Eschweiler: Comedian Hastenraths Will gibt Einblicke in den Radioalltag

Eschweiler: Comedian Hastenraths Will gibt Einblicke in den Radioalltag

„Ich hör‘ immer Stimmen… Wo kommen die her?!“ Eine Frage, die sich sicher viele Menschen tagtäglich stellten und die nun endlich geklärt werden sollte. Das zumindest kündigte Hastenraths Will an.

Bereits seit August 2012 ist der „Landwirt der Herzen“, mit seiner Informationsshow „Schlau wie Sau“ bei einem Radiosender präsent. Am Dienstagabend wollte er im Talbahnhof mit seinem Programm „Hastenraths Will on Air“ seinen Zuschauern die Gelegenheit bieten, einmal hinter die Kulissen zu schauen.

„Ich möchte Sie partifizieren lassen — an diesem Wissen“, erklärte er selbstlos. Und trotz der Livesendung ließ er es sich nicht nehmen, mit seinen Gästen hin und wieder ein Pläuschchen zu halten über Gott und die Welt — schließlich sei das Ganze ein „Pilotenprojekt“, ab und zu würde er kurz unterbrechen, aber sonst laufe im Hintergrund eine endlose Kassette, jetzt gerade beispielsweise Coldplay mit „Macarena“.

Auf der Bühne war ein typisches Radiostudio aufgebaut, mit allem, was es braucht. Besonders wichtig: die Lichtsäule. Wenn die rot leuchte, sei er live auf Sendung, wenn sie grün blinke, sei jemand aus dem Publikum in der Leitung, bei weißem Blinken der Chefredakteur, der sich auch gleich meldete und Hastenraths Will zum Arbeiten brachte. Eine Blitzermeldung sollte durchgegeben werden. Daher warnte er seine Zuhörer auch gleich vor den „Senfhosen“ im blauen Auto und bot auch gleich kostenlose Ausreden an: „Mein Tacho geht nach.“ „Unter dem Bremspedal klemmt eine Kartoffel.“ „Bergauf muss ich immer schneller fahren, sonst säuft mir der Motor ab.“

Kurz darauf meldete sich erneut der Chefredakteur und beschwerte sich über das Wort „Senfhosen“. „Spaßverderber“ beschwerte sich Will, nachdem er den Hörer wieder aufgelegt hatte. Aber wie heißt es so schön: The Show must go on. Denn oft müsse man schließlich in Sekunden entscheiden, wie man was sage — „Aber ich bin ja Profi.“ Nach 650 Folgen „Schlau wie Sau“ habe er eine gewisse Routine. Also alles kein Problem.

Oft werde er aber auch gefragt, wo er die ganzen Themen hernehme, über die er spreche. Er lese einfach viel Zeitung auf dem Klo. Gerne erzähle er aber auch über seine Frau, sie sei seine Inspirationsquelle, deshalb sei er auch glücklich verheiratet.

Doch das Gespräch mit dem Publikum wurde erneut unterbrochen: Der Chefredakteur wartete in der Leitung. Eine Verkehrsmitteilung — Auf der A44 befinde sich ein Verkehrshindernis, ein Fiat Panda Baujahr 1996 fahre mit 80 km/h. Er richtete auch gleich die Bitte an seine Zuhörer, das Hindernis von rechts auf der Unfallspur zu überholen und per Handzeichen zu signalisieren, dass er einen Gang höher schalten solle. Nach einer kurzen Kaffeepause im Studio dann ein erneuter Anruf vom Chefredakteur und der schnelle Griff an die Knöpfe und zum Mikro: Entwarnung. Die Polizei habe den Fiat Panda von der Fahrbahn in den Straßengraben abgedrängt. Fahrer und Beifahrer seien wohlauf, die A44 sei nun jedoch vorübergehend wegen Bergungsarbeiten bis voraussichtlich nächsten Mittwoch gesperrt.

Kurz darauf meldete sich erneut der Redakteur, um sicher zu gehen, dass auch alles gut sei. „Die kleben an meinen Lippen“, meinte Hastenraths Will zuversichtlich und sollte auch gleich das nächste Mal auf Sendung gehen. Sportreporter Tim Gorgeles meldete sich aus dem Stolberger Fußballstadion, wo seit der 17. Minute (bisheriger Spielstand 8:0) ein Flitzer über das Spielfeld laufe, er trage nur eine Socke, die aber in Vereinsfarben. Er sei auch noch nicht eingefangen worden, habe jedoch bereits drei Tore für die SG Eschweiler geschossen. Inspiriert von der Werbung „Miniwini Partywurst“, welcher diese Meldung sponserte, war das nächste Gesprächsthema programmiert: Veganer.

Er als „Chefwürstchenwender beim Pfarrfest“ sehe die meist schon in der Ferne irgendwo grasen, dann würden sie irgendwann rüber kommen und fragen „Habt ihr nicht auch was Veganes?“ „Doch hier die Pappteller.“ Später sehe er sie dann am Maiskolben kauen — „die Müslitaliban“. Seine Frau sage dann immer: „Du kannst die Menschen nicht so beleidigen.“ Sie sei manchmal aber sogar beleidigt, wenn er ihr ein Kompliment mache. Letztens erst habe er ihr gesagt: „Dein Hintern ist für mich das größte — das ich kenne.“ Drei Tage habe sie nicht mit ihm geredet, was für ihn sehr erholsam gewesen sei.

Letztens sei ihm aber etwas ganz ähnliches passiert. Nach dem Vorstellungsgespräch beim Radiosender habe ihm der Chefredakteur gesagt, er habe „das perfekte Radiogesicht“. Auf dem Nachhauseweg habe er das dann erst richtig verstanden.

Er erklärte seinen Zuschauern aber auch, dass Vieles verboten sei im Radio, wie zum Beispiel die Zigarettenwerbung. Auch dürften keine Randgruppen diskriminiert werden. „Knoppers, halb 10 in Deutschland“ — eine klare Diskriminierung von Studenten, so der Comedian. „Das geht nicht.“ Und überhaupt die Werbung von Saitenbacher Müsli. „Das die den Typ noch nicht abgeholt haben!“ Das liege auch nur daran, dass er der Chef von dem Laden sei. Das Gute an schlechter Radiowerbung: Man wisse die Musik wieder zu schätzen.

Wobei manche Lieder für einen Moderator auch nicht einfach seien, vor allem jene, die wieder neu anfangen, wenn man dachte, sie sind zu Ende. Heute gehe das, aber „früher hätten wir ihn umbringen können“, wenn der Moderator am Ende über das Lied quatscht. Da saß man schließlich mit dem Kassettenrekorder mit Mikrokabel an den Boxen, um das Lied aufzunehmen. Er habe auch immer Mixkassetten aufgenommen, um Frauen zu beeindrucken. Wenn sie fertig gewesen sei, seien die Lieder meist gar nicht mehr aktuell gewesen. Spätestens seit diesem Abend wissen viele Indestädter, wie lustig Radio auch hinter den Kulissen ist.

(jlm)
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