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Lange Wartelisten: Corona und Hochwasser sorgen für große Defizite beim Schwimmen

Lange Wartelisten : Corona und Hochwasser sorgen für große Defizite beim Schwimmen

Die Freibadsaison nähert sich dem Ende, doch das Thema Schwimmen bleibt wichtig – gerade die Schwimmfähigkeit von Kindern. Wie ist die Lage in Eschweiler und Stolberger Vereinen?

Von den Lockdowns während der Coronavirus-Pandemie waren vor allem Kinder am stärksten betroffen: keine Schule, keine sozialen Kontakte, keine Vereinssporttätigkeiten. Nun kehrt langsam wieder Normalität ein, doch viele Lücken sind noch immer geblieben – auch in Sachen Schwimmfähigkeit. Die zuletzt tödlich verunglückten Kinder in der Eifel führten ein großes Problem vor Augen: Viele Kinder haben heutzutage keine Sicherheit im Wasser. Wie sieht die Situation in Eschweiler und Stolberg aus?

Der Schwimmverein Wasserfreunde Delphin Eschweiler nimmt Kinder üblicherweise ab fünf Jahren auf. „Dann haben sie bereits Kindergarten-Erfahrungen gesammelt und besitzen die Reife, um sich in eine Gruppe einzufügen“, erklärt Christoph Herzog, Vereinsvorsitzender und Vorsitzender des Stadtsportverbands Eschweiler. Zwei Jahre konnten aufgrund des Lockdowns keinerlei Kurse stattfinden. „In diesen zwei Jahren ist viel liegen geblieben. Außerdem haben wir einige Übungsleiter verloren, die sich während der Pandemie etwas anderes gesucht haben und nun auch nicht mehr zurückkommen“, berichtet Udo Martinett, Cheftrainer der Wasserfreunde.

Die Nachfrage nach Schwimmkursen sei nun nach dem Lockdown riesig. „Unsere Warteliste ist voll. Fünfjährige, die aktuell auf der Liste stehen, werden erst mit sieben Jahren an der Reihe sein“, sagt Herzog. Und nicht nur das: Derzeit wird auch niemand mehr auf die Warteliste gesetzt. „Wir sind nicht die einzigen mit einem Aufnahmestopp. Auch die DLRG hat keine Kapazitäten mehr“, berichtet Martinett.

Was die Situation für Eschweiler Vereine zusätzlich erschwert, ist das fehlende Hallenbad Jahnstraße. Der Ersatzneubau des vom Hochwasser zerstörten Hallenbads wird noch einige Jahre auf sich warten lassen. „Wir mussten uns nach der Flut organisieren und schauen, wohin wir ausweichen können“, erzählt der Stadtsportverband-Vorsitzende. „Anfängerkurse für Kinder bieten wir aktuell in Langerwehe in einem Lehrschwimmbecken einer Grundschule an. Für die anderen Kurse sind wir nach Stolberg, Übach-Palenberg und auch nach Aachen ausgewichen“, erklärt Udo Martinett.

Manfred Beißel, Leiter des Stolberger Hallenbads Glashütter Weiher, berichtet von ähnlichen Eindrücken. „Die Wartezeit für Kinder, die schwimmen lernen wollen, beträgt momentan etwa eineinhalb Jahre.“ Manche Schulen bieten laut Beißel deshalb in den Ferien separate Schwimmkurse an, um der Nachfrage besser entsprechen zu können. So auch in den kommenden Herbstferien.

Nach der Flut vom 14. und 15. Juli 2021 haben viele Stolberger Vereine auch Eschweiler Vereine unterstützt und ihnen Wasserzeiten angeboten. „Natürlich konnten dadurch die Bahnen jeweils nur eingeschränkt genutzt werden, aber im Großen und Ganzen funktioniert das gut“, zeigt sich Manfred Beißel zufrieden.

Eine große Hoffnung für die Vereine aus Eschweiler liegt auf dem Bau der Traglufthalle für das Freibad Dürwiß. „Wir hoffen, dass wir nach der Fertigstellung der Halle wieder möglichst vielen Kindern das Schwimmen beibringen können“, sagt Udo Martinett. „Das Schöne an der Konstruktion ist, dass sie eine vernünftige Wasserfläche bietet, sogar mehr Quadratmeter als in der Jahnhalle. Daher kann man da gut vieles parallel machen“, freut sich Christoph Herzog. Aus der Vorlage des an diesem Dienstag tagenden Sportausschusses (siehe Infobox) geht hervor, dass die Aufstellung der Traglufthalle im November und Dezember erfolgen soll. Mit der Inbetriebnahme der Traglufthalle rechnet die Stadtverwaltung demnach Anfang 2023. Die Umkleidekabinen seien bereits ertüchtigt worden. „Dadurch, dass das Freibad nicht nur überdacht wird, sondern wie in einem Hallenbad auch beheizt wird, ist es für Kinder ideal“, fügt Martinett hinzu.

„Für den Neubau der Jahnhalle wurde derweil eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Anforderungen der Hallennutzer bündeln und nach den Wünschen ein Raumbuch erarbeiten soll. So sollen Dinge angepasst werden, die vorher nicht ideal waren“, erzählt Christoph Herzog und kritisiert: „Das Treffen sollte nach den Sommerferien stattfinden, aber bisher ist noch nichts geschehen.“ Er und auch Udo Martinett begrüßen diese AG und freuen sich, wenn die Arbeit aufgenommen wird. „Wir haben aber Angst, dass viel Zeit verloren geht. Das aber darf nicht passieren, weil das Thema enorm wichtig ist“, fordert Martinett zügiges Handeln.

Dass viele Kinder heutzutage nicht mehr schwimmen können, sei zum einen der Pandemie geschuldet. „Aber auch Schulen haben nicht mehr die Möglichkeit für einen ordentlichen Schwimmkurs“, sagt Herzog. Die Zeit sei viel zu begrenzt und Lehrer, die Schwimmunterricht geben können, fehlten oftmals. „Wenn man an Grundschulen ein eigenes Lehrschwimmbecken hat, dann können die Kinder auch schwimmen. In Eschweiler haben wir aber leider kein Lehrschwimmbecken mehr“, ergänzt Martinett.

Ein weiterer Grund für die zunehmenden Defizite beim Schwimmen sei, dass Eltern heute nicht mehr so viel Wert auf die Schwimmausbildung ihrer Kinder legen. „Das alles auf die Lehrer und die Schulen abzuwälzen, ist unfair“, sagt der Cheftrainer der Wasserfreunde Delphin Eschweiler.

Auch finanzielle Probleme seien manchmal für die Abstinenz in Schwimmkursen verantwortlich. „Wir haben deswegen auch Angebote wie ,10 Euro für 10 Stunden‘. Außerdem haben Eltern die Möglichkeit, sich die Kurse über das Bildungs- und Teilhabepaket bezahlen zu lassen“, sagt der Vorsitzende des Stadtsportverbands.

Darüber hinaus würde die Stadt Eschweiler den Vereinen entgegenkommen und ihnen das Hallenbad für Ferien-Kurse kostenlos zur Verfügung stellen. Die Resonanz darauf sei groß. „Deshalb hoffen wir, dass wir auch in den Osterferien 2023 wieder solche Kurse anbieten können“, sagt Udo Martinett.