Eschweiler: Das Geheimnis des Fotoalbums ist gelöst

Eschweiler: Das Geheimnis des Fotoalbums ist gelöst

„Mission completed” mailte Reiner L. Sauer vom Eschweiler Geschichtsverein am Wochenende an Carl Kaczmarek in Lindenhurst, USA: „Aufgabe erledigt”.

Sauer konnte - mit der Hilfe von Lesern dieser Zeitung - ein Photoalbum aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg an die Kinder der früheren Eigentümerin übergeben. Carl Kaczmarek hatte das Album im Nachlass seines Vaters gefunden, der als US-Soldat in Deutschland gekämpft hatte.

Über das deutsche Konsulat in Chicago fand Kaczmarek jun. zum Eschweiler Geschichtsverein, wo Reiner L. Sauer vom Arbeitskreis 7 „Familienforschung” die Forschungsarbeit übernahm. Nachdem erste Spuren im Sand verliefen, brachte schließlich ein Zeitungsbericht die entscheidenden Hinweise. Das Album, das Sergeant Carl R. Kaczmarek sen. nach den Kämpfen um das Rheinland vermutlich im Schutt eines Haus in Gressenich südlich von Eschweiler gefunden hatte, gehörte Christine Engels, an die sich in Eschweiler ebenso wie in Gressenich noch manche Menschen erinnern können. Sie ist hochbetagt vor vier Jahren erst gestorben.

Christine Engels, die das Album in den 30er Jahren anlegte, als sie noch Christine Wagemann hieß, stammte aus Gressenich. Ein Foto in dem Album zeigt sie mit ihrer Berufsschulklasse, andere bei Ausflügen an die Mosel, am Rhein oder auch auf der Terrasse eines Hauses in Kassel, wo sie gearbeitet hat.

Und eins der Bilder, aufgenommen 1937, zeigt ihren künftigen Mann Peter, als Soldat in Uniform. „Das ist unser Vater”, sagt Dr. Ludwig Engels und legt ein anderes Foto daneben: der gleiche Mann, die gleiche Uniform. „Und das ist unsere Oma”, erkennt seine Schwester Brigitte Engels und zeigt auf andere Bilder: „Margarethe Wagemann, geboren 1880”. Blatt für Blatt gehen die Geschwister das Album durch, schauen Fotos an, die ihre Mutter auf die schwarzen Seiten geklebt und mit weißem Stift sorgsam beschriftet hat: „Das ist auch die Handschrift unserer Mutter!”

Bis zur Evakuierung gegen Kriegsende hat Christine Engels bei ihrer Mutter in Gressenich gelebt, in der Rottstraße, bestätigt Tochter Brigitte. Der Vater war im Juni 1933 gestorben, Bilder von seinem Grab sind ebenfalls in dem Album zu sehen. Als die Zivilbevölkerung evakuiert wurde, haben sie alle Wertsachen im Garten vergraben. Doch als sie nach dem Krieg zurück kamen, war nichts mehr davon da, und das Haus selber eine Ruine.

Brigitte und Ludwig Engels leben heute in Bonn und in Köln. Gemeinsam sind sie nach Eschweiler gereist, um sich mit Reiner Sauer zu treffen und das Album entgegen zu nehmen. Aber eigentlich sind sie alteingesessene Eschweiler. Denn „Engels” - das ist die Firma „Holzbau Ludwig Engels und Söhne” an der Nothberger Straße, früher an der Hompeschstraße, 1920 vom Großvater gegründet. Der 1986 gebaute neue Kirchturm von St. Peter und Paul stammt aus dieser Holzbaufirma. „Mein Vater, Zimmermeister Peter Engels, war gemeinsam mit seinem Bruder Josef Engels Inhaber der Firma. Das Unternehmen wird heute von Albert Engels geführt, dem Sohn von Josef Engels”, gibt Dr. Ludwig Engels Auskunft. Der Soldat auf dem Foto im Album ist der spätere Zimmermeister.

1944 ist das Fotoalbum von Gressenich oder Eschweiler aus nach Lindenhurst in der Nähe von Chicago gekommen, 2012 wieder zurück. Als Dr. Ludwig Engels „Chicago” hört, horcht er auf: „Ach, da war ich doch oft, für meine Firma. Erst im vorigen Jahr wieder.” So klein ist die Welt - aber halt doch nicht so klein, dass ihm dort Carl Kaczmarek begegnet wäre. Aber was nicht ist, kann ja noch kommen.