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Konsumverhalten: Der Kauf-nix-Tag wirbt für durchdachtere Kaufentscheidungen

Konsumverhalten : Der Kauf-nix-Tag wirbt für durchdachtere Kaufentscheidungen

Dem Black Friday folgt der Kauf-nix-Tag als Gegenbewegung. Abfallberaterin Heike Stiller gibt Anstöße, das eigene Konsumverhalten nachhaltiger zu gestalten. Die Städte Eschweiler und Stolberg möchten mit der Unterstützung des lokalen Handels sowohl Klimaschutz als auch Wirtschaft vorantreiben.

Heike Stiller nennt Einkaufsbons auch „Stimmzettel“. Die Abfallberaterin der AWA Entsorgungs GmbH veranschaulicht hiermit, wie das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage funktioniert: Was gekauft wird, steht auch in den Läden. „Das ist das Gesetz des Marktes. Der Handel reagiert sofort“, sagt sie und bringt kurz das Beispiel des aluminiumfreien Deos an. „Das war vor ein paar Jahren Thema. Inzwischen gibt es ein großes Angebot, weil viele bewusst eingekauft haben.“ Was die Abfallberaterin allerdings betont: Insgesamt würden wir zu viel konsumieren. Wenn wir Klimaziele erreichen wollten, müssten wir unser Konsumverhalten erheblich verändern.

Städte werben für lokale Einkäufe

Ein Schritt in diese Richtung kann der Kauf-nix-Tag sein. Der Tag wurde als Gegenveranstaltung zum Black Friday ins Leben gerufen. Dieser soll den Konsum schließlich gerade antreiben und wird auch in Eschweiler und Stolberg beworben. „Insbesondere in Corona-Zeiten und während des Weihnachtsgeschäfts sind zusätzliche Kaufimpulse zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft wichtig und für viele Betriebe überlebensnotwendig“, sagt der Stolberger Bürgermeister Patrick Haas. „Die Initiative der Stolberger Einzelhändler steht nicht im Widerspruch zum Gedanken der Nachhaltigkeit, sondern fördert diesen vielmehr im Sinne des ‚Shop local’-Ansatzes.“ Der könne im Gegensatz zum Online-Einkauf Ressourcen, etwa beim Transport, Verpackung und Emissionsausstoß, einsparen und die Diversität des lokalen Handels stärken.

In Eschweiler sieht es ähnlich aus. Die Stadt unterstütze insbesondere den lokalen Handel und arbeite mit dem Citymanagement Eschweiler oft gemeinsam an Projekten zur Stärkung des Handels und der Innenstadt vor Ort. „Somit passt auch der Schutz von Ressourcen und das lokale Einkaufen gut zusammen“, informiert Pressesprecher René Costantini. Was den Online-Handel angeht, seien viele Eschweiler Händler auf das Verhalten der Bürger eingegangen und böten eigens einen Online-Shop an.

Der Kauf-nix-Tag geht einen Schritt weiter: 24 Stunden, in denen kein Geld ausgegeben wird. Für den Handel sei das freilich kein riesiges Signal. „Aber bei einem selber können so Ketten in Gang gesetzt werden“, sagt Heike Stiller.

 Heike Stiller ist Abfallberaterin bei der AWA und gibt auch Kurse rund um das Thema Nachhaltigkeit an der VHS Stolberg.
Heike Stiller ist Abfallberaterin bei der AWA und gibt auch Kurse rund um das Thema Nachhaltigkeit an der VHS Stolberg. Foto: AWA/Strauch

Das heißt: Wer das versucht, stellt vielleicht fest, an welchen Stellen täglich unbedacht Geld fließt. „Aus dem Tag kann auch eine Woche werden, zum Beispiel, indem man es sich zum Sport macht, möglichst lange mit den vorhandenen Lebensmittelvorräten auszukommen“, schlägt Heike Stiller vor. Es gilt: Nichts soll verderben, nichts wird weggeworfen. Ein Stück Rettich liegt schon länger im Kühlschrank? Das Internet kann Abhilfe mit einem neuen Rezept schaffen. Auch das Weglassen von tierischen Produkten ist eine ihrer Ideen für den Tag.

Konsum beeinflusst CO2-Ausstoß ungemein

So eine spielerische Herangehensweise fördert vielleicht die Lust, mitzumachen, doch die AWA-Mitarbeiterin macht mit Zahlen des Bundesumweltamts deutlich, dass die Umstellung des Konsumverhaltens eigentlich keine Frage der Motivation ist. „In Deutschland verbraucht jede Person pro Jahr elf Tonnen CO2 und 33 Tonnen Rohstoffe. Das sind Berge an Erzen, Sand, Holz, Chemikalien und anderen Stoffen, die aus der Produktion von zum Beispiel Kleidung, Autos und Elektrogeräten hervorgehen.“ 40 Prozent des CO2-Ausstoßes fielen auf Dinge des täglichen Bedarfs und Nahrungsmittel, die jeder Mensch konsumiert. Ein vertretbarer Richtwert liege beim Kohlenstoffdioxid hingegen bei einer Tonne, in Sachen Rohstoffen bei acht Tonnen pro Kopf.

Die Haltung „Ich kann nichts tun“ sei so also nicht richtig. Dass eine Umstellung allerdings ganz schön schwierig ist, weiß sie nur zu gut. „Das liegt auch am gesellschaftlichen Umfeld“, sagt sie. „Wir freuen uns über Komplimente für zum Beispiel ein neues Outfit.“ Aber: „Wir können auch Statements mit sichtbar gebrauchten Dingen setzen und einen gewissen Stolz entwickeln.“ Ihre Devise: Spontankäufe vermeiden und planen, was wirklich gebraucht wird. So sei es einfacher, weniger zu kaufen, dafür aber hochwertigere und nachhaltiger hergestellte Produkte.

Nachhaltiger einkaufen kostet nicht immer mehr

Geld ist in Sachen Nachhaltigkeit schließlich ein entscheidender Faktor. Zwar gibt es mittlerweile viele Faitrade- und Bio-Lebensmittel in den Läden, sie sind allerdings teurer als konventionelle, nachhaltiger produzierte Kleidung ebenso. Außerdem gebe es in letzterem Bereich sehr viele unterschiedliche Siegel, einfacher und günstiger sei der Second-Hand-Einkauf. „Man muss sich schlau machen. Wo gibt es fair hergestellte Produkte? Gibt es vielleicht in bekannten Läden eine Bio-Linie?“

In Sachen Lebensmittel ist für Heike Stiller klar: Fleisch kommt auf den Tisch, aber nur sehr wenig und in Bio-Qualität. „Vegane und vegetarische Ernährung ist die beste Variante“, sagt sie. „Und billiges Fleisch ist nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Menschen schlecht.“