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Eschweiler: Das Newa-Ensemble in der Dreieinigkeitskirche

Eschweiler : Das Newa-Ensemble in der Dreieinigkeitskirche

Sankt Petersburg: Vor gut 300 Jahren auf Anordnung von Zar Peter dem Großen aus einer öden Sumpflandschaft gestampft, entwickelte sich die Metropole im Norden Russlands zu einer der schönsten Städte der Welt.

Rund 2300 Paläste, Schlösser und Prunkbauten zieren die historische Innenstadt, die nicht zuletzt als Weltkulturerbe der Unesco für Besucher ein außerordentliches Erlebnis darstellt. Als Botschafter „ihrer“ Stadt Sankt Petersburg sind seit vielen Jahren die Protagonisten des Newa-Ensembles gern gesehene und gehörte Gäste in den Konzertsälen in vielen Ländern Europas.

In der Indestadt, genauer gesagt in der Dreieinigkeitskirche der Evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler, sind Mezzosopranistin Olga Romanovskaja, Sopranistin Elena Poppel und Bariton Boris Kozin quasi Stammgäste, die auf ein treues Publikum vertrauen können. So hatten sich am Mittwochabend erneut zahlreiche Freunde der „russischen Seele“ in dem Gotteshaus eingefunden, um drei außergewöhnlichen Stimmen zu lauschen, denen es einmal mehr gelang, die geheimnis- und sehnsuchtsvolle Gefühlswelt Russlands zu präsentieren.

Das „alte Sankt Petersburg“

Dass diese zwischen einer eindrucksvollen, teils wunderbaren, teils bitteren Historie und dem Schritt in eine ungewisse Zukunft schwankt, betonte Pfarrerin Ulrike Sommer in ihrer kurzen Begrüßungsansprache: „Das momentan im Bau befindliche Lachta-Center, das nach Fertigstellung mit 462 Metern Europas höchster Wolkenkratzer sein wird, soll das neue Wahrzeichen von Sankt Petersburg werden. Ich hoffe jedoch, dass das ‚alte Sankt Petersburg‘ auf keinen Fall in Vergessenheit geraten wird.“

In Überzeugender Manier

Seinen musikalischen und gesanglichen Teil, die Geschichte Russlands und Sankt Petersburgs zu bewahren, trug das Trio des Newa-Ensembles in überzeugender Manier bei: Im ersten Abschnitt des Konzerts interpretierten Olga Romanovskaja, Elena Poppel und Boris Kozin zunächst die sieben Lieder umfassende Liturgie eines russisch-orthodoxen Gottesdienstes, die aus der Feder des Komponisten Dmitri Bortnjanski (1751 bis 1825) stammen, der im Alter von sieben Jahren als Chorknabe an die Hofsängerkapelle nach Sankt Petersburg kam und dort den Großteil seines Lebens, unter anderem als Direktor der Hofsängerkapelle, verbrachte.

Mit großer Intensität, stimmgewaltig und doch feinfühlig brachten sie zunächst das Gloria, einen cherubinischen Gesang sowie das Credo zu Gehör, bevor die Mutter Gottes, die, so Olga Romanovskaja, in der orthodoxen Kirche ganz besonders verehrt werde, in den Blickpunkt rückte: „Es ist würdig und recht, Dich, Heilige Mutter Gottes, zu preisen!“ Das würdevoll gesungene „Vater unser“ sorgte wenig später für andächtige Stille im Publikum.

Doch natürlich beherrschen Olga Romanovskaja, Elena Poppel und Boris Kozin auch das weltliche Liedgut, wie das Trio im zweiten, von Solopartien geprägten Konzertteil unter Beweis stellte: „Bei Morgenröte“, „Die rote Sarafan“ und das mit Augenzwinkern zu verstehende georgische Lied „Meine Großmutter will wieder heiraten“ gewährten den Zuhörern weitere Einblicke in einen faszinierenden Gefühlskosmos.

Dankbarer, lautstarker und langanhaltender Applaus belohnte das Newa-Ensemble nach gut einer Stunde vollkommen zu Recht. Und nach einer beeindruckenden Zugabe Elena Poppels kann das Fazit eigentlich nur lauten: Traditionen sollten gepflegt werden! Auf Wiedersehen im (hoffentlich) nächsten Jahr.

(ran)