Eschweiler-Dürwiß: Der Verein Eselfreunde rettet vier Tiere vor dem Schlachter

Eschweiler-Dürwiß: Der Verein Eselfreunde rettet vier Tiere vor dem Schlachter

Wenn Ute Jansen an George Clooney denkt, leuchten ihre Augen. Lange hat es gedauert bis man Vertrauen zueinander aufbauen konnte, schließlich war „George“, wie Jansen ihn liebevoll nennt, zu Beginn ihrer Beziehung alles andere als zutraulich. Schüchtern und störrisch blickte er die Dürwisserin oft an.

Anfassen kam zunächst überhaupt nicht in Frage. Doch Ute Jansen gab nicht auf. Langsam kamen sich die beiden näher und mittlerweile lässt George sich von der 45-Jährigen sogar streicheln.

Bei diesem George Clooney handelt es sich natürlich nicht um den berühmten Hollywoodstar. George Clooney ist noch nicht einmal ein Mensch. Das Wesen, um das Ute Jansen und ihre Mitstreiterinnen Marion Altherr und Nicole Fuhrmann sich Tag für Tag voller Hingabe kümmern, hat lange Ohren und ein weiches Fell. George Clooney ist einer von vier Eseln, den Jansen und ihre Mitstreiterinnen vor dem Schlachter retteten. Ein neues zu Hause haben die Tiere in Dürwiß gefunden. Mittlerweile haben Jansen, Altherr und Fuhrmann einen Verein gegründet, der sich um Tiere namens George Clooney, Calimero, Johnny und Jack kümmert.

Wie es zu der Idee kam? Angefangen hatte im vergangenen Jahr alles mit — wie könnte es anders sein — Esel George. Ihn und Esel Calimero entdeckte Uta Jansen auf der Wiese eines Metzgers. Wo genau, das will die 45-Jährige nicht sagen. Fest stand jedoch: Die beiden Tiere sollten geschlachtet werden. Jansen, die selbst Ponys und Pferde besitzt, war geschockt. Gemeinsam mit Altherr und Fuhrmann kümmerte sie sich darum, dass die Tiere auf einer etwa einen Morgen großen Wiese gegenüber der Dürwisser Reithalle ein neues Zuhause bekommen. Doch damit nicht genug.

Während Calimero ein zerzaustes und ungepflegtes Fell besaß, war George überfüttert und seine Hufen waren beschädigt. „Ich weiß nicht, ob er vorher jemals einen Hufschmied gesehen hat“, sagt Jansen. Das Schicksal der beiden Vierbeiner kennt sie nicht, allerdings ist sie sich sicher: „George muss etwas Schlimmes passiert sein.“ Zu Beginn ließ sich das Tier kaum anfassen und auch heute tritt er in Stresssituationen oft um sich.

Viel Pflege, Liebe und auch Geld waren nötig, um George und Calimero wieder aufzupäppeln. Allein für die Boxen, in denen die Tiere nachts schlafen, sind jeweils 100 Euro im Monat fällig. Hinzu kommt das Futter, das im Sommer aus Heu und Gras und im Winter zusätzlich aus Äpfeln und Möhren besteht.

Damit die Kosten gedeckt werden können, gründeten die Dürwisserinnen den Verein Eselfreunde. Derzeit besteht dieser aus zwölf Mitgliedern sowie einigen Helfern und Spendern. Doch längst nicht jeder habe für ihr Engagement Verständnis, erklärt Jansen. „Der Esel hat leider keinen großen Stellenwert in der Gesellschaft“, sagt die zweifache Mutter. Warum? Oft dominiere das Bild des sturen Tieres, mit dem man nichts anfangen könne, meinen die Frauen. „Ich glaube viele Leute dachten, wir wären bekloppt, weil wir uns um die Tiere kümmern. Wir wurden oft belächelt und es herrschte Unverständnis“, sagt Jansen, die mit einigen Vorurteilen aufräumt. Esel seien oft nämlich gar nicht stur, sondern einfach schüchtern. Auch dumm seien die Vierbeiner keineswegs. „Esel sind sogar intelligenter als Pferde“, meint Jansen.

So hat sich der Verein nicht nur die Rettung der Tiere, sondern auch die Sensibilisierung der Bürger zum Ziel gesetzt. Ideen haben die drei Damen bereits viele. So wollen sie neben Eselwanderungen für Familien in Zukunft auch Kinder und behinderte Menschen an die Tiere ranführen.

Bevor das jedoch soweit ist, steht noch ein weiteres Projekt an. Die Tiere, zu denen seit September auch Johnny und Jack zählen, müssen dringend gechipt werden. Das kostet pro Tier zwischen 70 und 80 Euro. Auch einen offenen Stall wollen die Tierliebhaberinnen bauen. „Dann können die Esel selbst entscheiden, ob sie draußen oder drinnen sein möchten“, sagt Jansen. Dafür sucht der Verein momentan nach Spendern.

Im vergangenen Jahr hatten sogar fünf Esel in Dürwiß ein Zuhause gefunden. Esel Jim starb allerdings im Dezember. Das abgemagerte Tier kam mit eitrigen Wunden zu Jansen und ihren Mitstreiterinnen. Das Aufpäppeln nützte in diesem Fall allerdings kaum etwas. Davon lassen sich die Frauen allerdings nicht unterkriegen.

Für sie ist die Pflege der Tiere mittlerweile mehr als ein Hobby. Jeden Tag verbringen sie zahlreiche Stunden auf der großen Wiese, füttern die Tier und misten die Ställe aus. „Wenn ich mal eine halbe Stunde später komme, werde ich lautstark empfangen“, sagt Jansen und lacht.

Für sie sind die Tiere zu einer Art Familienmitglieder geworden. „Man bekommt einfach unheimlich viel von ihnen zurück. Wir haben schon ganz viele Glücksmomente erlebt“, sagt sie und fügt hinzu: „Außerdem, wann gab es in Dürwiß schon einmal Esel? Ich glaube vorher noch nie.“

Und dann wird George Clooney dem Ruf der Esel doch noch gerecht. Auf das Foto will er nämlich partout nicht. Sind Esel also doch stur?

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