Bonn/Eschweiler: Deutscher Naturschutzpreis für Gruppe aus Eschweiler

Bonn/Eschweiler: Deutscher Naturschutzpreis für Gruppe aus Eschweiler

Einer kleinen Gruppe Eschweiler Bürger ist am Donnerstag in Bonn vom Bundesamt für Naturschutz der Deutsche Naturschutzpreis verliehen worden. Die Jury würdigte die Idee der Bürger, aus dem verfallenen Camp Astrid im Propsteier Wald an der A 4 ein sogenanntes Camp CO2-Zero zu machen. Der Preis ist mit 35.000 Euro dotiert.

Auf dem Gelände soll demnach ein interdisziplinärer Forschungs- und Entwicklungsstandort für erneuerbare Energien werden, außerdem soll der Wald wieder wachsen dürfen. Das Ziel der in Bonn ausgezeichneten Gruppe ist, eine Art Waldgenossenschaft zu gründen und das Gelände zu kaufen.

Von 1952 bis 1995 waren dort Soldaten der belgischen Armee stationiert, seitdem sind Gebäude und Natur sich selbst überlassen. Anfängliche Pläne, aus dem Gelände ein Gewerbegebiet zu machen wie auf dem Stolberger Teil von Camp Astrid, sind mittlerweile aufgegeben worden.

Erstmals verliehen

Der Deutsche Naturschutzpreis wird erstmals verliehen. Die Auszeichnungen zum Waldschutz sind mit insgesamt rund 250.000 Euro dotiert. Der neue Preis sei von besonderer Bedeutung für die gesellschaftliche Bewusstseinsbildung beim Naturschutz und zur Stärkung des Engagements für die Natur, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Donnerstag bei der Preisverleihung in Bonn.

Der Forstdirektor a.D. Georg Sperber aus Bayern wurde für sein langjähriges Engagement für den Waldschutz mit einem mit 10.000 Euro dotierten Ehrenpreis ausgezeichnet.

Die weiteren Förderpreise gingen an das Bildungsprojekt des Bundesverbandes katholischer Einrichtungen „wildewaldwelt.de - Jugendhilfe erlebt, begreift und packt an” im mittleren Schwarzwald in der Region Schonach. Der Preis ist mit 90.000 Euro dotiert. Das Projekt „Tatort Wald - Perspektivenwechsel durch Planspiele” des Wissenschaftsladens in Bonn, bei dem Jugendliche sich mit dem Lebensraum Wald auseinandersetzen sollen, wird mit 119.000 Euro gefördert.

Der Preis wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und einem Outdoor-Ausrüster vergeben. Das Unternehmen stiftet auch das Preisgeld, das für die Umsetzung der drei Projekte verwendet werden soll. Das Geld soll dabei alle Kosten abdecken. Die Preisträger wurden aus einem Wettbewerb von einer Jury unter Leitung von BfN-Präsidentin Beate Jessel ausgewählt.

Das diesjährige Schwerpunktthema war der Wald unter dem Motto: „Zukunft Wald - schützen, erleben, nutzen.” Im nächsten Jahr lautet das Thema: „Stadt braucht Natur”.


Stichwort: Propsteier Wald

Der Propsteier Wald ist ein eher unscheinbarer kleiner Mischwald in Eschweiler bei Aachen. Seitdem die belgischen Truppen 1950 in dem Wald ein Lager bauten, durften die Eschweiler Bürger ihren Wald nicht betreten. Nach dem Abzug der Truppen 1995 wurde der Zaun um den Wald immer löchriger. Die Menschen wollen ihren Wald zurück.

Eigentümer ist die Bundesrepublik Deutschland; verwaltet wird der Wald von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Eine Gemeinschaft von Bürgern verhandelt mit der Anstalt über den Kaufpreis. Mit den Bürgern will sie eine Genossenschaft gründen, die das Eigenkapital zusammenträgt und den Wald kauft. Vorläufer dieser Genossenschaft ist der Preisträger des Deutschen Naturschutzpreises, die Gründungsgemeinschaft Waldgenossenschaft Propsteierwald.

Die Gemeinschaft möchte den knapp 370 Hektar großen Wald für Naturschutz und Naherholung nutzen. Durch die lange Sperrung haben sich seltene Tiere angesiedelt, wie Schlingnatter, Großes Mausohr, Mittelspecht und ein großer Bestand der Orchideenart Übersehenes Knabenkraut. Auf 50 Hektar stehen stattliche alte Bäume. Die Gründungsgemeinschaft will die seltenen Arten schützen und auch Naturwaldzellen ausweisen, die vom Menschen weitgehend unberührt bleiben. Der Rest soll naturverträglich bewirtschaftet werden.