Trockenes Jahr und dessen Auswirkungen: Der Regen ist einfach nicht gekommen

Trockenes Jahr und dessen Auswirkungen : Der Regen ist einfach nicht gekommen

Landwirte und Natur haben mit den Folgen des trockenen Jahres zu kämpfen. Die Wasserversorgung ist aber laut der Betreiber in Eschweiler weiter gewährleistet.

Hubert Mock ist ein bisschen im Zeitdruck. Der Landwirt fährt in Schichten mit seiner großen Erntemaschine auf seinen Feldern in Eschweiler auf und ab, um Zuckerrüben zu ernten. Bis zum 10. Dezember müssen die Pflanzen raus aus dem Boden, das ist der vereinbarte Stichtag des Rheinischen Rübenbauernverbands. Der Zeitdruck ist eine der Folgen von der Trockenheit des bisherigen Jahres.

Eigentlich fängt man mit der Zuckerrübenernte Mitte September an, sagt Mock. In diesem Jahr ging es aber erst zwei Wochen später los. Bis zuletzt habe man noch auf Regen gehofft, der noch Zuwachs in der Ernte gebracht hätte. Aber der Regen kam nicht. Also müssen sich Hubert Mock und seine Kollegen mit einem „wesentlich geringeren Ertrag“ im Vergleich zu sonst zufrieden geben. 80 bis 100 Tonnen pro Hektar ernte man in Spitzenjahrgängen, in diesem Jahr seien es eher zwischen 60 und 70 Tonnen, sagt Mock.

Und dabei habe man in Eschweiler noch Glück gehabt: Der relativ hohe Lehmanteil im Boden halte das Wasser besser als etwa Sand- oder Kiesböden. Und trotzdem: „Wenn man 30 Zentimeter tief graben würde, würde man auf trockenen Boden treffen“, sagt Mock. Die Wurzeln der Rüben aber reichten bis zu zwei Meter in die Tiefe. Entsprechend hätten die Pflanzen irgendwann während des heißen Sommers auf den „Überlebens- statt Ertragsmodus“ geschaltet, sagt der Landwirt. Das heißt: Die Pflanzen sind einfach nicht so stark gewachsen wie gewöhnlich.

Ungewöhnlich lange Phase

Punktuelle starke Gewitter hat es in der Region auch während der heißen Phasen im Juli und August gegeben. Aber keinen kontinuierlichen Regen, in Mengen, die der Boden auch aufnehmen kann. Und genau das ist auch den Eschweiler Landwirten auf die Füße gefallen: Den Ackerbauern mit ihren Ernten – auch beim Mais und bei den Kartoffeln habe es starke Trockenschäden und viel weniger Ernteertrag gegeben –, den Viehbauern, weil das Heu für Pferde und Kühe knapp geworden sei, sagt Mock. „Viele haben deswegen ihre Kälbchen verkauft, statt sie zur Nachzucht zu behalten.“

Trockene Jahre habe es schon immer gegeben. „Aber das habe ich so noch nie erlebt“, sagt Mock. Der Deutsche Wetterdienst teilt diese Einschätzung. „Trockenperioden kommen öfter vor – was außergewöhnlich ist, ist die Länge dieser Periode“, sagt Peter Bissolli vom Deutschen Wetterdienst. Im April habe diese Phase schon begonnen, sich dann durch den heißen Sommer gezogen und gehe nun weiter mit dem trockenen Herbst. Auch die milden Temperaturen seien ungewöhnlich – mehrere Wetterstationen in Deutschland meldeten mit mehr als 20 Grad sogar neue Rekordwerte für den November.

Nicht nur die Landwirte kommen durch die anhaltende Trockenheit in die Bredouille, auch dem Eschweiler Stadtwald hat das bisherige Jahr nicht besonders gut getan. Rund die Hälfte der Kulturen, die im Frühjahr angepflanzt worden sind, müssten erneuert werden, sagt Förster Marco Lacks. Außerdem seien die Buchen zahlreich abgestorben.

Eigentlich ging das Jahr im Wald schon nicht gut los: Nach den Stürmen im Januar habe man schon Probleme im Bestand gehabt. Dann kam der Borkenkäfer, der sich bei dem heißen und trockenen Wetter besonders wohl gefühlt hat, dazu die Hitze und der trockene Boden an sich. Besonders die Fichten seien dem Schädling zum Opfer gefallen, und zwar „im richtig großen Stil“, wie Lacks sagt. Es sei nichts anderes übrig geblieben, als die Bäume abzuholzen, um den Borkenkäfer aus dem Wald zu bekommen, sagt der Förster. „Der Jahresverlauf ist für den Forstbereich schlimm gewesen.“ Und auch er sagt: „So in der Form habe ich das selten erlebt.“

Lacks’ Aufgabe ist es nun, die Flächen wieder aufzuforsten. Das geschehe überwiegend mit Laubbäumen, Buchen und Eichen etwa. Die Lücken werden im kommenden Jahr aber nicht komplett gefüllt werden können, schätzt er. „Das war einfach zu viel – die Auswirkungen dieses trockenen Jahres werden wir noch über Jahre merken.“

Immerhin: Das städtische Wasserwerk und der Betreiber Enwor, die beide für die Wasserversorgung in Eschweiler zuständig sind, haben auf Anfrage mitgeteilt, dass eine Beeinträchtigung der Wasserversorgung für Eschweiler  trotz der Trockenheit derzeit nicht zu befürchten sei.

Solange Hubert Mock mit seinen Kollegen gerade noch die Zuckerrüben vom Feld holt, ist ihm das trockene Wetter sogar recht. Zumindest eben für den Moment. Für die Rüben käme das Wasser  sowieso zu spät, und starker Regen würde beim Ernten eher Probleme machen.

Dann aber wären Regen oder Schnee gut. Hauptsache Feuchtigkeit, da sind sich Landwirt und Förster einig. Beide hoffen auf den Winter und auf den Schnee, der dann bestenfalls langsam in den Boden sickern kann. Hubert Mock vor allem, damit das neue Erntejahr nicht schon mit einem viel zu trockenen Boden startet, Marco Lacks, damit „die Natur ein bisschen zur Ruhe kommen kann“.

Mehr von Aachener Zeitung