Kommentar zur Fahrradtour: Das Fahrrad ist kein Störfaktor!

Kommentar zur Fahrradtour : Das Fahrrad ist kein Störfaktor!

Es lohnt sich, das Fahrrad nicht nur für den Ausflug an drei wettertechnisch optimalen Tagen im Jahr aus dem Schuppen zu holen. Als Alltagsfahrzeug ist es genauso einsetzbar. Das muss sich noch mehr auf den Straßen zeigen, und zwar nicht ausschließlich mittels städtischer Maßnahmen, sondern auch im Verhalten aller Verkehrsteilnehmer.

Ein Text übers Radfahren im Spätherbst – ist das nicht, gelinde gesagt, etwas unglücklich? Nein. Falls Sie das nicht schon getan haben: Streichen Sie die „Fahrradsaison“ aus Ihrem Kalender. Nicht nur das Auto ist ein Fahrzeug, das bei kühlen Temperaturen, Regen und Dunkelheit genauso taugt wie in der leichten Sommerbrise. Prinzipiell kann auch das Fahrrad rund um die (Jahres-)Uhr genutzt werden.

Ob Sie sich dabei sicher fühlen, steht natürlich auf einem anderen Blatt (genauso übrigens beim Autofahren). Aber wichtig ist doch, dass wir diese Idee in unseren Köpfen verankern, danach handeln und sie weitergeben.

Hier sind wir am Punkt „Mentalität“ angelangt, den auch Stolbergs Mobilitätsmanager Georg Trocha für unerlässlich hält, wenn es um die Verkehrswende geht. Ohne Frage, eine mehr auf das Rad ausgelegte Infrastruktur ist auch ein essenzieller Faktor. Sie bietet den notwendigen Schutz. Und hier haben viele Städte noch alle Hände voll zu tun. Das geht allerdings nicht so schnell, genau genommen sogar nur sehr langsam.

Bis dahin gilt ganz besonders: Der Radverkehr muss präsent sein! Fahren Sie mit Ihren Kindern alltägliche Wege mit dem Rad. In Stolberg können Sie sich sogar das Lastenrad „Moritz“ kostenfrei ausleihen, falls es etwas zu transportieren gibt.

Halten Sie beim Autofahren eineinhalb Meter Abstand zum Radverkehr (und wenn das nicht geht, bleiben Sie so lange hinter der Person auf dem Fahrrad). Fahren Sie mit dem Rad ganz vorne an die Ampel. Schmücken Sie sich und Ihr Rad mit Reflektoren. Hupen oder meckern Sie Menschen auf dem Fahrrad nicht sofort an. Denken Sie über Diensträder neben Dienstwagen nach.

Nur, weil die Straßen noch diesen Eindruck vermitteln, darf das Auto nicht mehr als Verkehrsteilnehmer Nummer Eins bewertet werden. Denn auch eine Stadtverwaltung hat mehr Möglichkeiten, wenn sichtbar ist, dass Bedarf vor Ort da ist. Auf globaler Ebene ist er das jedenfalls: Aufs Rad steigen bedeutet zur Verkehrswende beisteuern. Die wiederum steuert dazu bei, den Schaden, den der Planet durch die Erderwärmung nimmt, zu begrenzen. Denn wenn alle auf die astreine Infrastruktur in den Städten warten, ist es dafür zu spät.