Festspiele: Der Störtebeker kommt aus Eschweiler

Festspiele : Der Störtebeker kommt aus Eschweiler

Wer in diesen Tagen die Insel Rügen besucht, den blickt von zahlreichen Plakatwänden und Litfaßsäulen ein Indestädter an: und zwar Schauspieler Alexander Koll. Der verkörpert seit dem vorigen Jahr nämlich die Hauptrolle bei den Störtebeker-Festspielen.

Donnerstagabend ist Vorpremiere und am Samstag feiert „Schwur der Gerechten“ dann Premiere. Wir haben den aus Eschweiler stammenden Schauspieler vor Ort besucht und einen kleinen Einblick in die Störtebeker-Welt erhalten.

Bis zum 7. September ist Koll insgesamt 67 Mal in der Rolle des Störtebeker zu sehen – montags bis samstags jeweils ab 20 Uhr. Seit dem 11. Mai ist Alexander Koll bereits auf Rügen, das Drehbuch liegt ihm seit Ende März vor. Unzählige Stunden Probe hat er hinter sich. Aber nicht nur das. Fast tägliche Reitstunden (Störtebeker ist im Stück auch hoch zu Ross unterwegs) gehören ebenso dazu wie das Erlernen des Umgangs mit dem Adler, der im Stück „mitspielt“ und unter anderem auf seinem Arm landet. Der Adler ist übrigens genau wie der Hauptdarsteller 39 Jahre alt.

Der vierte Störtebeker

Alexander Koll spielt den Störtebeker im zweiten Jahr und damit – so ist zumindest der Plan – ist noch längst nicht Schluss. „Ein Störtebeker-Zyklus umfasst immer fünf Jahre“, erklärt Koll. Seit nunmehr 27 Jahren gibt es die Störtebeker-Festspiele auf Rügen, der Indestädter ist der vierte Störtebeker. Der erste hat die Rolle fünf Jahre verkörpert, seine beiden Vorgänger jeweils zehn Jahre.

Alexander Koll hat also schon ein Jahr Erfahrung in Sachen Festspiele und fühlt sich wohl an der Ostsee. „Das ist ein richtiges Volksfest hier, alles ist sehr familiär“, sagt er. Die Naturbühne, auf der Störtebeker sein „Unwesen“ treibt, steht in Ralswiek, einem kleinen beschaulichen Ort auf Rügen mit nicht einmal 300 Einwohnern. Die Kulisse ist wahrhaft malerisch, blicken die Zuschauer doch nicht nur auf eine imposante Kulisse, sondern auch auf den Großen Jasmunder Bodden.

An der Ostsee kennt Koll sich bestens aus. Nachdem er die Liebe zum Schauspiel im Literaturkurs des Städtischen Gymnasiums entdeckte, verschlug es ihn im September 2003 zum Studium an die Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Es folgten unter anderem Stationen an den Theatern in Schwerin und Augsburg. Aus dem Fernsehen kennt man ihn etwa aus der Serie „Knallerfrauen“ mit Martina Hill, aus dem 1000. Tatort und beispielsweise auch aus einer aktuellen Werbung eines großen Baumarkts.

Sehr bekannt auf Rügen

Aber zurück nach Rügen: Untergebracht sind Koll und die meisten seiner Schauspielkollegen in unmittelbarer Nähe zur Naturbühne in Ralswiek. Mittlerweile ist der neue Störtebeker richtig bekannt auf der Insel. „Ich kann hier eigentlich nicht mehr einkaufen gehen“, sagt er, schmunzelt und fügt gleich an: „Fast alle Leute sind aber immer sehr nett.“

Die rund vier Monate auf Rügen bedeuten für Alexander Koll zum einen Verzicht auf die Familie, zum anderen steht er in der Zeit auch nicht für andere Rollen zur Verfügung. Er habe schon „wirklich schöne Anfragen“ erhalten, gibt er zu.

Die Rolle gefällt dem 39-Jährigen jedoch sehr. „Es ist etwas eigenes, es ist Spektakel“, sagt er. Und in der Tat ist es mehr als ein einfaches Theaterstück. Auf dem Bodden fahren Schiffe auf und ab, es fliegen Kanonenkugeln und es gibt jeden Abend Pyrotechnik und zum Abschluss ein großes Feuerwerk für die bis zu 8802 Zuschauer, die die Naturbühne maximal fasst. Die Rolle verlangt dem Wahl-Aachener auch körperlich so einiges ab. So muss er sich vor jeder Aufführung richtig aufwärmen, „wie vor einem Sportwettkampf“. Mit den Pferden gibt es zudem vorher stets ein „Einschießen“, damit sie sich an die Pyrotechnik gewöhnen.

Koll selbst war im Vorjahr am Meniskus verletzt und spielte mehrere Wochen unter Schmerzen.

Mehr Informationen unter: www.stoertebeker.de

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