Eschweiler: Delfintheraphie: Bianca hofft auf Wiedersehen mit „Bender“

Eschweiler : Delfintheraphie: Bianca hofft auf Wiedersehen mit „Bender“

Bianca Tietz jauchzt vor Freude. Gleich geht es für sie in das geliebte Wasser. Doch nicht, um Bahn um Bahn zu schwimmen. Dazu ist sie körperlich nicht in der Lage. Bianca Tietz ist zu hundert Prozent schwerstbehindert. Während ihrer Geburt im Jahr 1982 erhielt sie zu wenig Sauerstoff. Doch kein Grund für Bianca, Trübsal zu blasen und nicht lebenslustig zu sein.

Die 33-Jährige, die gemeinsam mit ihren Eltern Gaby und Günter Tietz in Hastenrath lebt, arbeitet zum Beispiel für die Caritas-Behindertenwerk GmbH und ist als typische Indestädterin ein echter Fastelovendsjeck. Doch selbstverständlich benötigt Bianca Tietz Unterstützung. So erhält sie unter anderem logopädische und ergotherapeutische Hilfe. Und vor gut viereinhalb Jahren kam eine weitere Therapieform hinzu: Ende Oktober 2011 stieg Bianca Tietz im türkischen Belek erstmals in ein Schwimmbecken, um mit Delfinen zu schwimmen.

In den Jahren 2014 und 2015 folgten zwei weitere Delfintherapien. „Seitdem ist Bianca selbstständiger, ihre Feinmotorik hat sich deutlich verbessert“, berichtet Gaby Tietz. Weitere Erfolge seien unverkennbar und messbar: „Vor der Delfintherapie erlitt sie zwei bis drei epileptische Anfälle pro Woche, nun im Durchschnitt einen pro Monat. Nach ihrem ersten Aufenthalt in Belek war sie neun Monate ohne jeden Anfall. Und seit der Therapie im vergangenen Jahr beginnt sie sogar ein wenig zu sprechen“, sagt ihre Mutter und strahlt.

Therapie nicht anerkannt

Doch in die Freude mischt sich eine gewisse Bitterkeit. Denn trotz bemerkbarer physischer und psychischer Fortschritte bei zahlreichen Patienten, ist die Delfintherapie medizinisch nach wie vor nicht anerkannt. Die Folge: Auch die Krankenkasse von Bianca Tietz übernimmt keine Kosten. Und diese belaufen sich pro 14-tägiger Therapie auf rund 13.000 Euro. „Wobei wir unser Hotel natürlich selber bezahlen“, unterstreicht Gaby Tietz. So ist Familie Tietz, zu der neben Bianca und ihren Eltern auch noch Bruder Thorsten zählt, nicht zuletzt auf Spenden angewiesen.

Die Hilfsbereitschaft zahlreicher Menschen sei dabei immer wieder beeindruckend. „Die erste Spende habe ich bei meinem Ehemaligen-Klassentreffen des Entlassjahrgangs 1971 der Hauptschule Mausbach erhalten. Meine einstigen Mitschülerinnen und Mitschüler hatten hinter meinem Rücken gesammelt und überreichten mir 950 Euro“, blickt die zweifache Mutter dankbar zurück. Und auch bei zahlreichen Schützenfesten in der näheren und weiteren Umgebung, bei denen Gaby Tietz einen Bierwagen betreibt, zeigten sich viele Personen großzügig. „Dennoch sind die Kosten für eine Delfintherapie natürlich erheblich“, weiß Gaby Tietz, die im vergangenen Jahr schließlich auf die Stolberger Künstler- und Eventagentur „H&S Music and Management“ aufmerksam wurde.

„Wir richten in jedem Jahr eine große Benefizveranstaltung aus. Nachdem Gaby Tietz Kontakt zu uns aufgenommen hatte, haben wir uns mit der Familie einige Male zusammengesetzt. Dabei wurde meinem Team und mir klar, wie aufopfernd und seriös die Familie mit ihrer Situation umgeht. So haben wir eine Benefizveranstaltung auf die Beine stellen können, die hoffentlich zahlreichen Gästen einiges zu bieten hat (siehe Box) und der Familie Tietz weiterhilft. Unser Dank geht dabei in Richtung Eschweiler Stadtverwaltung sowie an die Verantwortlichen des Talbahnhofs, die uns bei den Vorbereitungen maßgeblich unterstützt haben“, erklärt Künstlervermittler und Veranstalter Emil Schwenke.

So hoffen alle Beteiligten, dass Bianca Tietz und ihre Familie dem Traum, im September oder Oktober zur vierten Delfintherapie nach Belek aufbrechen zu können, am Sonntag ein großes Stück näherkommen. Dort möchte Bianca nämlich ihren Lieblingsdelfin „Bender“ wiedersehen und berühren sowie ein weiteres Mal ihr Kämpferherz unter Beweis stellen. Ein solches hatte sie nämlich bereits als Kind. „Am 17. März 1987 waren wir erstmals bei Professor Herbert Brüster in der Uniklinik Düsseldorf, der uns versprach, dass Bianca in einem Jahr laufen würde können.

Der 17 . März 1988 kam und nichts passierte. Doch auf den Tag genau zwei Wochen später, am 31. März 1988, tat Bianca ihre ersten Schritte“, weiß Gaby Tietz, dass Fortschritte möglich sind. Und blickt voller Hoffnung auf den Sonntag. „Der liebe Gott hat sein Kommen schon zugesagt. Die Wettervorhersage spricht von Sonnenschein und 24 Grad“, zeigt sich Emil Schwenke zuversichtlich. Zumal mit der indestädtischen Mundartband „Kröetsch“ die absoluten Lieblingsmusiker von Bianca mit von der Partie sein werden.

(ran)
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