Eschweiler: Den Tod mit Humor betrachten

Eschweiler: Den Tod mit Humor betrachten

Er schlüpft in die Rolle eines Bestattungsunternehmers und gewährt seinem Publikum interessante Einblicke in seinen Berufsalltag. Dabei bedient er sich auf eindrucksvolle Art und Weise der Klaviatur des schwarzen Humors, um vor allem das Tabuthema „Tod” zu durchbrechen und vermeintliche Gegensätze zwischen Tod und Humor zu verbinden.

Der Bonner Kleinkünstler und Kabarettist Volker Weininger führte am Samstagabend im Kulturzentrum des Talbahnhofs die zahlreichen Gäste durch seine scheinbar harmlosen, toleranten und naiven Vorstellungen, die er von der Welt außerhalb und innerhalb seines erfolgreichen Bestattungsinstituts hat - und das alles zugunsten des Ambulanten Hospizdienstes Eschweiler/Stolberg, der nun schon zum vierten Mal in Folge einen solchen Kabarettabend in Zusammenarbeit mit dem Talbahnhof arrangierte.

„Die fünfte Jahreszeit nehmen wir immer als Anlass, die Öffentlichkeit auf das nicht immer einfache Thema aufmerksam zu machen”, zielten Edgar Beckmann, Vorsitzender des Ambulanten Hospizdienstes, und seine Stellvertreterin Irmgard Stiel auf den Hintergrund einer solchen Veranstaltung.

Aufrüttelndes Programm

Sowohl durch die Eintrittsgelder, als auch durch freiwillige Spenden wird auf diese Weise die Arbeit der Ehrenamtler des Hospizdienstes unterstützt und weiter fortgebildet. „Volker Weininger bringt das Thema Tod´ mit anderen Schnittstellen ins Leben”, betonten die beiden Verantwortlichen, dass der Kabarettist die zunehmend mehr Besucher mit seinem Programm „Bestatten Weininger” aufrüttele. So bewies der Künstler im Laufe des Abends, dass er erhebliche Probleme mit der heutigen Gesellschaft und ihren Normen hat, um dann auf seinem Weg durch die Tücken des Alltags für sich soziale Verhaltensregeln neu zu definieren. „Wer raucht denn heute Abend?

Hier meine Visitenkarte”, nahm Volker Weininger gleich zu Beginn seines Auftritts als Bestatter kein Blatt vor den Mund. „Mein neues Marketingkonzept bei mir Institut ist nicht die Happy-Hour zwischen vier und fünf, sondern die Trauer-Hour”, quasselte der Comedian von seinem Berufsalltag, um dann als nächstes in die Rolle seines arbeitslosen Nachbarn zu schlüpfen: „Als ich erfahren habe, dass es mir mit Arbeitslosengeld besser geht, als vorher, habe ich gekündigt. Das Monopol der Beamten bröckelt”, blieb er gesellschaftskritisch und wagte sich daraufhin an seinen anderen Hausbewohner, dem beschwipsten Karnevalspräsidenten.

„Bei uns im Verein gibt es eine Seniorentanzgruppe: Die Grauen Stars´ mit ihrem Gehhilfen-Buggy”, behielt der Kabarettist seine unverschämt freche Art, bevor er erneut als Bestatter die Bühne eroberte und seine neue Geschäftsidee preisgab: „Unter Umständen wird man auch im Urlaub aus dem Leben gerissen. Mein Rücktransport-Service lautet daher die and fly´.” Dabei sei sein Berufswunsch schon immer „Bestatter” gewesen, „weil ich schon immer mit Kindern im Sandkasten gespielt habe, nur eben anders und alles unter die Erde gebracht habe, später auch tote Tiere.”

„Ihr Leben in unserer Hand”

Als Ehefrau habe er sich bewusst für eine Hebamme entschieden, um einen Familienbetrieb mit dem Slogan „Ihr Leben in unserer Hand” eröffnen zu können und schon frühzeitig für einen Kundenstamm in seinem Institut zu sorgen. Auf höchstem Niveau wurde Volker Weininger den ganzen Abend hinweg seinen eigenen Ansprüchen und die des mehr als begeisterten Publikums treu: Scheinbar sind Tod und Humor absolute Gegensätze, aber eben auch nur scheinbar.