffrau Sabine Radermacher: „Wir verzichten in Eschweiler komplett auf die Kurzparker. Viele werden raus geekelt, die zu Fachgeschäften wollen.”

Dass der Gemeinschaftssinn, den die Teilnehmer der Gesprächsrunde zeigten, nicht von allen Eschweiler Einzelhändlern geteilt wird, ist nicht neu und wird immer wieder bedauert. Deutlich wird dieser Mangel besonders dann, wenn es um gemeinsame Aktionen geht, die Geld kosten. Und seien es nur die 100 Euro für die Weihnachtsbeleuchtung der Einkaufsstraßen.

Vom Eisdielenbesitzer, der über den Winter ohnehin geschlossen hat, bis zum türkischen Imbiss-Inhaber, der versichert, Weihnachten sei schließlich kein muslimisches Fest - es scheinen sich immer Argumente zu finden, nicht mitzumachen. Großer Wunsch aus der Geschäftswelt: die Stadt möge doch bei der Weihnachtsbeleuchtung wenigstens organisatorische Unterstützung bieten. Wie die anstehende Umrüstung der Weihnachtsbeleuchtung auf LED-Licht finanziert werden soll, ist auch noch nicht geklärt.

Noch ein altes und immer wieder neues Thema: die fehlenden öffentlichen Toiletten. Von den Stadtvätern beschlossen, von den Geschäftsleuten verhindert. Nämlich immer von jenen Geschäftsleuten, vor dessen Eingangstür die Anlage hätte gebaut werden sollen. Eine Lösung fiel auch der Cityrunde nicht ein.

Ein wichtiges neues Thema gab es: die geplante Bebauung neben dem Arbeitsamt. Als positiv merkte Marc Müller an, dass dieses Projekt mit Seniorenwohnungen geeignet sei, Kaufkraft in die Innenstadt zu bringen: „Senioren haben Zeit und Geld”. Mehrere andere Teilnehmer bemängelten aber, dass dadurch kostenlose Parkplätze wegfallen sollen, und genau davon gebe es in Eschweiler ohnehin zu wenig. Ein gebührenpflichtiges Parkhaus sei kein Ersatz.

Das Klagen über alles das, was nicht klappt und oft auch schon seit vielen Jahren nicht funktioniert, dürfe aber nicht dazu führen, „dass wir unsere eigene Stadt schlecht reden” - darin waren sich die Teilnehmer des Stammtischs einig. Eschweiler sei tatsächlich eine beliebte Einkaufsstadt in der Region, mit vielen inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften, die ein breites Spektrum abdecken - wenn es auch einige Lücken im Spektrum gebe, zum Beispiel fehle ein Haushaltswarengeschäft.

Und negativen Entwicklungen, etwa dem Bereich City-Center, stehen auch positive gegenüber, etwa die neu gestaltete Marienstraße und der Markt mit seiner starken Außengastronomie.

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