Eschweiler: Der erste Mieter nimmt die Arbeit auf

Eschweiler: Der erste Mieter nimmt die Arbeit auf

Ob sie in diesen Büros überhaupt arbeiten können, sind sie schon oft gefragt worden. Nicht weil die Bedingungen so schlecht wären, sondern ganz im Gegenteil.

Der Blick aus der Zweigstelle der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft auf den Blausteinsee macht einfach Lust auf Urlaub.

Doch dafür sind Zweigstellenleiter Stephan Miseré und Projektleiter Thomas Steffens nicht in eines der beiden neu erstellten Bürogebäude am See eingezogen. Sie beantworten Fragen rund um Landwirtschaft und Naturschutz und stehen als Partner für kooperative Naturschutzmaßnahmen (Biotop- und Artenschutz) zur Verfügung. Sie helfen bei Ausgleichs-, Ersatz- und Artenschutzmaßnahmen sowie bei der treuhänderischen Verwaltung von Naturschutzflächen. Zu ihren Aufgaben gehört außerdem die Erstellung von Gutachten, die Klärung von Forschungsfragen sowie Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit.

Nach dem Einzug als erster neuer Mieter des Seezentrums im Mai dieses Jahres hatte die Stiftung jetzt Bürgermeister Rudi Bertram, den Technischen Beigeordneten und Geschäftsführer der Blau-steinsee-GmbH, Hermann Gödde, sowie weitere Vertreter der Stadtverwaltung zu einem Besuch eingeladen. Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes stellte die „gelungene Kooperation” mit der Stadt Eschweiler heraus und betonte die gleich in mehrfacher Hinsicht gute Lage der Zweigstelle. „Der verkehrsgünstige Standort der Zweigstelle ermöglicht kurze Wege und eine effiziente Arbeit der Stiftung .”

Bürgermeister Rudi Bertram nannte die Niederlassung der Stiftung ein wichtiges Signal für die Stadt Eschweiler. Sie verdeutliche, dass am Blausteinsee nicht nur Tourismus und Naherholung gewünscht sei, sondern eben auch Naturschutz. Sie sei aber auch ein Signal für die Region und das gesamte Rheinische Revier, wo sich der Stiftung viel Arbeit biete. „Da brauchen wir qualifizierte Leute, die uns beraten können”, sagte Bertram. Außerdem äußerte er den Wunsch, die Niederlassung der Stiftung auch als außerschulischen Lernort zu nutzen, an dem Schüler über Naturschutz und Strukturwandel von Experten informiert werden. Decker zeigte sich offen für den Vorschlag und will den Wünschen des Bürgermeisters entgegenkommen. Die Stadtverwaltung hofft außerdem, dass die Stiftung Projektideen nach Eschweiler bringt und anschließend von den Synergieeffekten zu profitieren.

Seit 2003 hat die Stiftung auf einer Gesamtfläche von rund 300 ha mehr als 120 Projekte betreut. Dazu gehört zum Beispiel ein Ackerwildkrautprojekt, in dem es um den Schutz von bedrohten Pflanzen wie dem Acker-Löwenmäulchen und dem Acker-Rittersporn geht. Andere Beispiele sind ein Feldlerchenprojekt, bei dem es um die Aufwertung des Lebensraums der Vögel geht, oder ein Schwalbenprojekt, das die Förderung der bedrohten Rauch- und Mehlschwalben zum Ziel hat.

Die Stiftung hat sich auch bereits Gedanken gemacht, was sie für Eschweiler tun könnte. Dazu zählen die Konzeption und Umsetzung von Naturschutzprojekten, die Suche von geeigneten Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen, deren Umsetzung und Pflege in Kooperation mit Landwirten, der Aufbau eines sogenannten Ökokontos und eines Flächenpools sowie Artenschutzmaßnahmen und natürlich die von der Stadt gewünschten Bildungsmaßnahmen.

„Blühendes Indeland” heißt eine der Projektideen für Eschweiler und das Indeland, bei dem die landschaftliche Vernetzung durch Blühstreifen und -felder im Vordergrund steht. Durch einen Kooperationsvertrag soll die Zusammenarbeit gestärkt werden.

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