Kontra: Das neue Jagdrecht – im Sinne des Naturschutzes?

Kontra : Das neue Jagdrecht – im Sinne des Naturschutzes?

Es ist beklagenswert, dass der nach langen Verhandlungen erreichte Kompromiss des bisher gültigen „ökologischen Jagdrechts“ drei Jahre später schon wieder gekippt werden soll.

Es hat den Anschein, dass bei den Vertretern der schwarz-gelben Landesregierung die Jagdlobby einen sehr starken Einfluss hat. So sollen alle Greifvogel-, Enten- und Möwen- und Taubenarten inklusive der hochgradig gefährdeten Turteltaube dem Jagdrecht unterstellt werden, was allerdings nicht heißt, dass sie automatisch einer Jagdzeit unterliegen. Wohl aber dürfen Arten wie die seltene Waldschnepfe oder die neuerdings auf dem Rückzug befindliche Türkentaube demnächst wieder geschossen werden.

Auch junge Dachse sollen wieder erlegt werden dürfen. Dass invasive Arten wie Waschbär und Marderhund schärfer bejagt werden dürfen, ist durchaus im Sinne des Naturschutzes, aber für die intensive Jagd auf den Dachs besteht kein Anlass. Das gilt auch für die Jagd auf die seltene Waldschnepfe.

Der BUND beklagt weiterhin, dass die Jagd in Schutzgebieten wieder erleichtert werden soll; zumindest in diesen Gebieten soll doch die natürliche Regulation der Arten ermöglicht werden. Auch Raritäten wie Fischotter und Baummarder sollen wieder dem Jagdrecht unterliegen. Die geplante Verlängerung der Jagdzeit auf die Rabenkrähe auf den 10. März und damit in die Fortpflanzungszeit stellt einen Verstoß gegen EU-Naturschutzrichtlinien dar.

Ich verstehe mich nicht als prinzipieller Gegner der Jagd; ich könnte mir vorstellen, dass Jäger und Naturschützer zumindest in einem Aspekt an einem Strang ziehen könnten, nämlich in der Forderung nach einer naturverträglichen Landwirtschaft.

Mehr von Aachener Zeitung