Eschweiler: Der Nachwuchs kommt. Und wie geht es weiter?

Eschweiler: Der Nachwuchs kommt. Und wie geht es weiter?

Eigentlich sollte man sich ja darüber freuen: Wenn ein Kind auf dem Weg ist, bereitet das vielen werdenden Eltern aber auch eine Menge Sorgen. Bei rechtlichen und finanziellen Fragen, Unsicherheiten in Sachen Beziehung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf helfen die Sozialpädagoginnen Brigitte Hermanns-Spilles und Maria Küpper von der Beratungsstelle für Sexualität, Schwangerschaft und Familienplanung der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Im laufenden Jahr (den ersten drei Quartalen) haben sie 540 Frauen, Paare und deren Angehörige beraten. Knapp die Hälfte der Ratsuchenden kam zur Schwangerschaftskonfliktberatung. Und dabei geht es um eine existenzielle Frage: Trägt die Frau das Kind aus oder bricht sie die Schwangerschaft ab? Wichtig ist für Maria Küpper dabei, dass die Beratungsgespräche ergebnisoffen verlaufen. Niemand werde zu etwas gedrängt. Es gehe nicht darum zu verhindern, dass eine Frau ihre Schwangerschaft abbricht. Was Küpper und Hermanns-Spilles wollen: Die bestehenden Optionen aufzeigen - inklusive aller Unterstützung für die Schwangeren und Eltern.

Sie beraten bei Fragen zur Schwangerschaft: Brigitte Hermanns-Spilles (l.) und Maria Küpper. Foto: Gerhards

Die Ängste und Sorgen, die zu Schwangerschaftsabbrüchen führen, sind vielfältig: Psychische Überforderung, finanzielle Unsicherheiten und Angst vor Arbeitslosigkeit spielten häufig eine Rolle, sagt Küpper. „Es gibt viele verschiedene Gründe. Wir zeigen in der Beratung die möglichen Hilfen auf, damit die Frau eine breitere Basis für ihre Entscheidung hat“, sagt Hermanns-Spilles. Die Entscheidung für oder gegen das Kind liegt also bei der Frau allein. „Wenn eine Frau schon entschieden hat, wenn sie zu uns kommt, respektieren wir das“, sagt Küpper. Und solche Fälle sind keine Seltenheit, denn vor jeder Abtreibung muss die Schwangere laut Gesetz zur Konfliktberatung.

Aber es sind nicht bloß diese drastischen Fälle, mit denen Hermanns-Spilles und Küppers zu tun haben. Oft wollen sich schwangere Frauen einfach informieren. Kürzlich zum Beispiel: Eine junge Studentin kommt zu Maria Küpper. Sie will das Kind behalten, weiß aber nicht, wie der Vater zu der Schwangerschaft steht, wie es mit dem Bafög weitergeht, wie Studium und Schwanger- beziehungsweise später Elternschaft unter einen Hut zu bringen sind, wer das Sorgerecht bekommt, und, und, und. „Schwangere, die zu uns kommen, haben ein Informationsdefizit“, sagt Hermanns-Spilles. Und selbst wenn man bereits ein Kind hat, können sich die „sehr komplexen“ rechtlichen Rahmenbedingungen schon wieder geändert haben.

Mit seiner Beratung zu Fragen rund um Schwangerschaft, Sexualität und Beziehung kann das Awo-Team viele Fragen klären. Wenn sie nicht selbst weiterhelfen können, verweisen sie an Stellen aus ihren großen Netzwerk. Und mit der Geburt hört die Beratung nicht auf. Denn ein Kind kann die Partnerschaft der Eltern belasten. Noch während der Schwangerschaft stellen es sich viele Paare so schön vor: Mit einem Kind erwarten sie Glück, Freude und Zufriedenheit.

„Der Alltag ist dann doch nicht immer so harmonisch“, sagt Hermanns-Spilles. Dabei sollte alles so schön werden. „Das ist ein Tabu-Thema. Es gibt Frauen, die dann depressiv werden oder von Angst geplagt sind“, sagt Küpper. Das Thema in der Beratung überhaupt anzusprechen, sei in einer solchen Situation oft schon sehr hilfreich. Gibt es schwerwiegendere Probleme, geben die Beraterinnen den Fall an Experten. „Wir sind eine Anlaufstelle, wir können die Frauen ein Stück begleiten. Aber für eine medizinische oder psychologische Behandlung verweisen wir weiter“, sagt Hermanns-Spilles.

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