Eschweiler: Chorprobe: Begeisterte Laien wagen sich ans Meisterwerk

Eschweiler: Chorprobe: Begeisterte Laien wagen sich ans Meisterwerk

Humor, Lachen und bisweilen ein Schuss Selbstironie dürfen bei Chorproben nicht fehlen. Selbst wenn man ein so würdig-ernstes Werk wie das „Weihnachtsoratorium” von Johann Sebastian Bach (1685-1750) einstudiert.

Selbst, wenn die innere Anspannung wächst, je näher der Aufführungstag (8. Dezember, 19 Uhr, in der Evangelischem Dreieinigkeitskirche) rückt. „Mir fehlt noch etwas der Schwung”, ruft Kantor Gerhard Behrens durch den Probenraum im Evangelischen Gemeindezentrum.

Und neben dem manchmal noch steigerungsfähigen Selbstvertrauen in die eigenen vorhandenen Fähigkeiten gilt es auch noch an der Artikulation zu arbeiten: „Verschluckt bitte bei ,und Frieden auf Erden nicht das erste D. Sonst kommt eine ganz andere Botschaft als die von Bethlehem rüber”. Ein Bass-Sänger kontert trocken, wenn auch nur halb vernehmbar: „Mit dem D besingen wir den Weihnachtswunsch. Wenn es wegfällt, besingen wir eben die Realität”.

Zwei Beispiele dafür, dass es nicht bierernst bei einer Chorprobe zugehen muss. Das sind jedoch nur Ventile, ist aber nicht die Grundstimmung dieser Probe von Kammerchor „Cantabile” und dem „Vocalensemble” der Evangelischen Kantorei. Es herrscht konzentrierte Anspannung vor. Etwas anderes wäre auch bei der anspruchsvollen Aufgabe verwunderlich: Zum ersten Male führen beide Chöre zusammen Teil eins bis drei des Bachschen „Weihnachtsoratoriums” unter der Leitung des Evangelischen Kantors Gerhard Behrens auf.

Pianist Gregor Josephs, der Leiter von „Cantabile”, ist diesmal ins zweite Glied gerückt - mit dennoch wichtiger und verantwortlicher Aufgabe. Als Korrepititor spielt er stellvertretend für das erst in der Schlussphase hinzukommende Kammerorchester die Begleitung für den Chor. An einem Ende des Raumes steht Dirigent Gerhard Behrens und am anderen sitzt Gregor Josephs am Klavier. Sie steuern und bändigen die Fugen und Choräle, die zwischen ihnen „toben”, singen und „jauchzen”. Ja, „Jauchzet, frohlocket” heißt schon der berühmte Eingangschor, der am 8. Dezember in die Pauken und Trompeten einfallen wird. „Das Jauchzen muss man Euch auch an den Gesichtern ansehen, sonst kommt es beim Singen nicht so gut rüber”, macht Behrens seinen Schützlingen auf den letzten „Proben-Metern” Mut.

„Lasset uns nun gehen” heißt der sogenannte Bethlehem-Chor in Bachs „Weihnachtsoratorium”. Die Chöre setzen diese Bewegung schön im Sinne der barocken Affektenlehre um: vorwärtstreibend, nacheinander in die Stimmen einsetzend. Die Freude und die innere Unruhe der Menschen, welche den Messias erwarten, kann der Zuhörer innerlich nachvollziehen.

„Ja, schön macht ihr das, so möchte ich es hören”, ruft Gerhard Behrens in den Saal. „Lasset uns nun gehen”: Das Gleiche kann der Dirigent seinen Sängerinnen und Sängern erst nach zwei vollen Stunden zurufen. Eine Probeneinheit dauert in normalen Zeiten bei Chören in der Regel eineinhalb Stunden. Doch es sind keine normalen Musik-Zeiten derzeit in Eschweiler - weil sich nämlich begeisterte Laien in dieser Zusammensetzung erstmals an Bachs Meisterwerk wagen!

Neben den erwähnten Chören und einem Projekt-Kammerorchester wirken vier Solisten beim Weihnachtsoratorium am 8. Dezember mit: Bettina Thülen (Sopran), Anna Fischer (Alt), Walter Drees (Tenor) und Manfred Bühl (Bass). Eintrittskarten (Kinder bis zwölf Jahre haben in Begleitung freien Eintritt) gibt es bei der Buchhandlung Oelrich und Dreschers sowie im Evangelischen Gemeindebüro, Moltke-straße 3.