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Zurückgeblättert: Der Feuerteufel vom Donnerberg

Zurückgeblättert : Der Feuerteufel vom Donnerberg

Im Rahmen der Serie „Zurückgeblättert“ blicken wir auf den 27. Oktober 1972. Damals, als ein Feuerteufel in Stolberg umging.

Gleich an vier Stellen brannte es in der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 1972 auf dem Stolberger Donnerberg. Am 27. Oktober war zu lesen: „Die bisherigen Hinweise der Kriminalpolizei deuten darauf hin, daß wahrscheinlich in allen vier Fällen Brandstiftung vorliegt.“

Zunächst brannte ein leerstehendes Haus an der Duffenter Straße, nur wenige Stunden später stand eine Scheune an der Gaststätte Croé in Flammen und wiederum nur wenige Minuten später brannte ein Bauwagen ganz in der Nähe. Um kurz vor 6 Uhr am Morgen brach das nächste Feuer aus: in einem Stallanbau des Landwirtes Siemons an der Duffenter Straße. Der oder die Täter flüchteten unerkannt.

Wenige Tage später berichtete unsere Zeitung erneut von unbekannten Brandstiftern – erneut am Donnerberg. Der oder die Täter blieben weiterhin unerkannt, nun wurde jedoch eine Belohnung ausgesetzt. Wir verfolgen das Thema weiter, wenn wir uns den November 1972 aus dieser Zeitung vornehmen ...

Es heißt ja gerne schon mal: Früher war alles besser. Das sah Peter Lersch, seines Zeichens Brudermeister der St.-Hubertus-Schützen Scherpenseel, ganz anders. Er hatte einen Brief voller Kritik verfasst. Verantwortungsträger (natürlich) ausgenommen. Hier ein paar Auszüge: „Bis Ende des Jahres werden wir sehen, wer echt und innerlich verbunden war und verbunden bleibt. Die Aktionsschwäche bei der Bruderschaftsleitung basiert lediglich auf der Zeiterscheinung, daß keiner mehr Zeit hat, sich aktiv für eine Sache einzusetzen, Risiken zu übernehmen, mitzuarbeiten.“ Er stellte sogar die Frage, ob ein eigenes Schützenfest in dem kleinen Ort noch zeitgemäß sei. War es wohl nicht, denn es gibt dort in der Tat keines mehr.

Was es übrigens vor 50 Jahren noch nicht gab, war eine 2. Fußball-Bundesliga. Deren Einführung sollte kurz darauf jedoch beschlossen werden. Es gab verschiedene Stimmen, wie eine 2. Bundesliga aussehen sollte und längst nicht alle Landesverbände waren von dieser Idee überzeugt. Der DFB-Beirat wollte eine zweigleisige 2. Fußball-Bundesliga einführen, was dann ja auch 1974 geschah.

Einen Wettlauf der besonderen Art gab es in unmittelbarer Nähe in Aldenhoven. Und zwar einen zwischen Archäologen und dem Abraumbagger. Wobei dieser laut Zeitungsartikel reibungslos laufe und man sich sogar gegenseitig unterstütze. Ganz im Gegenteil zu anderen Zeitgenossen: „Die professionellen Archäologen werden in zunehmenden Maße von Räubern und Dieben, die nachts und sonntags auf unbewachten Grabungsfeldern herumbuddeln, um die Früchte ihrer wissenschaftlichen Arbeit gebracht.“ Dabei bedienten sich die „Grabräuber“ auch moderner „elektronischer Wünschelruten“, die es im Handel bereits für 1400 Mark gebe.

Individualität wird heute bekanntlich sehr großgeschrieben. Das war vor 50 Jahren offensichtlich nicht überall so. Vor allem nicht beim Thema Wohnen. Die Sparkasse in Eschweiler startete nämlich damals eine Ausstellung unter dem Titel „Lerne wohnen“. Und was wurde dort gezeigt? „Es gibt bereits genügend Ideen und Vorschläge für ein auf die Erfordernisse der Familie von heute abgestelltes verändertes Wohnen.“ Und weiter: „Die Ausstellung will aus der Uniformität der heute angebotenen Wohnsysteme herausführen, indem sie eine Vielfalt von Möglichkeiten des individuellen behaglichen Wohnens aufzeigt.“

Eine Ausstellung wurde auch in Stolberg eröffnet, und zwar eine einmalige, wie die Zeitung berichtete. „Olympia auf Briefmarken“ lautete der Name. Ja, dieses Hobby war damals noch sehr beliebt ...

Derweil hatten in der Indestadt Unbekannte in der Nacht ein Auto aufgebrochen – einen Ford Mustang, um genau zu sein. Aber die Ganoven stahlen den Wagen nicht, sondern sie unternahmen lediglich eine Spritztour. Der Wagen war auf der Lindenallee entwendet worden, auf der Franz-Gessen-Straße wurde er sichergestellt.

Bleibt noch das Ende des Abenteuers eines Seemanns namens Smutje. „Im Schlepp dänischer Fischkutter endete am frühen Donnerstagmorgen die spektakuläre Entführung des Trawlers Nordkap durch einen verbitterten Schiffskoch.“ Und warum war der 26-Jährige so verbittert? „Der Schiffskoch ist darüber verbittert, daß er wegen Farbenblindheit nicht selbst Schiffsführer werden kann.“ Immerhin ist bei der Aktion nichts Schlimmeres geschehen.