Christoph Titz spielt mit seiner Band im ausverkauften Talbahnhof

Eschweiler: Ein Heimspiel für Christoph Titz mit Funk, Jazz und noch viel mehr

Wenn es um Modern Jazz geht, fällt der Name von Christoph Titz ziemlich bald. Der Trompeter mit dem Wuschelkopf gilt dank seines Mix‘ aus Funk und anderen nicht gerade Jazz-konformen Stil-Elementen als ziemlich angesagt — und wurde vor fast genau 50 Jahren an der Inde geboren.

Jetzt zog es den Interpreten, der inzwischen in Berlin lebt, wieder in seine Heimatstadt zurück: Zusammen mit seiner Band „Scetches 4tet“ trat er im völlig ausverkauften Saal des Kulturzentrums Talbahnhof auf.

Swingender Jazz

Das war eigentlich nur bei ein, zwei Nummern cooler, swingender Jazz, den Titz da mit seinen künstlerischen Spießgesellen Werner Lauscher (Bass), Marc Lehan (Schlagzeug) und Michael Bisceglia (Keyboards) darbot — besonders eindrucksvoll mit seiner Bearbeitung von Rocco Granatas Schlager „Paisiello mio“.

Im wesentlichen spielten der Bandleader und seine Musiker Fusion, selbst gebrannte Musik mit mehreren Zutaten wie Funk, Latin Music und mehr. Diese Lust an der musikalischen Grenzüberschreitung nimmt eigentlich kaum Wunder, wenn Christoph Titz in Aktion tritt, denn der reist nicht nur in seiner Musik, sondern auch tatsächlich um die Welt und ist mit Kollegen unter anderem in Kuba, Indien und Marokko aufgetreten.

Einer erzählerischen Beschreibung entziehen sich Titel wie „Just play“, „Bert“ und andere mehr. Mit der stilistischen Zuordnung will es ebenso wenig klappen. Aber eines entsteht im Zusammenspiel der vier Musiker immer wieder: eine energiereiches, bisweilen brodelndes Gebräu aus verschiedenen Einflüssen, in dem vom Funk eine schärfende Wirkung wie von Tabasco-Soße ausgeht.

In die Tasten gestürzt

Denn diese Musik geht nicht flott wie beim Easy Listening zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus. Wie bei der Soße auf den Geschmackspapillen, so brennt die Musik von Titz und den anderen „Scetches“ kräftig nach.

Und das ist nicht nur das Verdienst des Leaders und Stars, sondern auch die des phänomenalen Keyboarders Michel Bisceglia, der sich ein ums andere Mal regelrecht in die Tasten zu stürzen scheint. Das ist Musik, die mitreißt, Musik, bei der der Funke überspringt. Und darum war dieses Konzert nicht bloß ein Konzert, sondern mindestens ebenso sehr ein Erlebnis.

(ch)
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