Eschweiler: Der Europaverein GPB eröffnet eine Ausstellung

Eschweiler : Der Europaverein GPB eröffnet eine Ausstellung

Seit 2001 wird der 20. Juni als Weltflüchtlingstag begangen. Zuvor hatten viele Länder ihre eigenen nationalen Flüchtlingstage begangen.

Auch heute ist die Situation nach wie vor dramatisch. Die Berichte über die neuesten Ereignisse auf dem Mittelmeer sprechen für sich. Die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft setzt zur Beilegung des Streits über die Reform der europäischen Asylpolitik auf einen neuen Kompromissvorschlag: Nach Angaben von Präsidentschaftsministerin Liljana Pawlowa sieht dieser vor, Flüchtlinge nur dann automatisch in der EU umzuverteilen, wenn es wie 2015 zu einem sehr starken Zustrom kommt.

In dem Jahr waren nach Deutschland fast 900.000 Migranten eingereist. Bei einem weniger starken Zustrom würde demnach ein System aktiviert werden, das den betroffenen Ländern an den EU-Außengrenzen eine intensive Unterstützung garantiert. Gleichzeitig könnten Länder sich freiwillig bereiterklären, Flüchtlinge aufzunehmen und dafür auch Geld aus EU-Töpfen bekommen. „Länder wie Italien und Griechenland haben immer noch das Gefühl, im Stich gelassen zu werden“, sagte Pawlowa in einem Interview. Deswegen sei es so bedeutsam, beim EU-Gipfel Ende Juni zu einer Einigung zu kommen.

Die Zahl der Migranten, die über die Türkei illegal in die EU kommen, ist in den ersten Monaten des Jahres deutlich angestiegen, teilte die EU-Kommission mit. Vor zwei Jahren haben die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union die Einrichtung eines zwei Milliarden Euro schweren Nothilfe-Treuhandfonds zur Bekämpfung von Fluchtursachen beschlossen. Ein Projekt, das immer noch auf richtige Lösungen wartet.

Die Wanderausstellung „Zwischen den Fronten — Frauen auf der Flucht von und nach Europa“ wurde am Weltflüchtlingstag 2016 — also in der „Hoch“-Zeit der Fluchtbewegungen erstmals präsentiert. Das besondere Anliegen dieser Ausstellung ist es, auf die Schicksale der Frauen hinzuweisen, das insbesondere sie auf der Flucht erleiden. Die besonderen Belastungen und Gefährdungen denen sie ausgesetzt sind.

Gleichgültigkeit von Behörden

Menschen wandern, seit es sie gibt. Weil sie auf ein friedlicheres oder leichteres Leben hoffen. Die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte seiner Bewegung über die Erde. Ohne Migration gäbe es die Welt nicht, wie wir sie kennen.

Gerade die Frauen und Mädchen sind den Unbilden einer langen Flucht ins Exil, der Schikane der Gleichgültigkeit von Behörden und der Gefahr des sexuellen Missbrauchs ausgesetzt. Frauen, manche kaum erwachsen, müssen über Nacht die Mutter ersetzen, die Familie ernähren, unterweisen und beschützen. Diese Frauen und Mädchen, die fast immer zwischen den Fronten stehen, sind der rote Faden, der sich durch die Ausstellung zieht. Es sind nicht die Kämpferinnen oder die Widerständlerinnen, die wir auch kennen. Aber auch sie sind Heldinnen, die sich im Schicksal stellen, sie verteidigen allesamt ihr Leben auf ihre Weise.

Migration und Flucht sind kein neues Phänomen. Deshalb umfasst das von Annelene Adolphs (Europaverein GPB) entwickelte Ausstellungskonzept markante Ereignisse der vergangenen 2000 Jahre Geschichte von Flucht und Vertreibung. Idee beziehungsweise Anstoß zu dieser Ausstellung gab die Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann aus Stolberg.

Mut und Ansporn

17 Themenkreise beschäftigten sich mit auswählten Ereignissen, die zu Flucht und Vertreibung führten, zeigen beispielhaft Wege zu Mut und Ansporn und weisen insbesondere auf die Folgen von Traumata hin. Zuletzt den Weg des Schutzes von Flüchtenden seit dem Zweiten Weltkrieg in der Welt und Deutschland auf. Eine vielschichtige Ausstellung um Macht, Kontrolle und Instrumentalisierung von Religion mit dem besonderen Fokus auf die Frauen in der Geschichte. Annelene Adolphs erzählt am Eröffnungstag die Geschichte hinter den Geschichten.

Der Europaverein GPB eröffnet die Ausstellung, die bis einschließlich 4. Juli, zu sehen ist, am kommenden Mittwoch, 20. Juni, 18 Uhr, im Rathaus-Foyer. Der Europaverein GPB betreut Führungen durch die Ausstellung. Gruppen — insbesondere Schüler — sind herzlich eingeladen, die Ausstellung zu besuchen.

Termine können bis zum 4. Juli kurzfristig vereinbart werden unter Gruppenanmeldungen beim Europaverein GPB, Telefon 36106, E-Mail: info@gpb-europaverein.de.

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