Eschweiler: Das Unternehmertum lässt Friedrich A. Neuman nicht los

Eschweiler : Das Unternehmertum lässt Friedrich A. Neuman nicht los

Mit seinem Namen ist Stadtgeschichte verbunden: Dr. Friedrich A. Neuman. Seine Familie gründete ein Unternehmen, das wie die Inde und die Peter-Paul-Kirche seit vielen Jahrzehnten zu Eschweiler gehört. Aus dem operativen Geschäft der auf dem Stich ansässigen Neuman Group hat er sich vor zehn Jahren zurückgezogen. Das Unternehmertum lässt den Inde­städter dennoch nicht los.

Nur am Mittwoch wird er sich nicht seinen vielseitigen Interessen widmen: Friedrich August Neuman feiert mit Familie und Freunden seinen 80. Geburtstag. Er schmunzelt, wenn er schildert, dass er heute Privatier sei. Kein Wunder, schließlich zählt er nicht zu den Zeitgenossen, die ihre Hände untätig in den Schoß legen.

Zwar beginnt der Tag etwas später als noch zur aktiven Zeit, aber die Woche ist klar strukturiert. Regelmäßig hält er Kontakt zu einer Fräserei in der Nähe von Paderborn, an die er finanziell beteiligt ist.

In einer Zeitungsannonce stieß er auf das Unternehmen, das einen Partner suchte, der vor allem kaufmännisches Geschick mitbringt. Neuman schlug zu, weil er ohnehin „weiter etwas Unternehmerisches machen wollte“. Beschäftigt er sich nicht mit der Firma, dann schaut er auf die Ergebnisse der vier größeren Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 105 Kilowattstunden, die er in Deutschland betreibt.

40 Mal in New York

Seiner Passion, große Metropolen dieser Welt zu bereisen, kann er nun häufiger nachkommen. „Ich war mindestens 40 Mal in New York — ich liebe diese Stadt“, sagt er. Längere Reisen bereitet er akribisch vor und bucht sämtliche Hotels und Unterkünfte auf der Fahrt selbst. Vor allem die Vereinigten Staaten haben es ihm angetan.

Ohnehin verbringt er seit Jahren nur noch bestimmte Monate in Eschweiler. Oft zieht es ihn nach Sao Paulo, der Heimat seiner Frau. Dort besitzt er eine Wohnung — mit „Fitnessstudio um die Ecke“. Drei Mal in der Woche steht Training auf dem Programm. Joggte er früher gerne durch den Stadtwald, so sieht man ihn heute auf dem Ergometer im Studio.

Der Vorteil: „Ich komme mit Menschen ins Gespräch — das ist mir wichtig.“ Auch zu seiner Zeit als Chef in der Firma seiner Familie legte er Wert auf Kontakt zu den Mitarbeitern: „Ich kannte den Namen von jedem“, sagt er.

Promotion bei Thyssen-Krupp

Friedrich A. Neuman ist mit Eschweiler fest verwurzelt. Er absolvierte nach dem Abitur am Städtischen Gymnasium eine Kaufmannslehre, der er ein Studium mit Promotion bei Thyssen-Krupp anschloss. Ab dem Jahr 1968 war er in der Firma seiner Familie aktiv.

Er sanierte die angeschlagene Firma Julius Monz in Hilden und strukturierte die Firmengruppe am Sticher Berg so um, dass sie in der Zukunft bestehen kann. Vor zehn Jahren räumte er seinen Stuhl und übergab die Firmenleitung in jüngere Hände.

Seine schwerste Zeit seien die Jahre während und nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. „Fast jeden Abend mussten wir mit der Mutter in den Keller, weil Bomben fielen“, erinnert er sich. Die Detonationen seien spürbar gewesen. Als die Front näher rückte, floh er mit der Familie in den Harz.

Familie im Fokus der Öffentlichkeit

Auch nach den Kriegswirren waren die ersten Jahre hart: Friedrich A. Neuman senior war Parteimitglied der NSDAP gewesen, „wie alle Unternehmer in Deutschland damals“, und wurde von den Alliierten kritisch beäugt.

Drei Jahrzehnte später war die Familie im Fokus der bundesweiten Öffentlichkeit: Neuman senior gehörte dem Vorstand des Bundesverbandes der Deutschen Industrie an. Er saß 1977 im Auto mit Hanns Martin Schleyer, kurz bevor dieser von der RAF gekidnappt und getötet wurde. „Wir flogen nach Brasilien und erfuhren bei der Landung von der Entführung“, berichtet Friedrich A. Neuman junior.

Auf Geschenke will er zu seinem 80. Geburtstag verzichten. Stattdessen sammelt er Geld für ein Haus in Sao Paulo, das sich um krebskranke Kinder kümmert und unter anderem Medikamente finanziert. „Die Krankenversorgung in Brasilien sieht dies nicht vor, Arznei muss aus der eigenen Tasche bezahlt werden“, sagt Neuman. Deswegen unterstützt er vor allem Kinder in Brasilien, wo die „Kluft zwischen Arm und Reich enorm ist“.

(pan)
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