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Eschweiler: Der alte Tunnel führt ins Nichts

Eschweiler : Der alte Tunnel führt ins Nichts

Er liegt mitten im Nichts, kommt aus dem Nichts, führt ins Nichts. Wer diesen vergessenen Tunnel unter den Bahngleisen zwischen Eschweiler und Stolberg erreichen will, muss sich erstmal durch hüfthohe Brombeerbüsche kämpfen.

Und niemand weiß wirklich, wann und zu welchem Zweck das Bauwerk errichtet wurde. Der Tunnel ist 20 Meter lang und je etwa fünf Meter breit und hoch. Er unterquert gleich zwei Eisenbahnlinien, nämlich die Strecke Stolberg-Eschweiler Aue und die Ausziehgleise des Stolberger Bahnhofs, die früher der Anbindung des Stahlwerks Concordia in Aue dienten.

Keine Eisenbahnlinie

Nördlich des Tunnels liegt erhöht die Hauptstrecke Aachen-Köln, südlich fließt die Inde. Das legt die Frage nahe, warum der Tunnel eigentlich gebaut wurde. Dass eine Eisenbahnlinie hindurchgeführt werden sollte, ist unwahrscheinlich, weil Steigung und der Kurvenradius am nördlichen Ende eine Trassenführung dort unmöglich machen.

Denkbar wäre, dass die Röhre für eine Kleinbahnlinie gedacht war. Allerdings verlief in geringer Entfernung die Strecke längs der Eschweiler Straße, auch das ist also wenig wahrscheinlich. Bleibt nur die Möglichkeit, dass früher eine Straße hier entlang führte. In der Tat zeigen alte Luftbilder eine Verbindung vom Stolberger Bahnhof mit dem Eschweiler Stadtteil Aue. Mit dem Ausbau des Bahnhofs wurde die Straße wohl aufgegeben.

Baujahr unbekannt

Unklar ist auch, wann der Tunnel gebaut wurde. Klar scheint aber zu sein, dass dies in zwei Abschnitten geschah. Das nördliche Portal ist mit Bruchsteinen ausgemauert, das südliche mit Ziegelsteinen.

Das passt auch in den zeitlichen Zusammenhang: Die nördlich gelegene Strecke nach Aue wurde 1883 errichtet (andere Quellen sprechen von 1873), die südlich gelegenen Gleise zum Stahlwerk entstanden 1912.

Der vergessene Tunnel ist nur ein Kapitel der bunten Geschichte des Stolberger Hauptbahnhofs. Auf dem Gelände sind gleich drei ehedem selbständige Bahnhöfe zusammengefasst worden. In den 1870-er Jahren lieferten sich die privaten Bahngesellschaften ein bizarres Wettrennen, das in unsinnigen Streckenführungen resultierte. Nach der Verstaatlichung der Bahnen wurden die Stationen zusammengefasst, der Hauptbahnhof war über Jahrzehnte einer der größten der Region.

Gleisbau ungefährdet

Ab September sollen wieder Züge über die Gleise nach Aue und weiter zum Eschweiler Talbahnhof und nach Weisweiler rollen, dann nimmt die nächste Stufe der Euregiobahn ihren Betrieb auf.

Der zuständige Projektmanager bei der Firma PMT, Hendrik van der Leest, erwartet allerdings keine Probleme mit dem Baurelikt. Der Tunnel sei immer noch in einem guten Zustand. Anfänglich habe man darüber nachgedacht, die Röhre zu verfüllen, habe sich dann aber für einen Erhalt des Status Quo entschieden.

Bizarres Detail

Am nördlichen Ende des Tunnels ist im Übrigen ein bizarres Detail zu sehen. An einem Eisenhaken baumelt der Rest eines Seils. Gerüchten zufolge soll es hier während des Zweiten Weltkriegs zu Hinrichtungen gekommen sein - Beweise gibt es dafür nicht.