„Der Weimarer Kultur-Express“ in der Gesamtschule Waldschule

Suchtvorbeugung : „Der Weimarer Kultur-Express“ in der Gesamtschule Waldschule

Der Weimarer Kultur-Express ist in der Gesamtschule Waldschule zu Gast. Das Theaterensemble bringt Problemthema auf die Bühne, die für Jugendliche und deren Schulalltag relevant sind.

Jule hat morgen Geburtstag und ein Problem: Selbst ihre Oma ist im Besitz eines Smartphones, während der Teenager noch mit einem Handy vorlieb nehmen muss, dass zwar internetfähig ist, darüberhinaus aber viel zu wenig Leistung bringt. Bei Telefonaten mit ihrer Freundin Elli gibt der Akku alle naselang seinen Geist auf. Es ist zum Heulen! Doch die Rettung naht. An ihrem großen Tag bekommt Jule das lang ersehnte Smartphone von ihrer Mutter geschenkt. Doch schon bald ist nichts mehr wie zuvor...

Im Rahmen der Aktivwoche zur Suchtprävention gastierte am Dienstagvormittag „Der Weimarer Kultur-Express“ in der Gesamtschule Waldschule. Vor den Schülerinnen und Schülern der siebten Jahrgangsstufe präsentierten die beiden Schauspielerinnen Eva Sophie Blum und Michaela Beer das Theaterstück „Online“, das die Gefahr von „Social-Media-Sucht“ thematisiert, dabei aber keineswegs die sogenannten Neuen Medien verteufelt, sondern zu einem bewussteren Umgang mit ihnen anregt.

Nach der rund 65-minütigen Aufführung luden die Darstellerinnen ihre jungen Zuhörerinnen und Zuhörer, die zuvor dem Drama auf der Bühne aufmerksam und emotional spürbar berührt gefolgt waren, zum Gespräch und zur Diskussion ein.

Jule ist endlich glücklich. Mit dem neuen Smartphone steht ihr die Welt von Snapchat, Instagram (“darauf kann man total gut Leute stalken“), Fortnite und unzähliger anderer Spiele offen. Und unmittelbar, nachdem sie online geht, hat ihr gerade „geschossenes“ Profilbild schon 55 „Likes“.

Äußerst wichtige Nachrichten erreichen sie nun am laufenden Band. Und ihre Internetbekanntschaft Benny findet ihr Bild supersexy. „So, wie der aussieht und schreibt, ist der bestimmt total nett“, ist Jule überzeugt. Als Elli die Frage stellt, ob sie Benny schon einmal im realen Leben gesehen habe und darüber hinaus erklärt, „dass es im Netz jede Menge Idioten“ gebe, reagiert Jule beleidigt. Doch wenig später entdeckt Elli, dass das Bild von Benny in Wahrheit einen jungen Schauspieler zeigt.

Jule bricht den Kontakt zu Benny zwar ab, doch um sich mit Freunden draußen zu treffen oder ins Kino zu gehen, hat sie keine Zeit und Bock mehr. Auch die Proben mit der Band, in der Jule eigentlich als Drummerin agiert, ignoriert sie. „Den neuen Song einspielen? Das könnt ihr doch ohne mich“, sagt sie Verabredungen ab.

Jule hat nur noch Zeit, in einem Internetspiel gegen Zwerge zu kämpfen und verabschiedet sich mehr und mehr aus dem realen Leben. Statt einzusehen, dass sie ihre Freunde, ihre alleinerziehende Mutter, ihren einen Bauernhof bewirtschaftenden Vater und weitere Bekanntschaften vernachlässigt, dreht sie den Spieß um und macht Elli Vorwürfe, weil ihre Freundin nicht unentwegt Internetspiele spielen möchte.

Ihre Mutter, die gerade eine neue Arbeit angenommen hat, bemerkt, dass sich ihre Tochter sehr nachteilig verändert und sucht das Gespräch mit ihr. Vergeblich. Als die Mutter das Internetspiel-Abo von Jule kündigt, bricht für die Schülerin eine Welt zusammen. „Was sollen die bloß ohne mich machen?“, bewegt sich Jule vollkommen in der virtuellen Welt. Um sich wieder anmelden zu können, plündert Jule die Kreditkarte ihrer Mutter. Als die Schule mitteilt, dass Jule schwänzt, die Versetzung gefährdet ist und die Jugendliche darüber hinaus keine Zeit mehr findet, Nahrung zu sich zu nehmen und sich zu waschen, ist endgültig klar, dass die unruhige und ständig zappelnde Jule süchtig ist.

Die Eltern ziehen die Notbremse: Jule soll am Wochenende einen halben Tag lang gemeinsam mit ihrer Mutter etwas unternehmen, einen Tag auf dem Bauernhof ihres Vaters verbringen, ihr Smartphone gegen ihr altes Handy eintauschen und vor allem eine Therapie in einer Klinik in der Nähe beginnen. Für Jule undenkbar: „Ich brauche keine Therapie, ich brauche mein Smartphone. Ohne dies haue ich ab!“, verlässt sie verzweifelt die Wohnung.

Die Schlussszene von „Online“ zeigt ein versöhnliches Ende: Nach einem Zeitsprung scheint Jule wieder zu sich gefunden zu haben und Teil der wirklichen Welt zu sein. Ist sie zur Einsicht gekommen und hat eine Therapie absolviert? Diese Frage bleibt offen und liefert die Chance zur Diskussion. Eine Gelegenheit, die die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Waldschule im Gespräch mit den Schauspielerinnen und im Unterricht wahrnahmen. Der Weimarer Kultur-Express ist ein Tourneetheater, das im Oktober 2000 gegründet wurde und nach seinen Anfängen in Thüringen seit 2003 deutschlandweit vor allem für Schülerinnen und Schüler spielt.

Im Mittelpunkt der Theaterstücke stehen Themen, die für Jugendliche und deren Schulalltag relevant sind. So kommen Drogenkonsum, Sucht, Mobbing, Essstörungen, Gewalt an Schulen oder Probleme, die die Pubertät mit sich bringt, zur Sprache. Auch bietet der Kultur-Express den Schulen die Möglichkeit, sich im Rahmen von Workshops mit Hilfe der Schauspielerinnen und Schauspieler mit den Themen auseinanderzusetzen. Weitere Informationen gibt es unter www.der-kulturexpress.de.