Der Rosenmontagszug in Eschweiler

Eischwiele Alaaf : 80.000 Jecke vertreiben Regenwolken

Die erlösende Nachricht kam kurz nach 10 Uhr am Montagmorgen: Der Zug geht! Wenn auch mit Einschränkungen, wie das Team von der Stabsstelle – Feuerwehr, Polizei, Ordnungsamt, Hilfsdienste – schon am Vorabend beschlossen hatte: keine Pferde im Zug, keine Fahnen.

Und sollte es zu Sturmböen kommen, dann sollte der GPS-überwachte Zug kurzzeitig gestoppt werden: damit zum Beispiel die Trompeter der Eschweiler Musikkorps ihre Hochsitze an den Hecks ihrer Wagen verlassen und sicherere Gefilde aufsuchen können.

Eine Vorsichtsmaßnahme, die nicht greifen musste: Die Trompeter konnten oben bleiben. Allerdings pitschnass. Wie das Wetteramt Essen noch am Morgen treffend vorausgesagt hatte, wurden Zugteilnehmer und -zuschauer zunächst gründlich durchgeweicht, ehe nach einer Stunde der teils prasselnde Regen aufhörte und später sogar Sonnenschein Platz machte.

Woodstock der Jecken

Eischwiele Alaaf: Die Jecken ziehen durch die Stadt

Den Zugstart bestimmte also ein Wetter, bei dem man normalerweise keinen Hund vor die Türe jagt. Gestandene Fastelovendsjecke dagegen tauschen freiwillig das kuschelige Sofa gegen nasskalte Straßen. Allerdings gilt das nur bedingt für die zahlreichen auswärtigen Fans, die normalerweise alljährlich aus Nah und Fern, dem In- und Ausland anreisen und Rosenmontag die Indestadt zum Woodstock der Jecken machen. In Jahren schönsten Fastelovendwetters können das bis zu 300.000 Sein. Diesmal waren es nach offiziellen Angaben „nur“ 80.000.

Diejenigen, die dem anfangs usseligen Wetter trotzten, wurden dann aber für ihr Ausharren belohnt. Die vielen Zugteilnehmer zeigten einmal mehr sehr große Kreativität, die Musikgruppen versetzten die Zuschauer wie gewohnt in Tanzlaune. Bei dem manchmal kalten Wind tat etwas Bewegung auch ganz gut. Natürlich gab es auch reichlich Kamelle, Waffeln, Chips, Pralinen, Schokolade, Stofftiere, Tulpen, Rosen und noch einiges mehr. Der närrische Lindwurm war in diesem Jahr spürbar kürzer als in den Jahren zuvor. Einige Zugteilnehmer waren ob der düsteren Wetterprognosen doch fern geblieben. So zogen eben ein paar weniger Meeresbewohner, Weltraumfahrer (und andere Außerirdische), Dominosteine, Regenbogen, Wikinger, Pfauen, Löwen und und und durch die Eschweiler Straßen.

Gäste aus Partnerstädten

Delegationen aus Eschweilers Partnerstädten in Frankreich und Großbritannien waren ebenso dabei wie Fastelovendstouristen aus den Niederlanden und Belgien.

Prinz Paulo I. und Zerm Pedro verteilten derweil tonnenweise Blumen und Kamelle unter das närrische Volk und gerieten – wie es für einen Prinzen an Rosenmontag üblich ist – ordentlich ins Schwitzen. Als anstrengend wollten die Narrenherrscher dies aber ausdrücklich nicht verstanden wissen. „Das ist wirklich der absolute Höhepunkt“, sagten beide mit einem breiten Grinsen.

Am Dienstag ist der letzte Tag der Session, unter anderem mit dem Umzug in Neu-Lohn und der Verbrennung des Äezebärs (dieses Mal ab 18 Uhr auf dem Johannisplatz), bevor dann am Aschermittwoch mal wieder alles vorbei ist. In Eschweiler kann man sich jedoch sicher sein: Vorbei ist es (also Karneval) eigentlich ja nie und wenn, dann nur für ganz ganz kurze Zeit.