Eschweiler-Röthgen: Chor „Carmina Mundi“ begeistert in St. Marien

Eschweiler-Röthgen: Chor „Carmina Mundi“ begeistert in St. Marien

Es war eine außergewöhnliche Stunde, die 34 Sängerinnen und Sänger ihren Zuhörern am späten Sonntagnachmittag in der gut besuchten Pfarrkirche St. Marien bescherten. Doch „Außergewöhnlichkeit“ hat sich der Aachener Chor „Carmina Mundi“ mit seinem Gründer und Chorleiter Harald Nickoll auch auf seine Fahne geschrieben.

Die Philosophie lautet nämlich, sich mit Hilfe des A-cappella-Gesangs der „reinen Stimmung“ zuwenden zu können. „Dies ermöglicht das Singen im Naturklang unter Einbeziehung der natürlichen Obertöne. Die tonalen Beziehungen und Harmoniewechsel werden deutlicher, die Dissonanzen heben sich umso schärfer ab und der Wechsel von Spannung und Entspannung ist intensiver“, so der Dirigent, der auch als Leiter der Musikschule der Stadt Aachen fungiert und auf dessen Initiative „Carmina Mundi“ im Jahr 1983 entstand.

Breitgefächertes Repertoire

Dass diese Klangphilosophie auch und gerade ein breitgefächertes Repertoire ermöglicht, stellten die Sängerinnen und Sänger während ihres Konzerts eindrucksvoll unter Beweis, als sie zunächst das „Adoramus te“ von Quirino Gasparini feinfühlig und perfekt abgestimmt intonierten, um im weiteren Verlauf der „Eröffnungstrilogie“ Antonio Lottis „Crucifixus“ zu interpretieren, bevor sie schließlich mit Claude Debussys „Tabourin“ den Sprung vom 18. in die Schlussphase des 19 Jahrhunderts wagten.

Wenig später widmete sich der Chor Werken zeitgenössischer Komponisten: So mit „The Conversion of Saul“ des US-Amerikaners Randall Stroope, der die Verwandlung des Saulus, dessen Seele sich dem Guten zuwendet, zu Paulus thematisiert.

Eine geradezu mystisch geheimnisvolle Stimmung zauberten die Sängerinnen und Sänger während der Wiedergabe des Stückes „Stars“ des lettischen Komponisten Erik Esenvalds herbei, indem sie zunächst mit unterschiedlich stark gefüllten Wassergläsern einen Klangteppich erzeugten, den sie mit großartiger Präzision „übersangen“, wofür sie nach dem Verklingen des letzten Tons Szenenapplaus des spürbar beeindruckten Publikums erhielten.

Die Vielfältigkeit der Interpretationsmöglichkeiten, die das „Vater unser“ bietet, stand im Mittelpunkt der Abschlusssequenz des Konzertes. Getragen und ein wenig schwermütig bittend die Version des russischen Komponisten Nikolay Kedrov in deutscher Sprache, lebensfroh, mitreißend und rhythmisch das „Baba jetu“ in Kisuaheli. Dankbarer Applaus der Zuhörer, die sich von ihren Plätzen erhoben, belohnte die Musiker, die ihrem Namen „Lieder der Welt“ einmal mehr Ehre bereitet hatten.

„Heimat ist in Urwort“

Eingebettet in die wunderschöne Klangatmosphäre brachte Pfarrer Hannokarl Weishaupt als Ergänzung immer wieder kurze „Impulsgedanken“ ein: „Der Chor ‚Carmina Mundi‘ stammt aus meiner Heimatstadt Aachen. Heimat ist für den Menschen ein Urwort.

Wir leben in ihr gemeinsam mit unserer Familie, unseren Freunden, quasi in einem festen Haus. In dieser Kirche sind wir derzeit von Hungertüchern umgeben, die uns auf Menschen in aller Welt aufmerksam machen, die es schwer haben. Es ist der Glaube an Gott, der uns die Kraft gibt, Ungerechtigkeit anzuprangern und Veränderungen vorzunehmen sowie ein Herz verleiht, das gut zu allen Menschen ist“, so der Geistliche. Die Welt draußen sei in einem erbärmlichen Zustand.

Daraus resultierten Ängste, die drohten, die Menschen zu lähmen und sie dazu brächten, sich zu verschließen. „Es ist die Sorge um unser gemeinsames Haus, die uns antreibt, gegen jede Form von Ausnutzung anderer Menschen die Stimme zu erheben“, sagte Weishaupt.

(ran)