Eschweiler: Die Baukräne stehen in Eschweiler an vielen Stellen

Eschweiler : Die Baukräne stehen in Eschweiler an vielen Stellen

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Am 1. Januar waren 58.444 Menschen mit Erstwohnsitz in Eschweiler gemeldet, am 1. Juni waren es 58.639 Euro. Die Stadt wächst. Dies birgt eine Menge Vorteile, lässt aber auch den Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter wachsen. „Wir merken dies auch daran, dass die Mieten inzwischen auch in Eschweiler steigen“, sagt der Technische Beigeordnete Hermann Gödde.

Politik und Verwaltung steuern massiv dagegen. Nicht nur am Rathaus graben sich die Baggerschaufeln in den Boden, an vielen Stellen in der Stadt boomt die Bauwirtschaft. Auch dies mit Folgen: „Handwerker sind derzeit schwer zu bekommen.“ Manche Ausschreibung habe man aus diesem Grund zurückziehen müssen, schildert Gödde.

In Hücheln beschreitet die Stadt nun einen neuen Weg, der am Mittwoch Abend vom Haupt- und Finanzausschuss auf den Weg gebracht wurde: Zwischen Stadionstraße und Wenauer Straße soll ein Baugebiet entstehen, das mit der kommunalen Entwicklungsgesellschaft NRW.URBAN unter der Überschrift „kooperative Baulandentwicklung“ gemeinsam entwickelt wird.

Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen sind in Weisweiler und Hücheln kaum Flächenpotenziale für Baugebiete vorhanden, zum anderen sollen „mindestens 30 Prozent der entstehenden Bruttogeschossfläche“ mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung des Landes gefördert werden. Damit schreitet der Soziale Wohnungsbau in Eschweiler weiter voran — so wie vom Rat ausdrücklich gewünscht. In welchem Maße die Entwicklungsgesellschaft des Landes der Stadt für die Entstehung des Baugebiets „In den Hüchelner Benden“ zur Seite springt, wird mit jedem Verfahrensschritt entschieden. Die Vereinbarung, die nun beschlossen wurde, lässt dies offen

An vielen Stellen beteiligen sich auch private Investoren am sozialen Wohnungsbau. Ein solches Beispiel wurde jetzt am Ringofen fertiggestellt, die Interessenten sollen Schlange gestanden haben. Die derzeit größte Baufläche kann unmittelbar vom Rathaus aus beobachtet werden: Die Abrissarbeiten der ehemaligen Hertie-Immobilie und des City-Centers schreiten voran. Die Planungen werden konkret und in Kürze vorgestellt. Schon jetzt ist klar, dass die Dimensionen im Kern der Stadt besondere sind: Im Rathaus-Quartier sind mehr als 12500 Quadratmeter Handelsfläche vorgesehen. Geplant sind ein Vollsortimenter, Discounter, Drogeriemarkt, Textilläden und vieles mehr. Vor allem aber die etwa 5000 Quadratmeter Fläche für Wohnungen werden den Wohnungsmarkt in Eschweiler deutlich entlasten.

Vor knapp zwei Jahren gab die Stadt ein „Handlungskonzept Wohnen“ in Auftrag. Die Expertise kam zu eindeutigen Ergebnissen: „35 neue Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern pro Jahr sind einfach zu wenig“, sagte Thomas Abraham von der Empirica AG. Vor allem Menschen mit wenig Einkommen sind betroffen. Die Experten von Empirica gehen davon aus, dass „geschätzte 40 bis 50 Prozent aller Haushalte in der Stadt Eschweiler Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein“ haben. Es bestehe also ein hoher Bedarf günstiger Wohnungen. Dem steht gegenüber, dass fast die Hälfte des geförderten Wohnungsbestands in den kommenden Jahren wegfällt — bis 2030 um 46,9 Prozent. Diese 960 Wohneinheiten wurden mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Genau am letzten Aspekt will Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram auch verstärkt ansetzen: „Wir können nicht nur immer neu bauen, sondern müssen auch Anreize schaffen, Wohnungen, die aus der Mietpreisbindung herausfallen, zu sanieren und wieder günstig auf den Markt zu bringen.“ Die Stadt selbst will ebenfalls einen Beitrag dazu leisten, hofft auch an dieser Stelle auf die Unterstützung privater Investoren. Für Pläne zu den beiden ehemaligen Sportstätten der ESG soll dies ebenfalls gelten.

Aktuell befassen sich Studenten der Fachhochschule Aachen mit dem Areal am Patternhof, wo ebenfalls günstige Wohnungen entstehen sollen. Konkrete Pläne liegen sind auch für die Fläche am Indestadion noch nicht vor. Dort stand unter anderem ein Fragezeichen hinter dem Hochwasserschutz und den Gedanken des Wasserverbands, dort die Inde wieder in einem naturnahes Bett, also in Schlangenlinien (Mäandern) fließen zu lassen.

Nicht nur in der Innenstadt

Im Rahmen der Untersuchungen zum „Handlungskonzept Wohnen“ wurde festgestellt, dass der Bedarf an günstigen Wohnungen in allen Teilen der Stadt besteht. Somit sind nicht nur in der Innenstadt geförderte Wohnungsbauten vorgesehen, sondern zum Beispiel auch im Dürwisser Baugebiet an der Schillerstraße. Der Wunsch nach dem Bau eines kleinen Hauses kann man jungen Familien vor allem im Norden der Stadt erfüllen. In der Innenstadt sind Einfamilienhäuser an der August-Thyssen-Straße auf dem Gelände der ehemaligen Eissporthalle vorgesehen. Ein neues Faktor-X-Gebiet für ressourcenschonendes Bauen wächst am Vöckelsberg.

Es passiert also viel, um den Druck auf dem Wohnungsmarkt zu verringern. Nur für ein Areal bestehen trotz vieler Gerüchte keine Pläne der Verwaltung: das Gelände des Schlachthofs.