Eschweiler: Depression, Burn-out, Versagensangst: Schüler im Präventionsprogramm

Eschweiler : Depression, Burn-out, Versagensangst: Schüler im Präventionsprogramm

Depressionen, Burn-out und Versagensängste — sie sind längst keine Tabu-Themen mehr und doch ist es für viele Betroffene eine verfahrene Situation. An wen soll ich mich wenden? Was ist falsch mit mir? Werde ich jetzt ausgegrenzt?

Das Präventionsprogramm „Verrückt? Na und!“ des Vereins „Irrsinnig menschlich“ soll über Vorurteile aufklären und darauf aufmerksam machen, woran man bei seinen Mitmenschen Anzeichen einer psychischen Erkrankung erkennen kann.

Sonderpädagogin Brigitte Vonken-Möller, Lehrerin an der Realschule Patternhof, war auf dieses Projekt aufmerksam geworden und konnte in Zusammenarbeit mit Schulleiterin Michaela Silbernagel fünf Durchgänge an die Schule holen, finanziert vom Jugendamt mit Geld aus der Inklusionspauschale. In jedem Durchgang konnte eine Gruppe mit Schülern ab der achten Jahrgangsstufe die Geschichte eines Betroffenen erfahren und in zusammen verschiedene Themenbereiche erarbeiten.

Dabei ist der Ablauf in jedem der eintägigen Workshops in drei Phasen unterteilt: das gemeinsame Kennenlernen für eine vertrauensvolle Basis, die Gruppenarbeiten und schließlich der Erfahrungsbericht eines Betroffenen.

Oliver Stöber ist froh, dass er diese Rolle einnehmen kann. Der 26-Jährige war vom Kindesalter an von psychischen Problemen betroffen: „Ich war fest überzeugt: Für mich gibt es keine Hoffnung.“ Nach einem mehrmonatigen Klinikaufenthalt kann er wieder positiv auf das Leben blicken. „Es gibt immer eine Chance, wenn man Hilfe braucht und die soll man sich holen“, merkte er an. Durch einen Flyer war Stöber auf das Präventivprogramm aufmerksam geworden und absolvierte eine dreitägige Schulung, um seine Geschichte weiterzugeben. „Ich hätte mir gewünscht, dass es in meiner Schulzeit einen Tag mit so niedrigschwelligem Zugang gegeben hätte. So hätte ich frühzeitig Hilfe in Anspruch genommen“, erzählt er zu seiner Motivation, die Jugendlichen über die Krankheiten aufzuklären.

Reflexion der Schüler

Dieses Beispiel aus erster Hand beeindruckte auch die Teilnehmer. „Am besten fand ich, die Lebensgeschichte zu hören“, war nicht nur einmal das Ergebnis der Reflexion der Schüler, für die oft nicht klar war, was sich genau hinter dem Sammelbegriff „Psychische Krankheiten“ verbergen kann. Zwar bleibe nicht alles hängen, merkte auch Sozialarbeiterin Caroline Braun an, die den Workshop betreute, aber wichtig sei, dass die Schüler sensibler mit dem Thema umgehen und auch ein Auge für mögliche Anzeichen bei Mitschülern und Freunden haben.

Dafür bereitete der Kurs zusammen einen Notfallkoffer vor und überlegte, was in akuten Fällen am besten helfen kann. Vertrauen, Verständnis und die Erinnerung an positive Momente können in dunklen Phasen enorm helfen, auch wenn sich das die Betroffenen nicht immer anmerken ließen, so Braun, die sich über das hohe Engagement an der Realschule Patternhof freute: „Die Schüler waren erstmal reserviert und gespannt, haben dann aber unendlich gut mitgearbeitet. Wir haben uns gefragt: Was hilft im Leben seelisch gesund zu bleiben?“ Da jeder dritte Deutsche einmal in seinem Leben betroffen sei, sei es wichtig, dass man noch mehr auf seine Mitmenschen achte.

Vonken-Möller ergänzte, dass die Schule seit Jahren bereits Möglichkeiten anbietet, an die sich Schüler wenden können. „Unser Schulsozialarbeiter ist immer ansprechbar“, stellte sie heraus. Das sei umso wichtiger, seit vor fünf Jahren Inklusionsklassen an der Schule unterrichtet werden und man mit drei Fachpädagogen eine noch bessere Versorgung sicherstellen könne.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass Aufklärung der beste Weg sei, um helfen zu können. Gerade in der Schulzeit, die oft auch eine Zeit der Unsicherheit ist, muss den betroffenen Schülern klar gemacht werden: Ihr seid nicht allein. Und es gibt immer einen Weg, dem „schwarzen Hund“ Depression zu entfliehen.

(cheb)